Pfandsystem, Millionen

Österreich: Pfandsystem bringt 7–9 Millionen Rückgaben täglich

19.06.2026 - 04:30:44 | boerse-global.de

Verschärfte Herstellerpflichten in Vietnam und EU treiben die Kreislaufwirtschaft voran. Österreichs Pfandsystem erzielt täglich Millionen Rückgaben.

Kreislaufwirtschaft: Neue Gesetze und Rekord beim Pfandsystem
Pfandsystem - Eine stilisierte Darstellung globaler Lieferketten und Kreislaufwirtschaftskonzepte mit leuchtenden Linien und Recycling-Symbolen. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Gesetze, technische Innovationen und verändertes Konsumverhalten treiben die Transformation voran.

Hersteller haften jetzt für den gesamten Produktlebenszyklus

Ein zentrales Instrument ist die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR). In Vietnam trat dazu am 25. Mai das Dekret 110/2026/ND-CP in Kraft. Unternehmen müssen künftig für den gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte geradestehen. Das Land produziert jährlich 25,3 Millionen Tonnen Haushaltsabfall – 1,8 Millionen Tonnen davon sind Kunststoffe. Die neue Regelung soll die Recyclingquoten deutlich steigern. Bereits Ende Mai waren über 60.000 Tonnen Verpackungen registriert, rund 30.000 Tonnen wurden dem Recycling zugeführt.

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Auch die Europäische Union verschärft ihre Anforderungen. Seit März 2026 gilt die Verordnung (EU) 2026/405 für Detergenzien. Sie führt neue Standards für biologische Abbaubarkeit und einen digitalen Produktpass ein. Verbindlich wird sie ab September 2029. Der EU-Aktionsplan Kreislaufwirtschaft sieht zudem strengere Ökodesign-Richtlinien für Smartphones und Tablets vor. Ziel: höhere Haltbarkeit und bessere Reparierbarkeit.

Österreich entkoppelt Wachstum vom Ressourcenverbrauch

Der zweite Fortschrittsbericht zur Kreislaufwirtschaftsstrategie in Österreich zeigt Erfolge. Die Ressourcenproduktivität liegt bei 2.626 Euro pro Tonne – über dem EU-Durchschnitt. Der inländische Materialverbrauch sank seit 2021 um 16 Prozent auf 15,7 Tonnen pro Kopf. Doch der Material-Fußabdruck bleibt mit 19,6 Tonnen pro Kopf im Jahr 2024 deutlich über dem Zielwert von 7 Tonnen für 2050.

Ein Treiber dieser Entwicklung: das Pfandsystem auf Einweggetränkeverpackungen. Seit 2025 verzeichnet Österreich täglich zwischen sieben und neun Millionen Rückgaben. 74 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 117,2 Millionen Euro wurden gefördert. Die Zirkularitätsrate – der Anteil recycelter Materialien am Gesamteinsatz – soll bis 2030 von 15,2 auf 18 Prozent steigen.

Industrie reagiert auf Konsumentenwünsche

84 Prozent der Verbraucher wünschen sich ökologisch vorteilhaftere Produkte, zeigt eine Erhebung von Kantar. Die Industrie reagiert: Im Juni wurde die Kampagne für nachfüllbare Kosmetikprodukte fortgesetzt. Das Angebot an Refill-Lösungen hat sich seit 2019 fast vervierfacht. Ein begleitendes Investitionsprogramm über 100 Millionen Euro fokussiert auf nachhaltige Verpackungstechnologien.

Auch Fairtrade-Produkte legen zu. 2024 stieg der Absatz in Deutschland um fünf Prozent. Rund 42.000 Verkaufsstellen führen entsprechende Waren. Kommunale Initiativen unterstützen den Trend. Im Juni wurde etwa die Rezertifizierung von Kaltenkirchen als Fairtrade-Stadt bestätigt.

Forschung liefert Werkzeuge für die grüne Transformation

Das Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) veröffentlichte 2026 einen Leitfaden für grüne IT und grüne Künstliche Intelligenz. Er adressiert die ökologischen Herausforderungen der Digitalisierung. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gab die Studie in Auftrag.

Die TU Wien untersuchte im Juni die Möglichkeiten einer europäischen Photovoltaik-Produktion. Der Net-Zero Industry Act sieht vor, dass die EU bis 2030 etwa 40 Prozent ihres Bedarfs an sauberen Technologien selbst deckt. Die Modellrechnungen zeigen: Eine europäische Produktion könnte bis 2040 eine Kapazität von 200 Gigawatt erreichen. Weitere 50 Gigawatt kämen aus Recyclingprozessen – ohne die Dekarbonisierungsziele zeitlich zu gefährden.

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Städte setzen auf konkrete Infrastrukturmaßnahmen

Hanoi plant für das zweite Halbjahr 2026 eine Niedrigemissionszone im Bezirk Hoan Kiem. Der öffentliche Nahverkehr der Stadt besteht bereits zu 32,7 Prozent aus Elektro- oder CNG-Bussen. Bis Ende des Jahres soll dieser Anteil auf knapp 43 Prozent steigen.

Auch das Recycling im Bausektor gewinnt an Bedeutung. In Hanoi fallen täglich rund 10.000 Tonnen Bauschutt an. Mobile Brechanlagen auf Großbaustellen reduzieren das Transportvolumen um 30 bis 50 Prozent. Diese dezentralen Lösungen ergänzen die Kapazitäten stationärer Behandlungsanlagen, die derzeit nur einen Bruchteil des Gesamtaufkommens bewältigen.

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