NO FAKES Act: US-Senat schützt Stimme und Abbild vor KI-Klonen
19.06.2026 - 13:13:37 | boerse-global.de
Juni 2024 mit breiter bipartisaner Unterstützung den NO FAKES Act verabschiedet. Das Gesetz soll Bürger vor unautorisierten KI-generierten Nachbildungen ihrer Stimme und ihres Abbilds schützen.
Bundesweite Standards für digitale Kopien
Der NO FAKES Act schafft ein bundesweites Recht, das es Einzelpersonen erlaubt, die Nutzung ihrer digitalen Stimme und ihres Abbilds zu genehmigen. Die Rechte sind für Erwachsene bis zu zehn Jahre lizenzierbar, für Minderjährige fünf Jahre. Besonders weitreichend: Der Schutz gilt posthum für 70 Jahre – eine Regelung, die vor allem die Nachlässe von Künstlern und öffentlichen Persönlichkeiten absichern soll.
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Die finanziellen Strafen sind gestaffelt: Einzelpersonen drohen 5.000 Euro pro Verstoß, Unternehmen 25.000 Euro. Für Online-Plattformen, die Löschungsaufforderungen ignorieren, können Strafen von bis zu 750.000 Euro fällig werden.
Unterstützung kommt von einer breiten Koalition aus Industrie und Technologieunternehmen – darunter die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA, die Musikindustrie-Verbände RIAA und Recording Academy sowie OpenAI und Googles YouTube. „Die Verbraucher sind zutiefst besorgt über KI-Deepfakes“, begründet RIAA-CEO Mitch Glazier die Dringlichkeit des Gesetzes.
Kritik von Bürgerrechtlern
Doch der Vorstoß hat auch Gegner. Organisationen wie die ACLU, die Electronic Frontier Foundation (EFF) und NetChoice warnen vor Eingriffen in die Meinungsfreiheit. Die weite Definition digitaler Nachbildungen könne legitime Ausdrucksformen wie Parodien oder politische Kommentare unterdrücken.
Die Initiatoren um Senator Chris Coons verweisen dagegen auf Ausnahmen: Nachrichten, Dokumentationen, Sportübertragungen und Satire bleiben explizit vom Gesetz ausgenommen.
Bundesstaaten ziehen nach
Während der Bund voranschreitet, treiben auch mehrere US-Bundesstaaten eigene KI-Gesetze voran. In Pennsylvania verabschiedete das Repräsentantenhaus am 17. Juni den AI Transparency in Advertising Act. Das Gesetz verlangt die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte in Werbung und räumt Bürgern ein Klagerecht ein.
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Weitere Entwicklungen im Juni 2024:
- Arizona: Ein Paket aus drei Gesetzen regelt KI-Einsatz in Behörden, Deepfake-Bilder und Chatbot-Sicherheit.
- Vermont: Gouverneur Phil Scott unterzeichnete ein Gesetz, das Therapie-Chatbots verbietet und strengere Regeln für Datenhändler einführt.
- Kalifornien: Mehr als 30 KI-Gesetze durchlaufen derzeit die Ausschüsse, darunter ein Gesetz zur Offenlegung von Urheberrechten.
Europäische Händler fordern Ausnahmen
Auch in Europa verschärft sich die Regulierungsdebatte – pünktlich vor Inkrafttreten des EU AI Acts am 2. August 2024. Am 18. Juni wandte sich Eurocommerce, der Handelsverband großer Einzelhändler wie Amazon, H&M, Inditex und Ikea, an EU-Digitalchefin Henna Virkkunen.
Die Argumentation: KI-generierte Produktbilder in der Werbung seien nicht irreführend und sollten nicht denselben Kennzeichnungspflichten unterliegen wie täuschende Inhalte. Der Druck ist groß – Zalando etwa berichtet von 90 Prozent niedrigeren Produktionskosten durch generative KI.
Die EU-Kommission sammelt derweil Rückmeldungen zu ihren Leitlinien für Hochrisiko-KI. Die Konsultationsfrist läuft bis zum 23. Juli 2024, die vollständige Umsetzung des AI Acts soll bis 2028 erfolgen.
