Notaufnahmen-Krise, Kliniken

Notaufnahmen-Krise: 60,6% der Kliniken können Patienten nicht verlegen

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 21:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Umfrage unter 271 Kliniken zeigt anhaltende Engpässe durch fehlende Betten, Personalprobleme und verzögerte Weiterverlegung von Patienten.

Deutsche Notaufnahmen überlastet: Exit Block und Personalmangel
Ein leerer, steriler Krankenhausflur bei Nacht mit geschlossenen Türen, der die angespannte Atmosphäre in Kliniken verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Lage in den deutschen Notaufnahmen spitzt sich weiter zu. Besonders kritisch stellt sich die Situation bei der Koordination mit den Rettungsdiensten dar: In der 3. DGINA-Blitzumfrage mit dem Erhebungstag 2. Juni 2026 gaben 32,1 Prozent der teilnehmenden Kliniken an, ihre Kapazitätserschöpfung an die Integrierte Leitstelle gemeldet zu haben.

Eine solche Abmeldung bot den betroffenen Häusern jedoch kaum Entlastung. Bei 79,1 Prozent der abgemeldeten Krankenhäuser (bei einer Fallzahl von 86) wurden dennoch weiterhin Notfallpatienten durch die Leitstellen zugewiesen. Zudem berichteten 29,3 Prozent der Häuser, die sich nicht abgemeldet hatten (53 von 181), von einer bestehenden Nicht-Abmeldeanweisung.

Rückstau auf den Stationen blockiert Notaufnahmen

Die Erhebung, die 271 auswertbare Rückmeldungen aus allen 16 Bundesländern umfasst, dokumentiert eine strukturelle Überlastung. Zu den Teilnehmern zählten 82 Basisnotfallversorger (30,3 Prozent), 105 erweiterte Versorger (38,7 Prozent) und 84 umfassende Notfallversorger (31,0 Prozent), die im Jahr 2025 zusammen 8.521.888 Notfallpatientenkontakte verzeichneten, bei einem Median von 30.000 Kontakten pro Jahr.

Laut Berichten vom September 2026 wiesen 45,0 Prozent der Notaufnahmen im 24-Stunden-Zeitraum eine Überfüllung der Stufen 4 bis 6 auf, 13,7 Prozent erreichten die Stufen 5 bis 6. Berichte auf Basis des CEDOC-Scores zeigten zudem, dass 31,4 Prozent der Häuser die Ampelstufe Orange, 8,1 Prozent Rot und 5,5 Prozent Schwarz meldeten, was einer akuten Patientengefährdung entspricht.

Ein wesentlicher Treiber für diese Engpässe ist der sogenannte Exit Block: Bei 60,6 Prozent der Teilnehmer (bei 269 Rückmeldungen) konnten Notfallpatienten nicht zeitnah weiterverlegt werden.

Als häufigste Ursache nannten 60,9 Prozent eine verzögerte Abverlegung auf die Normalstation aufgrund von Bettenmangel. Bei den umfassenden Notfallversorgern lag die Quote des Exit Blocks sogar bei 77,4 Prozent und das Overcrowding bei 61,9 Prozent.

Am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg, einem Maximalversorger mit über 700 Betten und rund 50.000 Notfallpatienten pro Jahr, gilt ein Exit Block ab einer Belegungsquote von 85 Prozent als schwierig und ab 90 Prozent als kaum vermeidbar. Das Klinikum Fürth verzeichnete Overcrowding an rund fünf von sieben Tagen pro Woche.

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Die Zahlen der aktuellen Blitzumfrage sind eindeutig: Bei 60,6 Prozent der teilnehmenden Kliniken konnten Notfallpatienten nicht zeitnah weiterverlegt werden, häufigster Grund war die verzögerte Abverlegung auf die Normalstation wegen Bettenmangel. Wer seine Notaufnahme trotzdem steuerbar halten will, braucht klare Schwellenwerte und eine belastbare Verlegungslogik. Kostenlosen Report zur Exit-Block-Steuerung anfordern

Personalnot und Defizite erhöhen den Druck

Verschärft wird die Belastung durch personelle Engpässe. 63,1 Prozent der befragten Notaufnahmen meldeten unbesetzte Stellen im ärztlichen Dienst oder in der Pflege, während 65,7 Prozent akute Krankheitsausfälle verzeichneten. Lediglich jeweils 31,8 Prozent der Einrichtungen (bei 267 Rückmeldungen) bewerteten die pflegerische sowie die ärztliche Personalausstattung als ausreichend.

Insgesamt gaben 49,4 Prozent der Notaufnahmen an, dass die Belastung in den vorangegangenen zwölf Monaten zugenommen habe. Berichte über Hamburger Asklepios-Kliniken schilderten, dass das ärztliche Personal an seinen Belastungsgrenzen arbeite und um das Wohl der Patienten fürchte.

Neben den Kapazitätsengpässen belasten ökonomische Faktoren die Kliniken. Nach Berechnungen des Gesundheitsökonomen Matthias Brachmann von der Universität Witten/Herdecke zahlen Klinikbetreiber bei gesetzlich versicherten Patienten in der Notaufnahme im Schnitt 94 Euro drauf.

Reformbedarf in der Notfallversorgung

Vertreter der Asklepios Kliniken unterstrichen angesichts der Daten die Dringlichkeit struktureller Veränderungen. PD Dr. Sara Sheikhzadeh, Chief Medical Officer des Konzerns, erklärte, Notaufnahmen könnten nicht dauerhaft ausgleichen, was an anderen Stellen des Gesundheitssystems nicht funktioniere.

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Rund zwei Drittel der befragten Notaufnahmen melden unbesetzte Stellen im ärztlichen Dienst oder in der Pflege, und nur knapp ein Drittel hält die Personalausstattung für ausreichend. Solange die geplante Notfallreform noch nicht verabschiedet ist, entscheidet Ihr eigenes Personalmanagement darüber, ob die Belastung weiter steigt. Der Report zeigt fünf Ansätze, wie Sie Engpässe und Krankheitsausfälle abfedern. 5 Strategien gegen Personalengpässe jetzt abrufen

Joachim Gemmel, Sprecher der Geschäftsführung der Asklepios Kliniken Hamburg, betonte, dass die Probleme fortbestehen und vielerorts zum Alltag gehören. Bereits im Jahr 2022 hatte Asklepios eine Taskforce unter Führung der Stadt Hamburg gefordert.

Als wesentliche Belastungsfaktoren benennt der Klinikbetreiber fehlende Betten auf den Stationen sowie personelle Engpässe. Die geplante Notfallreform, die im Herbst im Bundestag verabschiedet werden soll, sieht eine vernetzte, digitale und standardisierte Notfallversorgung sowie eine verbesserte Patientensteuerung über Gesundheits- und Akutleitstellen vor.

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