Nierenerkrankung: SGLT2-Hemmer wirken auch bei milder Albuminurie
15.06.2026 - 10:07:54 | boerse-global.de
Die medizinische Fachwelt drängt deshalb auf eine Ausweitung der Früherkennung und präzisere Diagnoseverfahren.
Diagnose: Warum ein Wert nicht reicht
Bislang verlassen sich Ärzte bei der Beurteilung der Nierenfunktion häufig auf die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR). Doch dieser Wert allein genügt nicht, warnen Fachleute. Sie fordern die zusätzliche Bestimmung des Albumin-Kreatinin-Quotienten (ACR) im Urin.
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Erst durch diesen Urinbefund lasse sich das Stadium und das Risiko einer CKD präzise bewerten, heißt es auf Tagungen wie der der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Ein breiter angelegtes CKD-Screening soll helfen, betroffene Patienten früher einer Behandlung zuzuführen.
Neue Medikamente: SGLT2-Hemmer im Fokus
Auch bei der Therapie tut sich etwas. Aktuelle Leitlinien empfehlen den Einsatz von SGLT2-Inhibitoren – gestützt auf Studiendaten wie EMPA-KIDNEY und DAPA-CKD. Eine aktuelle Metaanalyse belegt: SGLT2-Hemmer wirken selbst bei Patienten mit gering ausgeprägter Albuminurie.
Parallel dazu beschleunigt sich das Zulassungsverfahren für spezielle Nierenerkrankungen. AstraZeneca teilte Mitte Juni mit, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA eine Prioritätsprüfung für das Medikament Ultomiris zur Behandlung der IgA-Nephropathie gewährt hat.
Prävention: Risikopatienten im Blick behalten
Für Menschen mit Diabetes ist die Früherkennung besonders wichtig. Nierenschäden gehören zu den häufigsten Folgeerkrankungen. Die Kontrolle des HbA1c-Wertes und des Nüchternblutzuckers ist daher entscheidend.
Auch der Lebensstil spielt eine Rolle. Ernährungswissenschaftlerin Caitlin Beale empfiehlt eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von 2 bis 2,5 Litern – bei extremer Hitze bis zu 4 Litern. Wasser, Kaffee und ungesüßte Tees senken das Risiko für chronische Erkrankungen oder akutes Nierenversagen. Stark zuckerhaltige Getränke dagegen erhöhen die Gefahr von Nierenschäden.
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Technik und Kosten: Zwei Seiten der Medaille
Neben der Labordiagnostik gewinnt die bildgebende Diagnostik an Bedeutung. Ultraschall und moderne Herz-Kreislauf-Systeme helfen, den Krankheitsverlauf zu überwachen. Medizinische Fachtagungen im Juni präsentieren neue Systeme für eine lückenlose Diagnostik.
Doch das Gesundheitswesen steht unter Druck. Diskussionen um das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zeigen den Kostendruck auf Präventions- und Screening-Maßnahmen. Für 2027 werden Defizite im Milliardenbereich prognostiziert. Die politische Koalition berät über Kompromisse bei der Vergütung forschender Arzneimittelhersteller – um die Innovationskraft bei schweren chronischen Erkrankungen zu erhalten.
