FAKES, Act

NO FAKES Act: US-Senat reguliert KI-Deepfakes mit 750.000-Dollar-Strafe

19.06.2026 - 18:17:31 | boerse-global.de

Der NO FAKES Act passiert den Justizausschuss und soll unbefugte KI-Nachbildungen von Stimmen und Gesichtern bundesweit verbieten.

US-Senat verabschiedet NO FAKES Act gegen KI-Deepfakes
FAKES - A glowing, stylized neural network brain sits atop a server rack, subtly overlaid with a digital fingerprint pattern. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Juni 2026 den NO FAKES Act verabschiedet – ein bedeutender Schritt hin zu einer bundesweiten Regulierung Künstlicher Intelligenz. Das Gesetz soll unbefugte KI-generierte digitale Nachbildungen von Stimmen und Gesichtern unterbinden.

Bundesweiter Schutz für die digitale Identität

Das von den Senatoren Chris Coons und Marsha Blackburn eingebrachte Gesetz schafft ein einheitliches Regelwerk für Persönlichkeitsrechte. Diese gelten lebenslang und bleiben 70 Jahre über den Tod hinaus für die Erben bestehen. Erwachsene dürfen ihre digitale Identität für maximal zehn Jahre lizenzieren, bei Minderjährigen liegt die Grenze bei fünf Jahren.

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Die Hürden für Rechtsverstöße sind hoch: Pro Verstoß drohen Schadensersatzforderungen von bis zu 750.000 Dollar (rund 700.000 Euro). Wer vorsätzlich falsche Löschungsanträge einreicht, muss mit einer Strafe von 25.000 Dollar rechnen. Zudem sind digitale Fingerabdrücke für KI-generierte Inhalte vorgeschrieben.

Die Ausnahmen sind klar definiert: Parodien, Satire, Dokumentationen und Nachrichtensendungen fallen nicht unter das Gesetz. Senator Coons betonte, der Schutz der Meinungsfreiheit habe bei der Ausgestaltung Priorität gehabt.

Breite Unterstützung – aber auch Kritik

Die Tech- und Unterhaltungsbranche steht geschlossen hinter dem Vorhaben. Zu den Unterstützern zählen die RIAA, SAG-AFTRA, OpenAI, TikTok, Google und die Motion Picture Association. Die RIAA verweist auf interne Umfragen, wonach über 90 Prozent der Verbraucher besorgt über KI-Deepfakes sind.

Doch die Kritik kommt von Bürgerrechtlern und Teilen der Tech-Szene. Die ACLU, die Electronic Frontier Foundation (EFF) und das Center for Democracy and Technology warnen vor einem „Störenfried-Veto" – die Angst vor Klagen könne legitime Äußerungen unterdrücken. Die Entertainment Software Association bemängelt, der Begriff der digitalen Nachbildung sei zu weit gefasst und könne zu Prozessen wegen zufälliger Ähnlichkeiten in Videospielen führen.

Besonders brisant: Die Organisation Public Knowledge sieht Risiken in sogenannten Click-Wrap-Verträgen. Apps könnten sich durch Standard-Klick-Vereinbarungen für ein Jahrzehnt die Nutzungsrechte an Stimme und Abbild sichern.

Welle von Klagen gegen KI-Unternehmen

Der Vorstoß fällt in eine Zeit massiver juristischer Auseinandersetzungen. Erst am 19. Juni 2026 – einen Tag nach der Ausschussentscheidung – reichten über 100 Autoren Klage gegen Anthropic ein. Vor dem Bezirksgericht in Nordkalifornien werfen sie dem Entwickler des KI-Modells Claude vor, fast 500 urheberrechtlich geschützte Werke aus Piraterie-Datenbanken ohne Erlaubnis genutzt zu haben. Die geforderten Schadensersatzsummen belaufen sich auf rund 71,4 Millionen Dollar.

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Ein wegweisendes Urteil fällte bereits im Februar 2025 der Fall Thomson Reuters gegen ROSS Intelligence: Das Gericht erkannte eine Urheberrechtsverletzung an und wies die Fair-Use-Verteidigung zurück. Das US-Urheberrechtsamt hält bislang daran fest, dass ein sinnvoller menschlicher Schöpfungsakt für den Urheberrechtsschutz nötig ist.

Der Weg zur umfassenden KI-Regulierung

Der NO FAKES Act ist nur ein Puzzlestück. Anfang Juni wurde der Entwurf des Great American AI Act vorgestellt, der KI-Entwickler mit Jahresumsätzen über 500 Millionen Dollar regulieren soll. Vorgesehen sind ein Zentrum für KI-Standards und eine Meldepflicht für Sicherheitsvorfälle.

Auf Regierungsebene unterzeichnete die Administration am 2. Juni 2026 eine Anordnung zur freiwilligen 30-tägigen Vorabprüfung fortschrittlicher KI-Modelle auf Cybersicherheitsrisiken. Während Washington die Bundesstaaten von eigenen Regelungen abhalten will, schreiten einige voran: Oklahoma verabschiedete im Mai 2026 den Oklahoma Responsible Technology in Schools Act, während andere Vorhaben auf Landesebene zuletzt ins Stocken gerieten.

Der NO FAKES Act geht nun in die Abstimmung im gesamten Senat. Ein begleitendes Gesetz wartet im Justizausschuss des Repräsentantenhauses auf seinen Terminplan.

de | wissenschaft | 69584103 |