OBSCORE-Modell: Neue Metrik ersetzt BMI bei Übergewicht
09.06.2026 - 04:39:26 | boerse-global.de
Politik, Forschung und Wirtschaft reagieren mit neuen Strategien.
Streit um Zuckerabgabe: 450 Millionen Euro Einnahmen geplant
Ein zentraler Hebel der Präventionspolitik ist die für 2028 geplante Abgabe auf zuckergesüßte Getränke. Sie soll der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) jährlich rund 450 Millionen Euro bringen.
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Doch die Debatte darüber ist aufgeheizt. Grund sind widersprüchliche Angaben zum Erfolg der freiwilligen Zuckerreduktion. Während das Bundesagrarministerium im Juli 2025 einen Rückgang des Zuckergehalts bei Erfrischungsgetränken um knapp 15 Prozent meldete, wies ein interner Bericht vom Mai 2025 nur 9,1 Prozent aus. Die Differenz liegt in der methodischen Gewichtung marktrelevanter Produkte. Das Max-Rubner-Institut hatte früh auf diese Unsicherheiten hingewiesen.
Während Teile der Regierung die Abgabe befürworten, kritisieren Verbände und Opposition die Informationspolitik des Ministeriums scharf.
„OBSCORE“ statt BMI: Neue Metrik soll Risiken besser erfassen
Der Body-Mass-Index als alleiniger Maßstab für Übergewicht hat ausgedient. Forschende des Berlin Institute of Health in der Charité und der Queen Mary University of London stellten 2026 mit „OBSCORE“ ein neues Vorhersagemodell vor. Es analysiert 20 verschiedene Gesundheitswerte und wurde an Daten von rund 200.000 Personen getestet.
Das Modell soll das Risiko für 18 Komplikationen präziser bestimmen – darunter Typ-2-Diabetes, Herz- und Nierenerkrankungen. Die Analyse zeigt: Personen mit dem höchsten Krankheitsrisiko haben nicht zwangsläufig den höchsten BMI.
Parallel dazu wurde das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) im Mai 2026 in „The Lancet“ in polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) umbenannt. Der neue Name unterstreicht die Bedeutung metabolischer Faktoren wie Insulinresistenz, die bei bis zu 85 Prozent der betroffenen Patientinnen vorliegt.
GKV-Finanzierungslücke: 64 Milliarden Euro bis 2030
Die gesetzliche Krankenversicherung steckt in der Krise. Die FinanzKommission Gesundheit (FKG) legte Ende März 2026 einen Bericht mit 66 Einsparvorschlägen vor. Ziel: die Beitragssätze ab 2027 stabilisieren und eine prognostizierte Finanzierungslücke von mindestens 15,3 Milliarden Euro im Jahr 2027 schließen. Bis 2030 summiert sich das notwendige Einsparvolumen auf rund 64 Milliarden Euro.
Medizinische Fachgesellschaften wie die GOTS fordern daher mehr Sport in Schulen. Aktuelle Erhebungen zeigen: Nur 26 bis 29 Prozent der Erwachsenen erfüllen die Bewegungsempfehlungen der WHO. Deutschland belegt im internationalen Vergleich bei öffentlicher Gesundheit lediglich Rang 17 von 18 untersuchten Nationen (Stand 2025).
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Die Lebensmittelindustrie reagiert auf das steigende Gesundheitsbewusstsein und die drohende Zuckersteuer. Die TH Group brachte Anfang Juni 2026 eine neue Linie zuckerfreier Teegetränke auf den Markt – ohne Konservierungsstoffe und Kalorien.
Ernährungswissenschaftler betonen die Bedeutung einer pflanzenbetonten Kost. Eine zu 80 Prozent basische Ernährung mit Gemüse, Obst und Kräutern wirkt gesundheitsfördernd. Zucker und Weißmehl gelten als stark säurebildend. Eine echte metabolische Azidose tritt zwar meist nur bei schweren Vorerkrankungen auf, die Reduktion säurelastiger Lebensmittel ist aber präventiv sinnvoll.
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