Nierenerkrankung, Deutschen

Nierenerkrankung: 18,4% der Deutschen haben auffällige Nierenwerte

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 23:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BioAge, Novartis und AstraZeneca melden klinische Fortschritte; Studien beleuchten zudem Autoimmunität, Nierengesundheit und Gentherapien.

Neue Wirkstoffe und Studien prägen die Forschung zu chronischen Krankheiten
Ein modernes, helles klinisches Forschungslabor mit sterilen Arbeitsflächen und Laborgeräten. Illustration mit AI erstellt.

Die klinische Forschung im Bereich chronischer Erkrankungen verzeichnet signifikante Fortschritte bei der Erprobung neuer Wirkmechanismen. Im Fokus steht dabei aktuell die Behandlung des diabetischen Makulaödems (DME) sowie neue Therapieansätze bei Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen.

BioAge Labs startet QUELL-DME-Studie mit NLRP3-Inhibitor

Das Biotechnologieunternehmen BioAge Labs hat die Dosierung des ersten Patienten in seiner Phase-2-Studie QUELL-DME bekannt gegeben. Im Rahmen dieser Untersuchung wird der Wirkstoff BGE-102, ein sogenannter NLRP3-Inhibitor, bei Patienten mit diabetischem Makulaödem eingesetzt.

Die Studie ist auf etwa 180 Teilnehmer ausgelegt. Als primärer Endpunkt wurde die Veränderung der bestkorrigierten Sehschärfe (BCVA) nach einer Behandlungsdauer von 12 Wochen definiert. Laut Planungen des Unternehmens werden die Topline-Daten der Studie für das zweite Halbjahr 2027 erwartet.

Meilensteine bei der Bekämpfung von Autoimmun- und Entzündungskrankheiten

Parallel dazu treibt Novartis die klinische Erprobung des VAV1-Degraders MRT-6160 (auch als DDY391 geführt) voran. Mit dem Start einer Phase-2-Studie zur Behandlung des Sjögren-Syndroms wurde eine Meilensteinzahlung in Höhe von 50 Millionen US-Dollar an den Partner Monte Rosa Therapeutics fällig. Das gesamte Abkommen sieht potenzielle Zahlungen von bis zu 2,1 Milliarden US-Dollar vor.

Vorangegangene Phase-1-Daten zu MRT-6160 belegten einen Abbau des Proteins VAV1 von über 90 Prozent bei gleichzeitig guter Verträglichkeit und dem Ausbleiben schwerer Nebenwirkungen.

Auch im Bereich der Atemwegserkrankungen liegen neue Ergebnisse vor. AstraZeneca veröffentlichte Daten zu Tozorakimab aus den Phase-III-Studien OBERON und TITANIA. Bei einer Dosierung von 300 mg alle vier Wochen konnte die Rate moderater bis schwerer Exazerbationen bei COPD-Patienten, die ehemalige Raucher sind, um 29 bis 34 Prozent gesenkt werden.

Anzeige

Was viele Betroffene nicht wissen: Stille Entzündungen können die Grundlage für zahlreiche chronische Beschwerden und Erschöpfung bilden. Dieser kostenlose Selbsttest hilft Ihnen dabei, Entzündungsprozesse im Körper frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern. Kostenlosen Entzündungs-Ratgeber inkl. Selbsttest anfordern

In der Gesamtpopulation lag die Reduktion zwischen 29 und 30 Prozent. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat bereits einen Priority Review gewährt; eine Entscheidung wird für das erste Quartal 2027 erwartet.

Ergänzend dazu zeigten Analysen der Phase-2a-Studie ENV-IPF-101 von Brainomix, dass der Einsatz von Taladegib bei idiopathischer pulmonaler Fibrose (IPF) nach 12 Wochen zu Verbesserungen des Lungenvolumens und einer geringeren Fibrosebelastung führte.

Roivant Sciences berichtete zudem über positive Phase-2-Ergebnisse für Mosliciguat, das bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie infolge interstitieller Lungenerkrankung (PH-ILD) den Gefäßwiderstand signifikant senkte. Eine Phase-3-Studie befindet sich in der Planung.

Neue Erkenntnisse zu Pathomechanismen und Diagnostik

Wissenschaftliche Untersuchungen vertiefen zudem das Verständnis weit verbreiteter Krankheitsbilder. Forscher der LMU München veröffentlichten im September 2026 Ergebnisse, wonach die Atherosklerose Kriterien einer Autoimmunerkrankung erfüllt. Dabei beschleunigen spezifische Autoantikörper die Gefäßverkalkung, was durch Untersuchungen an 495 Personen sowie in Mausmodellen untermauert wurde.

Im Bereich der Präventivmedizin verdeutlichen Daten der NAKO-Studie den Handlungsbedarf bei Nierenerkrankungen: Von 195.000 untersuchten Erwachsenen wiesen 18,4 Prozent auffällige Nierenwerte auf, wobei nur 5 Prozent der Betroffenen von ihrer Erkrankung wussten.

Anzeige

Wer sich mit der Vorsorge und dem Verständnis klinischer Diagnosen befasst, sollte auch die eigenen Blutwerte sicher interpretieren können. Erfahren Sie in diesem 25-seitigen Gratis-Report, welche Laborwerte für Ihre langfristige Gesundheit wirklich entscheidend sind. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt herunterladen

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie fordert daher verstärkte Screenings, auch um die Kosten für chronische Nierenerkrankungen zu senken, die im Jahr 2020 in Deutschland bei 24 Milliarden Euro lagen.

Weitere Forschungsprojekte widmen sich speziellen Patientengruppen. So erhält Daniel Kotlarz von der LMU München 600.000 Euro von der Boehringer Ingelheim Stiftung für die Erforschung molekularer Ursachen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bei Kindern.

Zudem fördert das Land Baden-Württemberg mit 400.000 Euro ein Projekt der Universität Heidelberg zur telemedizinischen Betreuung von Patienten mit schweren postakuten Infektionssyndromen (PAIS), einschließlich Long COVID.

Innovative Therapieansätze in der Präzisionsmedizin

Fortschritte gibt es auch in der Genetik und Mikrobiologie. Genfer Forscher identifizierten das Protein Connexin 43 als Angriffspunkt, um die Bakterienbesiedlung bei Mukoviszidose zu reduzieren. Ein spezielles Peptid konnte in 3D-Lungenmodellen die Zellbarriere wiederherstellen.

Im Bereich der Hämatologie erzielte das Unternehmen CorrectSequence mit der Base-Editing-Therapie tBE bei vier Patienten mit Sichelzellkrankheit oder ?-Thalassämie eine vollständige Transfusionsunabhängigkeit, ohne dass unerwünschte Off-Target-Effekte auftraten.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70078054 |