OECD-Rentenbericht: Deutsche müssen zusätzlich 11 bis 14 Prozent sparen
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom 4. November 2026 verdeutlicht, dass die gesetzliche Rente in Deutschland allein nicht genügt, um den gewohnten Lebensstandard im Alter abzusichern.
In ihrer achten Ausgabe des Berichts „Pensions Outlook 2026“ kommt die Organisation zu dem Schluss, dass Erwerbstätige in 40 von 41 untersuchten Staaten zusätzlich vorsorgen müssen, um ihre angestrebten Einkommensziele im Ruhestand zu erreichen. Vor allem Frauen und Selbstständige stehen vor erheblichen Herausforderungen.
Deutliche Lücke im deutschen Rentensystem
In Deutschland lag die Nettoersatzquote im Jahr 2025 bei 53,3 Prozent und verfehlte damit den OECD-Durchschnitt von 63,2 Prozent deutlich. Erst durch das Hinzuziehen freiwilliger privater Vorsorgemodelle klettert die Quote auf 68,0 Prozent.
Laut dem Rentenversicherungsbericht 2025 bleibt das gesetzliche Rentenniveau bis 2031 bei 48 Prozent stabil, bevor es bis 2039 voraussichtlich auf 46,3 Prozent absinkt.
Um den Lebensstandard im Alter zu halten, müssen Beschäftigte in Deutschland nach OECD-Berechnungen eine zusätzliche Sparquote von 11 bis 14 Prozent aufbringen. Für männliche Geringverdiener mit einem halben Durchschnittseinkommen beträgt die Beitragslücke mindestens 10 Prozent des Einkommens, während sie für männliche Durchschnittsverdiener bei rund 11 Prozent liegt.
Erschwerend kommt hinzu, dass Wohneigentum hierzulande lediglich 25 Prozent des Haushaltsvermögens ausmacht, während im OECD-Schnitt ein Anteil von 50 Prozent erreicht wird.
Wer sich mit dem Thema der langfristigen Absicherung befasst, sollte auch die rechtliche Vorsorge für den Ernstfall nicht vernachlässigen. Dieser kostenlose Ratgeber liefert Ihnen geprüfte Vorlagen für Testament und Patientenverfügung, um Ihre Familie ohne teure Notarkosten abzusichern. Berliner Testament & Patientenverfügung: Jetzt Vorlagen gratis sichern
Internationaler Vergleich und Sparbedarf
Die Notwendigkeit zusätzlicher privater Rücklagen variiert international stark. In 17 der 41 untersuchten Länder liegt der zusätzliche Sparbedarf bei mindestens 10 Prozent.
Polen verzeichnet einen Bedarf von rund 17 Prozent, während in Kroatien, Irland und Litauen ebenfalls Werte von über 15 Prozent ermittelt wurden. Demgegenüber erfordert der Ruhestand in Bulgarien, Finnland, Schweden und der Slowakei eine zusätzliche Sparquote von unter 5 Prozent.
Für Frankreich bezifferte Stéphanie Payet von der OECD den notwendigen zusätzlichen Sparbeitrag über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg auf 6,2 Prozent des Salärs, um ein Rentenniveau von 70 Prozent zu sichern. Bei französischen Geringverdienern liegt der Wert bei 10,9 Prozent, bei Spitzenverdienern bei 5,9 Prozent.
Allerdings verfügten dort im Jahr 2024 lediglich 29,4 Prozent der Erwerbsbevölkerung über einen arbeitgeberfinanzierten freiwilligen kapitalgedeckten Rentenplan, während 15,6 Prozent eine individuelle Lösung eingerichtet hatten.
In Österreich hingegen erzielt die gesetzliche Pension für männliche Durchschnittsverdiener nach vollständiger Erwerbsbiografie eine Ersatzrate von mindestens 70 Prozent des letzten Bruttoeinkommens, womit die OECD die Beitragslücke mit null beziffert.
Allerdings erreicht das Pensionsvermögen dort nur 7,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), verglichen mit 6,2 Prozent in Deutschland, 118 Prozent in Schweden und 169 Prozent in der Schweiz.
ÖGB-Pensionsexpertin Anja Hafenscher betonte, dass die gesetzliche Pension stark sei und funktioniere, während Agenda-Austria-Ökonomin Carmen Treml den Wert von 7,2 Prozent des BIP als unzureichend einstufte und darauf hinwies, dass nur jeder Sechste über eine Betriebspension verfüge.
Zur umfassenden Vorsorge gehört neben dem finanziellen Polster auch die Vermeidung juristischer Fallstricke im Erbfall. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, wie Sie Ihren Nachlass rechtssicher regeln und dabei durch strategische Planung erhebliche Summen an Steuern sparen können. Kostenlosen Ratgeber für Nachlass-Vorsorge herunterladen
Reformschritte und globale Kapitaldeckung
Das kapitalgedeckte Vorsorgevermögen in den OECD-Ländern stieg Ende 2025 auf rund 78 Billionen US-Dollar an, was einem Zuwachs von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Bestand an verwalteten Finanzaktiva entspricht 106 Prozent des BIP der OECD-Zone, verglichen mit 62 Prozent im Jahr 2001. Die Organisation formulierte elf konkrete Handlungsschritte für die Politik und empfiehlt den konsequenten Ausbau kapitalgedeckter Systeme.
In Deutschland war das Interesse an bestehenden Fördermodellen zuletzt rückläufig: Die Zahl der Riester-Verträge sank nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales von 16,607 Millionen Ende 2017 auf 14,664 Millionen Ende 2025, wobei gut ein Fünftel bis knapp ein Viertel der Policen ruht.
Als Reaktion verabschiedeten der Bundestag am 27. März 2026 und der Bundesrat am 8. Mai 2026 das Altersvorsorgereformgesetz mit Wirkung ab Januar 2027. Das Regelwerk sieht bei einem Mindesteigenbeitrag von 120 Euro eine Grundzulage von 50 Prozent auf Beiträge bis 360 Euro sowie 25 Prozent auf Beträge zwischen 360 und 1.800 Euro pro Jahr vor, was maximal 540 Euro pro Jahr ergibt. Hinzu kommen eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro je Kind und ein einmaliger Bonus von 200 Euro für Personen unter 25 Jahren.
Zudem werden Standardprodukte eingeführt, deren Effektivkosten auf höchstens 1,0 Prozent begrenzt sind und deren Auszahlungsplan frühestens mit dem 85. Lebensjahr endet.
