NSO Group trotz Gerichtsverbot: Pegasus-Spyware attackiert WhatsApp
12.06.2026 - 06:15:21 | boerse-global.de
Der US-Konzern Meta wirft der israelischen Spyware-Schmiede NSO Group vor, trotz einer rechtskräftigen gerichtlichen Verfügung weiterhin WhatsApp-Nutzer mit Schadsoftware attackiert zu haben. Am 8. Juni 2026 reichte Meta beim US-Bezirksgericht für den nördlichen Bezirk von Kalifornien einen Antrag auf ein Ordnungsgeldverfahren ein.
Angriffe über WhatsApp und andere Messenger zeigen, wie verwundbar private Daten auf Mobilgeräten sind. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 5 einfache Maßnahmen, um Ihr Smartphone effektiv gegen Hacker und Spionage-Software abzusichern. 5 sofort umsetzbare Schutzmaßnahmen entdecken
Verstoß trotz gerichtlichem Verbot
Laut der Klageschrift entdeckte Meta, dass NSO Group die WhatsApp-Infrastruktur und deren Nutzer weiterhin ins Visier nahm – obwohl eine permanente gerichtliche Verfügung seit dem 28. Januar 2026 rechtskräftig ist. Die Spionagesoftware-Firma soll ihre Aktivitäten nahezu unmittelbar nach Inkrafttreten der Anordnung wieder aufgenommen haben.
Der Antrag dokumentiert mehrere nachgewiesene Spear-Phishing-Kampagnen im Februar und April 2026. Der jüngste dokumentierte Angriffsversuch datiert auf den 19. April 2026. Dabei soll NSO Group nicht autorisierte Testkonten und Gruppen auf der Plattform eingerichtet haben, um schädliche „One-Click"-Phishing-Links zu verbreiten. Diese Links dienen der Installation der berüchtigten Pegasus-Spyware.
Ermittler identifizierten drei spezifische Domains, die bei der jüngsten Kampagne zum Einsatz kamen: fr24cast.com, ghazacast.com und ikhwancast.com. Die Angriffe richteten sich gegen eine kleine Gruppe von weniger als zehn Personen in Jordanien und im Libanon. Meta betont, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von WhatsApp nicht kompromittiert wurde.
Ein jahrelanger Rechtsstreit
Der aktuelle Vorstoß ist die jüngste Eskalation eines Rechtsstreits, der bereits 2019 begann. Damals verklagte Meta NSO Group erstmals, weil das Unternehmen eine Sicherheitslücke ausgenutzt haben soll, um rund 1.400 Geräte mit Spyware zu infizieren. 2024 sprach das Gericht Meta zunächst 168 Millionen US-Dollar Schadenersatz zu und erließ eine Verfügung, die NSO den Zugriff auf Metas Plattformen untersagte. Die Schadenssumme wurde später auf rund vier Millionen US-Dollar reduziert – die permanente Verfügung blieb jedoch bestehen.
Ein veraltetes Betriebssystem ist oft das größte Einfallstor für Cyberkriminelle, die es auf Ihre persönlichen Nachrichten abgesehen haben. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie durch die richtigen Updates Sicherheitslücken schließen und Ihr Gerät rund um die Uhr schützen. Kostenlosen Android-Sicherheits-Report herunterladen
NSO Group steht seit Jahren massiv unter internationalem Druck. Im November 2021 setzten die USA das Unternehmen auf die Entity List, was den Zugang zu amerikanischer Technologie und Dienstleistungen stark einschränkt. Die Firma versucht derzeit, die bestehenden Gerichtsbeschlüsse anzufechten, während Meta auf eine striktere Durchsetzung des Verbots drängt.
Börsliche Reaktion und Ausblick
Die Nachricht über die erneute Klage ließ die Meta-Aktie (NASDAQ: META) leicht nachgeben. Sie schloss am 9. Juni 2026 bei 584,59 US-Dollar – ein Minus von 0,14 Prozent. Der Konzern investiert weiter in Bedrohungserkennung, um Aktivitäten kommerzieller Spyware-Anbieter zu überwachen und zu blockieren.
Sollte das Gericht feststellen, dass NSO Group die Verfügung vom 28. Januar 2026 vorsätzlich missachtet hat, drohen dem Unternehmen weitere Sanktionen oder erhöhte Geldstrafen. Metas Rechtsabteilung betont, dass das fortgesetzte Eindringen in die Plattform einen direkten Verstoß gegen die Autorität des Gerichts und die Sicherheit der Nutzer darstelle.
