Nvidia: Neues Finanzierungsmodell für KI-Cloud-Anbieter
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 09:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Chip-Riese Nvidia führt ein neues Finanzierungsmodell für KI-Cloud-Anbieter ein – und sorgt damit für Diskussionen an den Märkten.
Der Grafikspezialist kombiniert künftig Hardware-Verkäufe mit Umsatzbeteiligungen und Kreditmechanismen. Konkret garantiert Nvidia ausgewählten Partnern den Absatz von GPU-Kapazitäten und erhält im Gegenzug einen Anteil an den wiederkehrenden Cloud-Erlösen, die mit der eigenen Hardware erzielt werden. Ziel ist es, den Aufbau von KI-Infrastruktur zu beschleunigen und Rechenleistung für mehr Unternehmen zugänglich zu machen.
Milliarden-Investitionen in KI-Rechenzentren
Mehrere KI-Cloud-Betreiber haben bereits umfangreiche Hardware-Bestellungen zugesagt. Sharon AI will bis zu 40.000 GB300-GPUs einsetzen und die Zahl bis Mitte 2027 auf über 55.000 Einheiten steigern. Firmus Technologies baut derweil eine 360-Megawatt-KI-Fabrik im indonesischen Batam. Die Anlage soll Platz für bis zu 170.000 GPUs bieten – finanziert durch Abnahmeverpflichtungen in Höhe von geschätzt 25 bis 30 Milliarden Euro über sechs Jahre.
Auch die „KI-nativen" Unternehmen Baseten, Fireworks AI und Together AI beteiligen sich an den umsatzabhängigen Infrastruktur-Partnerschaften. Das Modell ermöglicht kleineren Anbietern den Zugang zu Hochleistungsrechnern, die sonst an den hohen Einstiegshürden scheitern würden.
So funktioniert das neue Modell
Nvidia erhält beim Verkauf der Hardware zunächst die üblichen Margen. Hinzu kommt ein Anteil an den Cloud-Erlösen, wenn die GPUs an Endkunden vermietet werden. Das Modell enthält zudem Klauseln zur Weitervermietung ungenutzter Kapazitäten – Nvidia kann also brachliegende Rechenleistung im Partnernetzwerk selbst vermarkten.
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Doch die Ankündigung stieß bei Investoren auf Skepsis. Befürchtet werden „zirkuläre Finanzierungen" und eine nicht nachhaltige Nachfrage. Ähnliche Konstrukte gibt es bereits: CoreWeave hat einen 6,3 Milliarden Euro schweren Langzeitvertrag mit Nvidia bis 2032, Google stellte Milliarden-Garantien für Rechenzentren wie Lake Mariner.
Nvidia-Finanzchefin Colette Kress und Vizepräsident Raj Mirpuri stellten das Modell vor – Berichten zufolge sucht der Konzern parallel rund 20 Milliarden Euro an Fremdkapital für allgemeine Unternehmenszwecke. Konzernchef Jensen Huang wiegelte Bedenken zur Zirkularität der Geschäfte ab.
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Wettbewerb und Trend zu Eigenentwicklungen
Das Timing ist brisant: Der Wettbewerb bei KI-Chips verschärft sich. Ein Nvidia H100 kostet zwischen 25.000 und 40.000 Euro, während Konkurrenzchips wie der AMD MI300X auf 10.000 bis 15.000 Euro geschätzt werden. Anbieter wie TensorWave setzen bereits auf AMD-Infrastruktur.
Gleichzeitig entwickeln große Tech-Konzerne zunehmend eigene Chips, um unabhängiger zu werden:
- Google mit der TPU-Serie
- Microsoft mit Maia 200
- AWS mit Trainium3
- Meta mit MTIA
- OpenAI mit Jalapeño
Trotz dieses Trends bleiben die Wachstumsprognosen für den Gesamtmarkt optimistisch. Gartner erwartet, dass der KI-Chip-Markt von 33 Milliarden Euro (2024) auf über 60 Milliarden Euro (2028) wächst. IDC prognostiziert globale KI-Ausgaben von 347 Milliarden Euro bis 2027, und McKinsey schätzt, dass generative KI jährlich bis zu 4,4 Billionen Euro zur Weltwirtschaft beitragen könnte. Der GPU-basierte Kreditmarkt, der viele dieser Infrastrukturprojekte stützt, ist allein in den letzten 18 Monaten auf über zehn Milliarden Euro angewachsen.
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