Nvidia, KI-Boom

Nvidia finanziert KI-Boom: 230 Milliarden Euro Garantie für Ohio

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 12:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nvidia sichert sich mit Pachtverträgen und Garantien über 700 Milliarden Euro eine führende Rolle als Finanzier der KI-Revolution.

Nvidia investiert Milliarden in KI-Infrastruktur in den USA
Reihen von dicht gepackten, flüssigkeitsgekühlten Server-Racks in einer modernen Industrie-Rechenzentrumsanlage. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Chipkonzern baut seine Rolle als Finanzier der KI-Revolution massiv aus. Mit einem Pachtvertrag über bis zu 50 Milliarden Euro in Texas und einer geplanten Finanzierungsgarantie von über 230 Milliarden Euro für ein Datencenter-Projekt in Ohio setzt Nvidia neue Maßstäbe. Die Summen übertreffen selbst die größten Investitionen deutscher DAX-Konzerne bei weitem.

Texas: 15 Jahre, 18 Milliarden Euro – und die Option auf Verlängerung

Im Zentrum der Expansion steht der Beacon Point-Campus in Texas. Nvidia hat mit dem Betreiber Hut 8 einen langfristigen Pachtvertrag über eine Anlage mit einer gigantischen Leistung von einem Gigawatt (GW) abgeschlossen – genug, um eine mittlere Großstadt zu versorgen. Die erste Laufzeit beträgt 15 Jahre und ist mit rund 18 Milliarden Euro bewertet. Rechnet man mögliche Verlängerungen auf 30 Jahre ein, könnte der Gesamtwert auf über 46 Milliarden Euro steigen.

Die Anlage wird auf Nvidias eigener DSX- und Blackwell-Architektur basieren und hochmoderne, flüssigkeitsgekühlte Server beherbergen. Hunderttausende eigene Grafikprozessoren (GPUs) sollen dort zum Einsatz kommen. Doch Nvidia wird die Kapazitäten nicht nur selbst nutzen: Das Unternehmen plant, die Infrastruktur an spezialisierte „Neocloud"-Anbieter unterzuvermieten – also Cloud-Dienste, die sich ausschließlich auf KI-Workloads konzentrieren.

Um das Projekt zu stemmen, hat Hut 8 bereits 4 Milliarden Euro über eine Anleihe mit einem Zinssatz von 6,129 Prozent eingesammelt. Als Sicherheit dient der Nvidia-Pachtvertrag.

Ohio: 500 Milliarden Euro Projekt – Nvidia als finanzielles Rückgrat

Noch gewaltiger sind die Pläne in Pike County, Ohio. Dort verhandelt Nvidia über eine Finanzierungsgarantie von rund 230 Milliarden Euro für ein Datencenter mit einer Leistung von 10 GW. Entwickelt wird das Projekt von SB Energy, einer Tochter des japanischen SoftBank-Konzerns. Die Gesamtkosten sollen bei über 460 Milliarden Euro liegen.

Die geplante Garantie von Nvidia würde Baukredite und Pachtverpflichtungen absichern – nicht den Kauf von Chips selbst. Zusätzlich haben Nvidia und OpenAI über weitere 320 Milliarden Euro allein für den Erwerb von KI-Prozessoren gesprochen. Die erste Ausbaustufe mit 800 Megawatt soll 2028 fertiggestellt sein.

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Der benötigte Strom soll aus einem 9,2-GW-Gaskraftwerk kommen, das mit japanischen Investitionen von rund 31 Milliarden Euro finanziert wird. Sogar US-Handelsminister Lutnick war laut Berichten in die Verhandlungen um die Stromverteilung eingebunden – das Gelände liegt auf Land des Energieministeriums.

Ein Investment-Portfolio von über 700 Milliarden Euro

Nvidias jüngste Aktivitäten sind Teil einer grundlegenden Neuausrichtung hin zur Infrastruktur-Finanzierung. Erst kürzlich investierte der Konzern 4,6 Milliarden Euro in SSI, das KI-Startup von Ilya Sutskever, um Systeme auf Basis der Vera-Rubin-Architektur zu entwickeln. Hinzu kommen eine 460-Milliarden-Euro-Partnerschaft mit der SK Group sowie frühere Zusagen an OpenAI – darunter 28 Milliarden Euro Anfang des Jahres und 92 Milliarden Euro im Herbst 2025.

Insgesamt beläuft sich Nvidias Engagement in KI-Finanzierungen und -Partnerschaften damit auf über 700 Milliarden Euro.

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Kritik an „zirkulärer Finanzierung"

Dieser rasante Ausbau der Finanzierungsaktivitäten ruft jedoch Kritiker auf den Plan. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor den Risiken einer „zirkulären Finanzierung": Ein Unternehmen stellt Kapital bereit, mit dem seine eigenen Produkte gekauft werden – ein Kreislauf, der bei einer Marktkorrektur gefährlich werden könnte.

Auch der bekannte Investor Michael Burry äußerte Bedenken. Nvidia selbst weist die Vorwürfe zurück. Die Das Debatte belastete jedoch die Aktie: Sie fiel am 27. Juli um rund fünf Prozent, nachdem sie bereits am Vortag knapp ein Prozent verloren hatte. Trotz der jüngsten Schwankungen sehen Analysten das Unternehmen auf Basis der aktuellen Cashflow-Kennzahlen weiterhin deutlich unter seinem Potenzial bewertet.

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