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Öffentlicher Dienst: 36 Prozent der Beschäftigten denken über Jobwechsel nach

30.06.2026 - 05:11:52 | boerse-global.de

Studie zeigt: 36 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst erwägen einen Jobwechsel. Führungsverhalten und Digitalisierung sind Schlüsselfaktoren.

Öffentlicher Dienst: Reformdruck durch Jobwechsel und Digitalisierung
Dienst - Eine vielfältige Gruppe von Fachkräften arbeitet in einem modernen, digitalen Büroumfeld zusammen, um agile Methoden zu fördern. 30.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Demografischer Wandel, Digitalisierungsdruck und neue Erwartungen der Beschäftigten treiben die Modernisierung voran.

Jeder dritte Mitarbeiter denkt über Jobwechsel nach

Die Zahlen sind alarmierend: 36 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ziehen einen Jobwechsel in Betracht. Das ergab eine Forsa-Studie aus dem Jahr 2025. Entscheidend für die Arbeitgeberwahl: 63 Prozent der Befragten nennen ein gutes Führungsverhalten als wichtigstes Kriterium.

Traditionelle Hierarchien verlieren damit zunehmend an Attraktivität. Die Bundesverwaltung reagiert mit gesetzlichen Rahmenbedingungen wie dem Bundesgleichstellungsgesetz und dem Führungspositionen-Gesetz II. Ziel sind agile Zusammenarbeit und flache Hierarchien.

Erste Projekte laufen bereits: Das Auswärtige Amt setzt auf ein Rotationsprinzip, die Bundesagentur für Arbeit arbeitet in agilen Teams. Initiativen wie Work4Germany und Tech4Germany bringen externe Expertise für digitale Innovationen in die Ministerien.

Digitalisierung kommt voran – aber nicht schnell genug

Am 28. Juni berieten die Regierungschefs von Bund und Ländern über die föderale Modernisierungsagenda. Erste Erfolge gibt es bei Digitalisierungsmaßnahmen für Bürger – etwa beim antraglosen Kindergeld oder der digitalen Brieftasche.

Wirtschaftsverbände wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks mahnen jedoch mehr Tempo an. Besonders beim Abbau von Berichts- und Dokumentationspflichten sehen sie Nachholbedarf.

Die Föderale IT-Kooperation sucht derzeit eine Leitung für die Produktgruppe Marktplätze. Die Position soll Projekte wie den Marktplatz Deutschland Digital und die Deutsche Verwaltungscloud vorantreiben. Gefragt sind neben technischem Know-how vor allem Führungsqualitäten für interdisziplinäre Teams im mobilen Arbeitsumfeld.

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Internationale Vorbilder: Vietnams „sechs Klarheiten“

Der Reformdruck ist global. Vietnam erließ am 28. Juni eine Richtlinie zur Stärkung der Verwaltungsdisziplin. Das Prinzip der „sechs Klarheiten“ steht im Zentrum: klare Verantwortlichkeiten, Aufgaben, Rechenschaftspflichten, Befugnisse, Zeitpläne und Ergebnisse.

Die Erfüllung dieser Vorgaben fließt künftig direkt in die Leistungsbewertung von Führungskräften ein. Ziel ist es, Verantwortungsabwälzungen zu verhindern.

In der Gemeinde Gia Lam evaluierten die Verantwortlichen nach einem Jahr Laufzeit ein zweistivufiges Kommunalverwaltungsmodell. Die elektronische Dokumentenbearbeitung macht Fortschritte. Doch eine uneinheitliche IT-Infrastruktur und fehlende digitale Kompetenzen bleiben große Herausforderungen.

44 Prozent der Beschäftigten gehen in den Ruhestand

Die demografische Entwicklung verschärft die Dringlichkeit der Reformen. Bei Budgetdiskussionen am 29. Juni wurde bekannt: In den kommenden 13 Jahren scheiden etwa 44 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst aus.

Um diesen massiven Personalabgang zu kompensieren, planen Verwaltungen erhebliche Investitionen in Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Allein für das Bundeskanzleramt sind für 2027 und 2028 Budgetsteigerungen vorgesehen – primär für IT-Infrastruktur und Integration.

Durch Digitalisierungsmaßnahmen und gezielte Nichtnachbesetzung von Stellen erwarten die Verantwortlichen langfristig Einsparungen in Millionenhöhe. Gleichzeitig gewinnen Verwaltungsakademien an Bedeutung, um das verbleibende Personal auf die neuen Anforderungen vorzubereiten.

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Mehr Geld für Beamte in Brandenburg

Neben strukturellen Reformen rücken auch monetäre Anreize in den Fokus. In Brandenburg einigten sich das Finanzministerium und Gewerkschaften am 29. Juni auf deutliche Gehaltssteigerungen für Beamte. Hintergrund: Frühere Besoldungsstrukturen waren als nicht verfassungskonform eingestuft worden.

Im Gegenzug steigt die wöchentliche Arbeitszeit vorübergehend leicht an. So soll die Funktionsfähigkeit der Verwaltung trotz Personalengpässen gesichert bleiben.

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