NIS2-Richtlinie, Oberlandesgericht

NIS2-Richtlinie: 29.500 Unternehmen müssen bis Ende Juli registrieren

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 02:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das Oberlandesgericht Rostock verpflichtet Plattformen zu individuellen Reaktionen nach Kontoübernahmen. Automatisierte englische Mails sind unzureichend.

OLG Rostock: Keine automatischen Antworten bei gehackten Accounts
Eine Hand hält ein Smartphone mit einer verzerrten Social-Media-Oberfläche, die Hacking und Datenschutzbedenken symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine automatisierte englische Antwort reicht nicht. Das entschied das Oberlandesgericht (OLG) Rostock.

Automatische Antworten sind nicht genug

In dem Verfahren (Az. 3 W 62/25) ging es um die Pflichten einer Social-Media-Plattform nach einem gehackten Account. Das Gericht stellte klar: Sobald ein Nutzer einen Cyberangriff meldet, muss der Betreiber sofort Maßnahmen ergreifen. Ziel ist die Wiederherstellung des rechtmäßigen Zugangs.

Besonders wichtig: die Art der Kommunikation. Antwortet der Betreiber nur mit automatisierten englischen E-Mails und reagiert auch auf eine anwaltliche Fristsetzung nicht, hat das rechtliche Folgen. Im konkreten Fall muss die Plattform zwei Drittel der Verfahrenskosten tragen. Sie hatte die gesetzten Fristen einfach verstreichen lassen.

Schutzpflichten aus dem Schuldverhältnis

Der Anspruch auf Account-Wiederherstellung leitet sich aus den allgemeinen Schutzpflichten eines Schuldverhältnisses ab – genauer: § 241 Abs. 2 BGB. Das Gericht betonte zudem die Dringlichkeit: Wer die Kontrolle über sein Profil verliert, kann ein gerichtliches Verfahren einleiten.

Anzeige

Hacker nutzen oft psychologische Schwachstellen aus, um Accounts zu übernehmen und Unternehmen zu schaden. Dieser kostenlose Report enthüllt die aktuellen Methoden der Cyberkriminellen und zeigt, wie Sie sich wirksam gegen Manipulationstaktiken schützen. Anti-Phishing-Paket für Unternehmen jetzt gratis herunterladen

Die Entscheidung reiht sich in aktuelle juristische Entwicklungen ein. Das Handelsgericht Wien verpflichtete die Plattform X, Nutzerdaten eines anonymen Hassposting-Urhebers herauszugeben. Dabei wich es vom Herkunftslandprinzip ab und erklärte österreichisches Recht für anwendbar.

Auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) beschäftigte sich mit der Haftung von Social-Media-Diensten. Demnach können Betreiber für rechtswidrige Inhalte haftbar gemacht werden – selbst wenn Algorithmen die Inhalte steuern. Das schränkt das bisherige Safe-Harbour-Prinzip ein.

Regulierungsdruck nimmt zu

Neben gehackten Konten verschärft sich der regulatorische Rahmen auch anderswo. Die EU-Kommission akzeptierte zwar Änderungspläne von X zur Transparenz bei Verifizierungshaken und Werbedaten – nach einem Bußgeld von 120 Millionen Euro. Doch die Anforderungen durch den Digital Services Act (DSA) bleiben hoch.

Anzeige

Nicht nur Plattformen, auch Unternehmen stehen durch neue Gesetze und Cyberrisiken unter massivem Druck. Erfahren Sie in diesem kostenlosen E-Book, wie Sie Ihre IT-Sicherheit stärken und gleichzeitig alle aktuellen gesetzlichen Anforderungen rechtssicher erfüllen. Gratis-Ratgeber zur Cyber-Security sichern

KI-basierte Dienste geraten ebenfalls in den Fokus. Die Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) stufte KI-Suchmaschinen und Chatbots als Inhaltsanbieter ein. Damit unterliegen sie dem deutschen Medienrecht. Das Landgericht München I erließ bereits eine einstweilige Verfügung gegen einen Suchmaschinenbetreiber – wegen Falschbehauptungen in einer KI-gestützten Ergebnisübersicht.

Für Unternehmen rückt zudem die NIS2-Richtlinie näher. Rund 29.500 Einrichtungen müssen bis Ende Juli ihre Registrierung beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) abschließen. Bei Verstößen drohen der Geschäftsführung persönliche Haftungsrisiken und Bußgelder in Millionenhöhe.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69776115 |