Notfallmanagement, Björn

Notfallmanagement: Björn Steiger Stiftung fordert bundesweite Standardabfragen

28.05.2026 - 21:39:35 | boerse-global.de

Praxen in Deutschland müssen bis Mitte 2026 ihre digitalen Sicherheits- und Notfallkonzepte umfassend modernisieren. Neue Prüfwerkzeuge und Reformen treiben den Wandel.

Unfallversicherung: Neuer Schutz für Pendler, strenge Regeln für Geschäftsreisen - Foto: über boerse-global.de
Unfallversicherung: Neuer Schutz für Pendler, strenge Regeln für Geschäftsreisen - Foto: über boerse-global.de

Bis Mitte 2026 steigt der Druck auf Heilberufler, ihre digitalen Sicherheitsmaßnahmen, Notfallprotokolle und Patientendokumentation zu modernisieren. Die Anforderungen kommen von mehreren Seiten gleichzeitig: von europäischen Richtlinien, nationalen Behörden und nicht zuletzt von den Patienten selbst.

Cybersicherheit wird zur Existenzfrage

Die Verwundbarkeit von IT-Systemen hat sich zum zentralen Problem entwickelt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte bereits 2025 in einer Broschüre zur Cybersicherheit im Gesundheitswesen: Die verpflichtende Nutzung der Telematikinfrastruktur (TI) und der elektronischen Verordnungen macht jede Störung dieser Systeme sofort spürbar. Fällt die IT aus, steht die Patientenversorgung still.

Hinzu kommt: Medizinische Geräte müssen über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg Sicherheitsstandards erfüllen. Das schützt nicht nur vor Cyberangriffen, sondern wird zunehmend zur rechtlichen Pflicht.

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Neue Prüfwerkzeuge für die Praxis

Am 27. Mai 2026 brachte der Anbieter Enginsight einen „NIS2-Readiness-Check" auf den Markt. Der Online-Test dauert acht Minuten und bewertet die IT-Sicherheit in sieben Kategorien – von Governance über Angriffserkennung bis zur Backup-Strategie. Solche Instrumente helfen Praxen, ihren Reifegrad zu ermitteln und Bußgelder wegen Verstößen gegen europäische Sicherheitsrichtlinien zu vermeiden.

Einheitliche Notrufabfrage gefordert

Die Qualität des Notfallmanagements steht auch an der Schnittstelle zwischen Praxis und Rettungsdienst auf dem Prüfstand. Die Björn Steiger Stiftung forderte am 28. Mai 2026 die bundesweite Einführung standardisierter, softwaregestützter Notrufabfragen. Als positives Beispiel nennt die Stiftung die Leitstelle in Oldenburg, wo einheitliche Verfahren für gleichbleibende Qualität sorgen und die Mitarbeiter entlasten.

Dokumentation als Lebensretter

Innerhalb der Praxen gewinnt die Patientendokumentation für Notfälle an Bedeutung. Die Deutsche Palliativstiftung macht in Informationsveranstaltungen auf die Bedeutung zertifizierter Dokumente wie Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen aufmerksam. Sie stellen sicher, dass der Wille des Patienten auch dann respektiert wird, wenn er sich nicht mehr äußern kann.

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Prävention auf breiter Front

Großangelegte Präventionskampagnen bleiben ein zentraler Pfeiler der Notfallvorsorge. In Sachsen-Anhalt veranstaltet das Gesundheitsministerium vom 15. bis 19. Juni 2026 eine landesweite „Herzwoche" mit 1.200 Praxen und 500 Apotheken. Der Hintergrund: Die Herzinfarkt-Sterblichkeit im Land sank von 97 pro 100.000 Einwohnern im Jahr 2014 auf 56 im Jahr 2023. Doch dieser Erfolg muss durch Fitnesschecks und Vorträge gefestigt werden.

Regionale Unterschiede alarmieren

Nicht überall geht die Entwicklung in die richtige Richtung. Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigen: Während die Herzinfarktzahlen in Deutschland zwischen 2017 und 2024 um 18 Prozent zurückgingen, stiegen sie im Landkreis Ludwigsburg um 5,6 Prozent. Experten führen den bundesweiten Rückgang vor allem auf bessere Behandlungsmethoden und weniger Raucher zurück.

Strukturelle Reformen und Zivilschutz

Der gesamte Rahmen der Notfallversorgung wird derzeit neu justiert:

  • Zivilschutz: Die Stadt Speyer veranstaltet am 12. Juni 2026 einen Zivilschutztag. Bürger lernen Erste Hilfe, Notfallvorsorge und Wiederbelebung. Das passt zum Trend: In Berlin entsteht ein „Resilienz-Labor", das Ende 2026 oder Anfang 2027 den Betrieb aufnehmen soll und die zivil-militärische Zusammenarbeit stärkt.
  • Gesetzesreformen: Nach einem Ebola-Fall in Berlin kündigte Bundesgesundheitsminister Warken ein Gesundheitssicherheitsgesetz an. Ein Entwurf soll bis zum Sommer 2026 vorliegen und Zuständigkeiten bei biologischen Gefahren klären.
  • Wirtschaftlicher Druck: In Hessen warnten Ende Mai 2026 insgesamt 27 Berufsverbände mit 14.000 Ärzten und Psychotherapeuten vor den Folgen geplanter Gesetze zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge. Sie befürchten, dass Kürzungen Präventionsleistungen und Impfungen treffen könnten – zumal mehr als ein Drittel der Hausärzte inzwischen über 60 Jahre alt ist.

Die Botschaft ist eindeutig: Notfallmanagement in der Praxis beschränkt sich längst nicht mehr auf klinische Erste Hilfe. Es umfasst digitale, rechtliche und wirtschaftliche Überlebensstrategien – und wird damit zur Daueraufgabe für jeden Praxisinhaber.

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