Office-Umstieg, Dänemark

Office-Umstieg in Dänemark: Leere Seiten und Fehler bei .docx-Dateien

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 14:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach dem Ende des Tests bleiben Dänemarks Pläne zur digitalen Souveränität offen; technische Probleme erschwerten den Wechsel.
Ein leeres, minimalistisches Regierungsbüro mit unbesetzten Schreibtischen und natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Dänemark hat einen Pilotversuch beendet, bei dem Microsoft Office in der Verwaltung durch die quelloffene Bürosoftware Collabora ersetzt werden sollte. Das Digitalisierungsministerium des Landes hatte das Projekt mit 38 Mitarbeitenden im Jahr 2025 gestartet. Nach den Parlamentswahlen im Frühjahr 2026 wurde die Erprobung jedoch eingestellt und wird nach Angaben eines Ministeriumssprechers nicht wieder aufgenommen.

Das Vorhaben endete stillschweigend und ohne eine offizielle Ankündigung. Eine vergleichende Bewertung der Leistungsfähigkeit von Collabora gegenüber Microsoft Office fand nicht statt, zudem existieren weder ein offizieller Evaluierungsbericht noch veröffentlichte Vergleichsergebnisse. Berichten zufolge sei das Vorhaben nach dem Regierungswechsel schlicht in Vergessenheit geraten.

Ob Dänemark nun vollständig zu Microsoft Office zurückkehrt, alternative Programmpakete testet oder die übergeordnete Strategie für digitale Souveränität aufgibt, bleibt offen. Das ursprüngliche Ziel der dänischen Regierung aus dem Jahr 2025 sah vor, die Abhängigkeit von US-Technologieanbietern zu verringern und Windows sowie Microsoft Office schrittweise durch Linux und Open-Source-Lösungen abzulösen.

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Kompatibilitätshürden und Dateiformate

In der Praxis scheiterte der dänische Testlauf vor allem an technischen Integrationsproblemen. Dokumentiert wurden Formatierungsfehler wie etwa leere Seiten beim Öffnen bestehender Microsoft-Office-Dokumente in Collabora und umgekehrt. Zudem gelang es Collabora nicht, ältere OOXML-Dateien mit Endungen wie .docx, .xlsx und .pptx aus Word, Excel und PowerPoint fehlerfrei zu verarbeiten.

Ursache dieser Schwierigkeiten sind die unterschiedlichen Standards: Open Document Format (ODF) aufseiten der quelloffenen Software und das von Microsoft genutzte OOXML-Format. Fachleute werten solche Hürden als typisches Beispiel für einen Vendor-Lock-in.

Kritik an den Standards äußerte auch The Document Foundation. Die Organisation wirft Microsoft vor, den ISO-Normungsprozess für das rund 6.000 Seiten umfassende OOXML-Format zwischen 2006 und 2008 manipuliert zu haben.

Nach einer im September 2007 gescheiterten Abstimmung, bei der unter anderem Frankreich, Indien, Brasilien und Norwegen Einwände erhoben hatten, erfolgte die Annahme im April 2008 nur knapp.

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Zudem setze der Konzern in Microsoft 365 sowie Office 2010 überwiegend auf ein Übergangsformat statt auf die strikte ISO-Norm, was die Interoperabilität für Drittanbieter wie LibreOffice oder WPS Office bis heute belaste.

Gemischte Erfahrungen im europäischen Vergleich

Die Herausforderungen bei der Abkehr von proprietären Systemen zeigen sich auf europäischer Ebene in unterschiedlicher Ausprägung:

  • Frankreich: Die französische Gendarmerie betreibt ihr Linux-System GendBuntu auf 72.000 Laptops und entfernte 2024 die letzten Outlook-Konten. Während das Innenministerium inklusive Gendarmerie rund 20 Euro pro Arbeitsplatz für Büro- und Kollaborationswerkzeuge zahlt, liegt der staatliche Durchschnitt laut Cour des comptes bei 87 Euro. Die Behörde bezifferte das jährliche Einsparpotenzial durch Open-Source-Bürosoftware auf 30 bis 65 Millionen Euro. Dagegen kehrte das französische Kulturministerium Ende der 2010er Jahre zu Microsoft zurück, was jährliche Lizenzkosten von 378 Euro pro Arbeitsplatz verursacht.
  • Deutschland: Im September 2026 startete in Schleswig-Holstein die Umstellung der Arbeitsplätze in der Staatskanzlei von Windows auf Linux.
  • Schweiz: Die Bundesverwaltung führte per Ende 2025 flächendeckend Microsoft 365 ein. Die Eidgenössische Finanzkontrolle stellte im Oktober 2026 fest, dass der Einsatz zwar neue Funktionen biete, jedoch erhebliche Herausforderungen bei Datenschutz, Governance, Informationssicherheit und digitaler Souveränität mit sich bringe.
  • EU-Kommission: Bei der internen Kommunikation schloss die Europäische Kommission im September 2026 den Rollout des Matrix-basierten Dienstes Element für über 40.000 Beschäftigte ab. Die Plattform ersetzt Microsoft Teams jedoch nicht, sondern wird ergänzend betrieben, wobei Kompatibilitäts- und Funktionsprobleme den Regelbetrieb begleiten.

Mehr zum Thema bei Golem.de: „Keine Ablösung von Microsoft Office: Dänemark beendet Collabora-Test“

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