Nierenkrankheit, Millionen

Nierenkrankheit: 8 Millionen Deutsche betroffen, 95% undiagnostiziert

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine NAKO-Auswertung zeigt viele unerkannte Nierenleiden. Zugleich sollen Kinderchecks, Zuckersteuer und Genforschung die Versorgung verbessern.

Chronische Krankheiten: Versorgungslücken und neue Präventionsansätze
Medizinisches Labor mit einer Glasampulle und Diagnosegeräten in einer sterilen, hellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Belastung der nationalen und internationalen Gesundheitssysteme durch chronische Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck nimmt stetig zu. Aktuelle Daten und Initiativen unterstreichen die Notwendigkeit, sowohl die Diagnostik seltener Krankheitsformen zu verbessern als auch die präventiven Maßnahmen in der Breite zu intensivieren.

Unterdiagnose und ökonomische Folgen chronischer Nierenleiden

Ein zentraler Aspekt im Kontext von Diabetes und Hypertonie ist die chronische Nierenkrankheit (CKD). Ergebnisse der NAKO-Studie verdeutlichen eine erhebliche diagnostische Lücke: Bei der Untersuchung von Blutproben von 195.000 Erwachsenen sowie Urinproben von 35.000 Probanden mit einem mittleren Alter von 50 Jahren zeigten 18,4 Prozent auffällige Nierenwerte. Davon waren jedoch lediglich 5 Prozent bereits medizinisch diagnostiziert.

In Deutschland sind laut Berechnungen von Experten wie Köttgen rund 10 Prozent der Erwachsenen von CKD betroffen, was einer Gesamtzahl von etwa 8 Millionen Menschen entspricht.

Die wirtschaftliche Belastung ist immens: Im Jahr 2020 beliefen sich die Kosten für die Behandlung der chronischen Nierenkrankheit auf mehr als 24 Milliarden Euro, was etwa 5 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben entspricht. Weltweit sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) circa 700 Millionen Menschen betroffen.

Präventionsstrategien und neue Ansätze in der pädiatrischen Vorsorge

Um die Langzeitfolgen von Stoffwechselerkrankungen zu begrenzen, rückt die frühzeitige Identifizierung von Risikofaktoren in den Fokus. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat die Einführung der neuen U10-Untersuchung für Kinder im Alter von 9 bis 10 Jahren als Kassenleistung beschlossen.

Diese Maßnahme konzentriert sich primär auf die Früherkennung von Übergewicht, die Analyse der körperlichen Aktivität und der Bildschirmzeit sowie die psychische Gesundheit.

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Flankierend dazu werden politische Steuerungsinstrumente diskutiert. Für das Jahr 2027 plant das Finanzministerium die Einführung einer Zuckersteuer. Diese sieht eine Staffelung vor: Getränke mit mehr als 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sollen mit 26 Cent pro Liter belegt werden, ab einem Gehalt von 10 Gramm steigt der Satz auf 38 Cent pro Liter.

Die erwarteten Einnahmen liegen zwischen 450 Millionen und 2 Milliarden Euro jährlich, wobei Forderungen bestehen, diese Mittel zweckgebunden für die Prävention einzusetzen.

Fortschritte bei der Erforschung seltener Diabetesformen und Genetik

Neben den Volkskrankheiten rücken seltene Erkrankungen stärker in das Blickfeld der Forschung. Marcus Conrad vom Helmholtz Munich wurde für seine Arbeiten zur Sedaghatian-Spondylometaphysären Dysplasie (SSMD) ausgezeichnet. Seine Forschung, die im Jahr 2026 veröffentlicht wurde, belegt, dass spezifische Mutationen schwere Neurodegenerationen auslösen. Diese seltene Krankheit betrifft weltweit weniger als 12 bekannte Kinder.

Parallel dazu erhalten spezialisierte Zentren wie das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung (MZEB) der LVR-Klinik Bedburg-Hau neue Befugnisse zur Überweisung für humangenetische Untersuchungen. Da bei etwa der Hälfte der Patienten mit Entwicklungsstörungen genetische Ursachen nachweisbar sind, soll dieser Schritt die Versorgung präzisieren.

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Strukturelle Herausforderungen und technologische Sicherheit

Die Digitalisierung bietet Chancen, birgt aber auch Risiken für die Versorgung. Eine Studie der Lünendonk-Gruppe aus dem Frühjahr 2026 zeigt, dass 94 Prozent der gesetzlichen Krankenkassen die Ausgabenentwicklung als kritische Herausforderung betrachten. Während bereits 73 Millionen elektronische Patientenakten (ePA) angelegt wurden, sind bisher nur 5 Millionen davon aktiviert worden.

Gleichzeitig warnen Experten wie Professor Klonoff vor Cyber-Attacken auf vernetzte Diabetes-Technologies wie Insulinpumpen. Er betont die Notwendigkeit starker Authentifizierungsmechanismen und geschulten Personals, um die als kritische Infrastruktur eingestuften Systeme zu schützen.

Angesichts des Ärztemangels, insbesondere im ländlichen Raum, werden neue Versorgungsformen erprobt. In Regionen wie Rheinland-Pfalz kommen mobile Arztpraxen zum Einsatz, um Schließungen von Hausarztpraxen zu kompensieren. Die Finanzkommission Gesundheit empfahl zudem Strukturreformen, die weg von der arztzentrierten Honorierung hin zu teamorientierten Modellen in Primärversorgungszentren führen sollen.

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