Notfallreform: Medizintechnik fordert Sensordaten in Rettungsdienste
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 22:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) dringt darauf, moderne Medizintechnik und deren Daten systematisch in die künftige Notfallversorgung einzubinden. In seiner Stellungnahme zur anstehenden Notfallreform fordert der Branchenverband, Daten aus Implantaten, Hilfsmitteln und Sensorik künftig deutlich stärker in die rettungsdienstliche Bedarfseinschätzung einzubeziehen.
Messdaten für eine präzisere Erstversorgung
Nach Auffassung des BVMed können direkt erfasste Messwerte aus Implantaten sowie Hilfsmitteln entscheidende Hinweise bei Notfällen liefern. Die Nutzung solcher Informationen ermögliche es den Rettungsdiensten, die Dringlichkeit und Art des Versorgungsbedarfs fundierter und schneller zu bestimmen.
Der Verband verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass entsprechende Sensortechnik beispielsweise im Bereich Diabetes bereits heute routinemäßig zum Einsatz kommt und verlässliche Verlaufs- und Zustandsdaten bereitstellt. Eine Verknüpfung dieser Messdaten mit den Prozessen der Notfall-Bedarfseinschätzung biete daher spürbare Vorteile für eine zielgerichtete Versorgung.
Zustimmung zu zentralen Reformpunkten
Grundsätzlich bewertet der Wirtschaftsverband zentrale Kernpunkte der geplanten Notfallreform positiv. Ausdrücklich begrüßt der BVMed die gesetzliche Aufnahme der Notfallrettung in das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V), mit der die Rettungsdienste als eigenständiger Leistungsbereich verankert werden sollen.
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Auch die Schaffung Integrierter Notfallzentren (INZ) an Krankenhausstandorten, die Patientinnen und Patienten bedarfsgerecht steuern sollen, findet die Unterstützung des Verbandes.
Ebenfalls positiv beurteilt der BVMed das Vorhaben, Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED) in ein vernetztes Rettungssystem einzubinden. Um eine praxisgerechte Umsetzung zu gewährleisten, fordert der Verband jedoch klare Leitplanken: Bei der Ausarbeitung des Pflichtenhefts für das bundesweite AED-Kataster müsse die Industrie frühzeitig beteiligt werden.
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Nur durch die Einbindung der Hersteller lasse sich sicherstellen, dass technische Anforderungen, Gerätestandards und Schnittstellen im Kataster reibungslos ineinandergreifen.
Hohe wirtschaftliche Bedeutung der Branche
Hinter den gesundheitspolitischen Forderungen steht ein wirtschaftlich bedeutender Wirtschaftszweig. Branchenzahlen des Forschungsinstituts WifOR für das Jahr 2024 verdeutlichen das Gewicht der deutschen Medizintechnologie: Insgesamt waren 212.100 Beschäftigte in diesem Sektor tätig. Die Branche generierte eine Bruttowertschöpfung von 19,7 Milliarden Euro.
Die Erhebung weist für Deutschland 1.510 Hersteller mit mehr als 20 Beschäftigten aus, die gemeinsam einen Umsatz von über 41 Milliarden Euro erzielten. Werden auch Kleinstunternehmen berücksichtigt, belief sich der Gesamtumsatz auf 55 Milliarden Euro.
Die Struktur der Medizintechnikunternehmen zeichnet sich zudem durch einen Auslandsanteil von 68 Prozent sowie eine starke mittelständische Prägung aus: Rund 93 Prozent der Betriebe gehören zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).
