Öffentlicher Dienst: 634.000 Vollzeitstellen durch Teilzeit-Umwandlung
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt Wege auf, wie der drastische Personalmangel im staatlichen Sektor durch interne Maßnahmen abgemildert werden könnte.
Laut der am 31. August 2026 veröffentlichten Studie ergäbe eine theoretische Umstellung aller Teilzeitstellen auf Vollzeit im öffentlichen Dienst eine Obergrenze von 634.000 zusätzlichen Vollzeitkräften. Damit ließe sich die vom dbb Beamtenbund zeitgleich auf 631.000 bezifferte Lücke an fehlenden Arbeitskräften rechnerisch nahezu vollständig schließen.
Regionale Reserven und sektorale Schwerpunkte
Die Analyse des IW verdeutlicht, dass das Potenzial zur Arbeitszeitausweitung regional stark variiert. Würden sich alle Bundesländer dem Niveau von Sachsen-Anhalt angleichen, das bereits eine vergleichsweise hohe Vollzeitquote aufweist, ergäben sich bundesweit 294.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente.
Die größten rechnerischen Reserven verzeichnen dabei die bevölkerungsreichen Bundesländer: Bayern führt die Liste mit 129.800 potenziellen Vollzeitkräften an, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 115.100 und Baden-Württemberg mit 111.300 Stellen.
Besonders im Bildungssektor identifiziert die IW-Studie erhebliche Kapazitäten. An den Schulen könnten durch eine Aufstockung der Arbeitszeiten rechnerisch 153.000 zusätzliche Vollzeitkräfte gewonnen werden. In Kindertagesstätten beläuft sich das Potenzial auf 54.400 Kräfte.
Auch in den Kommunalverwaltungen mit 41.800, an den Hochschulen mit 16.000 sowie bei der Polizei mit 10.800 Stellen sieht das Institut Möglichkeiten, den Personalbedarf durch die Ausweitung bestehender Teilzeitverhältnisse zu decken.
Arbeitsmarktstatistik bestätigt Trend zur Teilzeit
Ergänzende Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) untermauern die Relevanz dieser Überlegungen. Im Jahr 2025 erreichte die Teilzeitquote mit 39,9 Prozent bereits einen historischen Jahreshöchstwert.
Aktuelle Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigen eine weitere Steigerung auf 40,1 Prozent bei insgesamt 45,64 Millionen Erwerbstätigen. Das Arbeitsvolumen lag in diesem Zeitraum bei 15,7 Milliarden Stunden, während der Krankenstand mit 6,1 Prozent angegeben wurde.
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Zudem leisteten die Beschäftigten laut IAB im Schnitt 15,6 unbezahlte und 11,6 bezahlte Überstunden pro Person. Diese hohe Belastung trifft auf einen Sektor, in dem die Personalausgaben kontinuierlich steigen.
Eine Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) prognostiziert für das Bundespersonal im Jahr 2026 eine Gesamtzahl von 305.753 Stellen, was einem Zuwachs von 2,6 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Bis 2027 planen die Bundesbehörden eine weitere Ausweitung auf 310.487 Stellen.
Steigende Personalausgaben und Sparforderungen
Die finanzielle Belastung durch den Stellenaufbau ist erheblich. Die INSM beziffert die Personalausgaben des Bundes für das Jahr 2026 auf 48 Milliarden Euro, eine Steigerung um 6,7 Prozent im Vergleich zu 2024. Für das Jahr 2027 wird mit einem weiteren Anstieg auf 51,62 Milliarden Euro gerechnet.
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Seit 2017 ist die Anzahl der Stellen beim Bund um 18,9 Prozent gestiegen, wobei die Zahl der Beamtenstellen sogar um 35,6 Prozent und die Personalausgaben um 50,1 Prozent zunahmen. Die größten Zuwächse verzeichneten das Innenministerium, das Verteidigungsministerium und das Finanzministerium.
Angesichts dieser Entwicklung fordern Wirtschaftsexperten das sogenannte One-in-two-out-Prinzip für die Verwaltung. Auch auf kommunaler Ebene wächst der Konsolidierungsdruck. Der Rechnungshof Hamburg weist für die Jahre 2027 und 2028 einen Bedarf von einer Milliarde Euro aus, um den Haushalt auszugleichen.
Als Maßnahmen werden unter anderem die Anhebung des Pensionsalters im Vollzugsdienst auf 62 Jahre sowie in Verwaltungsberufen auf 64 Jahre und größere Schulklassen vorgeschlagen.
Langfristige Perspektiven im Bildungsbereich
Für den Bereich der Schulen zeichnet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein differenziertes Bild. Zwar steigen die Schülerzahlen zunächst auf 11,4 Millionen an, sollen jedoch ab 2028 deutlich sinken und bis zum Jahr 2040 ein Niveau von 10,2 Millionen erreichen.
Während aktuell mindestens 60.000 zusätzliche Lehrkräfte für Qualitätsverbesserungen wie Inklusion und Ganztagsbetreuung benötigt werden, könnte es laut GEW-Prognosen Anfang der 2030er-Jahre zu einem rechnerischen Überangebot von 20.000 ausgebildeten Lehrkräften kommen. Dennoch bleibt der Mangel in spezifischen Bereichen wie der Sonderpädagogik und an berufsbildenden Schulen vorerst bestehen.
