Nierenerkrankung, Millionen

Nierenerkrankung: 9 Millionen Betroffene, aber nur 5% wissen Bescheid

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 09:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nephrologen legen Reformpapier vor: Standardisierte Früherkennung soll CKD-Dunkelziffer senken und Kosten sparen.

Nierenreform: Fachgesellschaften fordern Pflicht-Screening für Millionen
Ein Arzt in einer modernen medizinischen Praxis betrachtet Unterlagen, im Hintergrund ist ein unscharfes Labor zu sehen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In einem Mitte August 2026 veröffentlichten Impulspapier drängen Fachgesellschaften auf eine umfassende Reform der Primärversorgung zur besseren Erkennung chronischer Nierenerkrankungen (CKD).

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) fordert darin verbindliche Rahmenbedingungen, um die Früherkennung systematisch in den medizinischen Alltag zu integrieren. Hintergrund sind besorgniserregende Daten zur Verbreitung und den wirtschaftlichen Folgen der Erkrankung in Deutschland.

Hohe Prävalenz und wirtschaftliche Belastung

Die Dimension der chronischen Nierenkrankheit in Deutschland ist laut Angaben der DGfN massiv. Mehr als 9 Millionen Menschen sind hierzulande betroffen. Davon sind etwa 100.000 Patienten dauerhaft dialysepflichtig, während rund 7.000 Betroffene auf eine Spenderniere warten. Auch auf globaler Ebene ist die Belastung hoch; die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziffert die Zahl der Betroffenen weltweit auf etwa 700 Millionen.

Neben der individuellen gesundheitlichen Belastung stehen erhebliche ökonomische Faktoren im Fokus. Für das Jahr 2020 wurden die Kosten für die Behandlung der CKD in Deutschland auf über 24 Mrd. Euro beziffert. Dies entsprach zu diesem Zeitpunkt etwa 5 % der gesamten Gesundheitsausgaben.

Experten weisen darauf hin, dass eine frühzeitige Diagnose entscheidend dazu beitragen könnte, teure Folgetherapien wie die Dialyse zu verzögern oder zu vermeiden.

Erkenntnisse der NAKO-Studie zum Diagnose-Defizit

Dass ein Großteil der Erkrankungen derzeit unentdeckt bleibt, belegen Daten der NAKO-Studie. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden 195.000 Blutproben und 35.000 Urinproben von Erwachsenen analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass 18,4 % der Probanden auffällige Nierenwerte aufwiesen. Besonders kritisch bewerten Fachleute den Umstand, dass lediglich 5 % der Betroffenen von ihrer Erkrankung wussten.

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Dieses erhebliche Defizit in der Wahrnehmung und Diagnose führt dazu, dass Therapien oft erst eingeleitet werden, wenn bereits irreversible Schäden vorliegen. Die DGfN und der Verband Deutsche Nephrologen (DN) fordern daher eine Ausweitung der Screening-Maßnahmen, insbesondere für definierte Risikogruppen.

Forderungen nach strukturellen Änderungen in der Vorsorge

Um die Früherkennungsrate zu steigern, schlägt das am 13. August 2026 vorgestellte Impulspapier konkrete Anpassungen der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie vor. Die Fachgesellschaften fordern die obligatorische Aufnahme von zwei spezifischen Laborwerten in das Standard-Screening der Primärversorgung: die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) sowie die Albumin-Kreatinin-Ratio im Urin (UACR).

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Zusätzlich zu diesen diagnostischen Maßnahmen wird der Aufbau einer besseren Dateninfrastruktur angestrebt. Bereits in einem vorangegangenen Impulspapier vom 23. Juli 2026 hatte sich die DGfN für die Einrichtung eines bundesweiten Nierenregisters ausgesprochen. Ein solches Register soll verlässlichere Versorgungsdaten liefern und die wissenschaftliche Grundlage für künftige Behandlungsstrategien verbessern.

Weitere Planung und Fachdialog

Die Thematik der verbesserten Nierenversorgung wird auch im Herbst ein zentraler Punkt der medizinischen Fachdiskussion bleiben. Die DGfN hat bereits eine Online-Pressekonferenz im Vorfeld ihrer 18. Jahrestagung angekündigt. Diese ist für den 6. Oktober 2026 geplant und soll den Dialog über die geforderten verbindlichen Rahmenbedingungen in der Primärversorgung weiter vertiefen.

Ziel bleibt es, die CKD-Früherkennung als festen Bestandteil der präventiven Medizin zu etablieren, um sowohl die Lebensqualität der Patienten zu sichern als auch das Gesundheitssystem finanziell zu entlasten.

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