OECD-Bildungsstudie, Lehrkräftemangel

OECD-Bildungsstudie: Lehrkräftemangel beeinträchtigt den Lernerfolg an Schulen

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutschland liegt bei MINT-Abschlüssen vorn, doch Lehrkräftemangel und schwache Kompetenzwerte belasten die Schulen.

OECD-Bildungsstudie 2026: Deutschlands Stärken und Schulprobleme
Modernes Schulgebäude mit Glasfassade und begrüntem Innenhof in ruhiger Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Staates hängt maßgeblich von der Qualität seines Bildungssystems ab. In der Untersuchung „Bildung auf einen Blick 2026“ analysiert die OECD den Stand des deutschen Bildungswesens im internationalen Vergleich.

Während die Bundesrepublik bei der Gewinnung von Fachkräften in technischen Bereichen und in der frühkindlichen Bildung überdurchschnittliche Werte erzielt, offenbaren Berichte von Ende September 2026 deutliche Defizite in den Kernkompetenzen sowie bei der Personalausstattung der Schulen.

Hohe Akademisierungsquote und Spitzenplatz bei MINT-Abschlüssen

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Entwicklung der Bildungsabschlüsse in der jüngeren Generation. Demnach verfügen mittlerweile 41 % der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland über einen Hochschulabschluss oder eine vergleichbare höhere berufliche Qualifikation. Dies entspricht einer Steigerung von 11 Prozentpunkten innerhalb der letzten zehn Jahre.

Besonders hervorzuheben ist die Spezialisierung der Absolventen: 34 % der Studienabgänger mit Abitur oder Fachabitur schließen ein Studium in einem der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) ab. Damit erreicht Deutschland laut den OECD-Daten den höchsten Anteil innerhalb der verglichenen Industriestaaten.

Investitionen und Standards in der frühkindlichen Bildung

Auch im Bereich der frühkindlichen Erziehung zeigen die Daten eine starke Positionierung. Rund 96 % der Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren besuchen in Deutschland einen Kindergarten, was deutlich über dem OECD-Schnitt von 90 % liegt. Die Betreuungsrelation in der Vorschulbildung ist ebenfalls günstig: Auf eine pädagogische Fachkraft kommen rechnerisch 7,5 Kinder, während der internationale Durchschnitt bei 9,4 Kindern liegt.

Die finanziellen Aufwendungen für das Bildungswesen sind substanziell, weichen jedoch in der Struktur vom internationalen Mittel ab. Die jährlichen Bildungsausgaben pro Schüler beziehungsweise Studierendem belaufen sich auf 16.430 US-Dollar (rund 14.480 Euro) und liegen damit über dem OECD-Schnitt von 14.861 US-Dollar.

Besonders kostenintensiv sind die berufsbildenden Bildungsgänge, für die 27.880 US-Dollar (24.580 Euro) je Schüler aufgewendet werden – im Vergleich zu einem OECD-Schnitt von 16.104 US-Dollar. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lagen die deutschen Bildungsausgaben im Jahr 2023 bei 4,4 %, womit sie hinter dem OECD-Schnitt von 4,7 % zurückblieben.

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Fachkräftemangel und sinkende Kompetenzwerte

Trotz der hohen Investitionen bleibt die Qualität der schulischen Ergebnisse ein Problemfeld. Die Leistungen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften werden weiterhin als schwach eingestuft. Dies korreliert mit einem massiven Lehrkräftemangel, der den Schwerpunkt der aktuellen OECD-Analyse bildet.

An Schulen, die von 55 % der betroffenen Kinder und Jugendlichen besucht werden, gibt die Schulleitung an, dass der Personalmangel den Lernerfolg beeinträchtigt. Zudem verfügen 18,6 % der tätigen Lehrkräfte nicht über eine passende oder abgeschlossene Ausbildung.

Der Bildungsforscher Andreas Schleicher wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass fast die Hälfte der ausgebildeten Lehrkräfte nicht im Schuldienst tätig sei. Er kritisierte den Leistungsanspruch in Deutschland und regte eine gezieltere Auswahl von Lehramtsstudierenden sowie eine Umorganisation des Schulalltags an.

Bereits im September 2025 hatten Ergebnisse der PISA-Studie gezeigt, dass die Kompetenzwerte der 15-Jährigen in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen gesunken waren.

Politische Reaktionen und Forderungen nach Leistungsorientierung

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete das System angesichts dieser Befunde als nicht effektiv genug. Sie verwies auf die historisch schwachen PISA-Ergebnisse und forderte eine stärkere Leistungsorientierung in den Schulen. Zu ihren Vorhaben gehört unter anderem ein neues Kita-Gesetz, das verpflichtende Sprachtests für alle vierjährigen Kinder vorsieht.

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Dieser Vorstoß stieß jedoch auf Widerstand. Die Bundesschülerkonferenz äußerte Kritik an den Forderungen der Ministerin und warnte vor einem steigenden Leistungsdruck auf die Schülerinnen und Schüler. Die Debatte verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen notwendigen Qualitätssteigerungen und der Belastungsgrenze innerhalb des deutschen Bildungssystems.

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