Nvidia-Krise, Speicherengpass

Nvidia-Krise: Speicherengpass kostet eine Billion Dollar Börsenwert

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 01:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Nvidias Börsenwert sinkt um eine Billion Dollar, da Speicherkomponenten zum neuen Engpass der KI-Branche werden.

Nvidia-Aktie verliert Billion: Speicherengpass belastet
Nahaufnahme von GPU-Komponenten und Speicherchips mit leuchtenden Datenströmen, die die Komplexität von KI-Hardware und Lieferkettenengpässen veranschaulichen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der KI-Chip-Primus verliert rund eine Billion Dollar an Börsenwert – und das ausgerechnet wegen eines Engpasses bei Speicherchips.

Seit dem Höchststand am 14. Mai 2026 ist die Aktie des US-Konzerns um rund 15 bis 16 Prozent gefallen. Analysten hatten für die nächste Generation der KI-Infrastruktur deutlich höhere Kursziele prognostiziert. Doch der Fokus der Investoren hat sich verschoben: weg von den Grafikprozessoren (GPUs), hin zu einem wachsenden Flaschenhals im Speichermarkt.

Der neue Engpass: Speicher statt Rechenleistung

Während sich die anfängliche Knappheit an KI-Rechenchips entspannt hat, sind Speicherkomponenten zum neuen Nadelöhr der Branche geworden. Die Preise für DRAM-Arbeitsspeicher haben sich innerhalb eines Jahres verzehnfacht. Die Folge: eine deutliche Marktverschiebung. Während Nvidia-Aktien von ihren Mai-Höchstständen zurückfielen, hat sich der Börsenwert des Speicherherstellers Micron im selben Zeitraum nahezu verdreifacht.

Auch der Vermietungsmarkt für Nvidias H100-GPUs signalisiert eine veränderte Verfügbarkeit. Nach einem Höchststand von 3,20 Dollar pro Stunde im Mai sind die Spotpreise für H100-Rentals gefallen. Branchenbeobachter weisen auf ein entscheidendes Detail hin: Während Hyperscaler wie Google, Amazon, Microsoft und OpenAI erfolgreich eigene Prozessoren entwickelt haben, stellt keiner dieser Konzerne seinen eigenen DRAM her. Die gesamte KI-Branche bleibt damit von einer Handvoll Speicherlieferanten abhängig.

Explodierende Kosten für die Rubin-Architektur

Aktuelle Schätzungen der Bank of America zeigen einen drastischen Anstieg der prognostizierten Kosten für Nvidias kommende Hardware. Das Rubin Ultra V300 Rack soll einen Durchschnittspreis von 21 Millionen Euro erreichen – ein gewaltiger Sprung gegenüber den rund 4 Millionen Euro für das Blackwell Ultra Rack.

Ein Großteil dieser Kostensteigerung entfällt auf den sogenannten High Bandwidth Memory (HBM). Die Rubin Ultra GPUs sollen jeweils 576 GB HBM4e erhalten. Allein die Speicherkomponenten kosten schätzungsweise 1,5 Millionen Euro pro Einheit. Analysten beobachten, dass die Kosten pro Gigabyte HBM von 11,26 Euro in der Blackwell-Generation auf rund 18,40 Euro in der Rubin-Generation steigen werden.

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Trotz dieser steigenden Komponentenkosten berichtet die Bank of America, dass Nvidias Preiserhöhungen für komplette Racks die zusätzlichen Speicherkosten bei weitem übersteigen. Das könnte es dem Unternehmen ermöglichen, Bruttomargen im Bereich von 70 Prozent zu halten. Foxconn hat indes angedeutet, dass Rechenzentren mit der Vera-Rubin-Architektur mehr als 47 Milliarden Euro pro Gigawatt Kapazität kosten könnten.

Anpassungen im Produktfahrplan

Nvidias Produktzeitplan hat einige Verschiebungen erfahren. Berichten zufolge wurde das Kyber NVL144 Rack aufgrund von Fertigungsproblemen bei seiner 78-lagigen PCB-Midplane auf 2028 verschoben. Zwar betont Nvidia, dass der Gesamtfahrplan intakt bleibe, doch Cloud-Anbieter haben offenbar ein alternatives Design abgelehnt. Das Vera Rubin NVL72 bleibt für Herbst 2026 auf Kurs.

Finanziell meldet Nvidia trotz des jüngsten Kursrückgangs weiterhin starkes Wachstum. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte der Konzern einen Umsatz von 81,6 Milliarden Euro – ein Anstieg von 85 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein das Rechenzentrumsgeschäft trug 75,2 Milliarden Euro bei. Um die Bewertung zu stützen, kündigte das Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 80 Milliarden Euro an und erhöhte die Dividende auf 0,25 Euro pro Aktie. Zudem erweiterte Nvidia sein Portfolio durch die Übernahme von Groq für 20 Milliarden Euro.

Geopolitische Risiken und neue Konkurrenz

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Langfristige Risiken drohen dem Konzern vor allem im chinesischen Markt. Aktuelle Umfragen zeigen, dass chinesische Technologieunternehmen ihre Budgets für heimische KI-Beschleuniger innerhalb eines Jahres von rund 30 auf fast 50 Prozent aufstocken wollen. Nvidias Prognose für das zweite Quartal mit einem angestrebten Umsatz von rund 91 Milliarden Euro geht von keinen Umsätzen aus KI-Verkäufen in China aus.

Weitere Konkurrenz erwächst dem Konzern aus der Cloud-Branche. Meta plant Berichten zufolge den Start eines eigenen Cloud-Geschäfts, um KI-Rechenleistung direkt zu verkaufen. Nvidia selbst hat ein neues GPU-Finanzierungsmodell eingeführt, das eine Umsatzbeteiligung mit sogenannten "Neocloud"-Anbietern vorsieht. Zudem unterhält das Unternehmen eine Rückkaufsvereinbarung mit CoreWeave im Wert von bis zu 6,3 Milliarden Euro bis 2032.

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