Nobelpreis 2026: Neue Runde nach Trump-Medaille und umstrittener Friedenspreis
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 10:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAm 5. Oktober beginnt die diesjährige Nobelpreisrunde, nachdem die Vergabe des Friedensnobelpreises an María Corina Machado und ihre symbolische Übergabe der Medaille an Donald Trump die Debatte über die Auswahl der Jurys neu angefacht haben.
Trump bekam den Preis nicht
Machado hatte im Januar ihre Medaille symbolisch dem US-Präsidenten geschenkt. Trump hatte zuvor erklärt, er hätte den Friedensnobelpreis verdient. Das norwegische Nobelinstitut stellte anschließend klar, dass ein Preisträger die Auszeichnung nicht weitergeben kann.
Der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Haakon Gjerløw, erwartet, dass das Komitee mögliche negative Wirkungen einer Entscheidung stärker berücksichtigen könnte. Er hält in diesem Jahr einen weniger kontroversen Preisträger aus dem humanitären Bereich für möglich.
Humanitäre Kandidaten im Blick
Als Beispiel gelten die Emergency Response Rooms im Sudan. Die lokalen Netzwerke organisieren seit Beginn des Krieges Lebensmittel, medizinische Versorgung und Notunterkünfte.
Vorhersagen bleiben besonders beim Literaturnobelpreis schwierig. Literaturkritiker Denis Scheck nennt die Aussichten angesichts der großen Zahl möglicher Kandidaten „reine Kaffeesatzleserei“.
Atwood, Hustvedt und Can Xue genannt
Scheck hält unter anderem Margaret Atwood, Siri Hustvedt und Can Xue für preiswürdig. Sollte die Auszeichnung an einen Mann gehen, plädiert er für Salman Rushdie. Can Xue war bereits im Vorjahr als mögliche Preisträgerin gehandelt worden.
Die Nobelgeschichte wird weiterhin deutlich von Männern dominiert. Insgesamt erhielten bislang 67 Frauen einen Nobelpreis – bei insgesamt fast 1.000 Ausgezeichneten. In Physik und Chemie gab es seit Beginn der Preisvergabe weniger als zehn Preisträgerinnen; den Wirtschaftspreis erhielten bislang drei Frauen.
Erstmals verkündet eine Frau drei Kategorien
In den Naturwissenschaften und der Wirtschaftswissenschaft werden die Preisträger in diesem Jahr erstmals von Ellen Moons verkündet. Die gebürtige Belgierin steht seit Januar an der Spitze der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften und ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie im Jahr 1739.
Der Medizinpreis wird am 5. Oktober bekanntgegeben, der Physikpreis am 6. Oktober, der Chemiepreis am 7. Oktober, der Literaturnobelpreis am 8. Oktober, der Friedensnobelpreis am 9. Oktober und der Wirtschaftspreis am 12. Oktober.
Ein Preis mit globaler Signalwirkung
Die Nobelpreise gehören zu den international sichtbarsten Auszeichnungen. Ihre Entscheidungen würdigen nicht nur einzelne Leistungen, sondern setzen auch politische, wissenschaftliche und kulturelle Signale. Besonders der Friedensnobelpreis wird regelmäßig als Bewertung aktueller Konflikte und demokratischer Entwicklungen verstanden.
Die Debatte um Donald Trump und die Medaille von María Corina Machado zeigt, wie stark die öffentliche Wahrnehmung einer Auszeichnung von ihrer ursprünglichen Begründung abweichen kann. Der Preis für Machados Einsatz für Demokratie in Venezuela wurde durch die symbolische Geste gegenüber dem US-Präsidenten zusätzlich mit der amerikanischen Politik verbunden. Für das Nobelkomitee entsteht damit ein Spannungsfeld zwischen der Würdigung einer Person und der späteren Verwendung ihrer öffentlichen Aufmerksamkeit.
Geschlechterverhältnis bleibt strukturelles Problem
Die geringe Zahl von Nobelpreisträgerinnen verweist zugleich auf langfristige Unterschiede in Wissenschaft, Literatur und gesellschaftlicher Macht. Preise für Entdeckungen, die Jahrzehnte zurückliegen, spiegeln häufig Karrieren und Nominierungsstrukturen vergangener Generationen wider. Eine Veränderung lässt sich deshalb nicht allein durch einzelne Entscheidungen erreichen.
Für das Publikum beginnt die Preiswoche am 5. Oktober mit der Bekanntgabe des Medizinpreises. Danach folgen Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaftswissenschaften. Die Entscheidungen werden in Stockholm und Oslo mit großer internationaler Aufmerksamkeit verfolgt; offen bleibt bis zur jeweiligen Verkündung, ob politische Aktualität, humanitäre Arbeit oder langfristige wissenschaftliche Bedeutung den Ausschlag geben.
