Nieren-Herz-Verbindung, Oxalsäure

Nieren-Herz-Verbindung: Oxalsäure aktiviert Immunsystem IL-17A

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 12:34 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Würzburger Studie identifiziert Oxalsäure als Auslöser für Entzündungen, die Nieren und Herz angreifen. Jeder sechste Deutsche ist betroffen.

Oxalsäure als Bindeglied: Wie Nierenprobleme das Herz schädigen
Mikroskopische Ansicht von Nieren- und Herzgewebe mit kristallinen Strukturen, die Oxalsäure ähneln, und Entzündungsmarkern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine neue Studie des Universitätsklinikums Würzburg und der Charité Berlin identifiziert Oxalsäure als zentralen Faktor für die Verbindung von Nieren- und Herzerkrankungen. Die am 10. Juli 2026 im Fachjournal Cardiovascular Research veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Steigt der Oxalatspiegel im Blut durch eine nachlassende Nierenfunktion, aktiviert dies das Immunsystem über den Botenstoff IL-17A. Die Folge sind Entzündungsprozesse, die sowohl die Nieren weiter schädigen als auch das Herz angreifen.

Oxalatreiche Ernährung als Katalysator

Im Tiermodell führte eine oxalatreiche Ernährung zur systemischen Aktivierung des Immunsystems. Eine gezielte Blockade von IL-17A reduzierte die Nieren- und Herzschäden deutlich. Auch bei Patienten mit primärer Hyperoxalurie – einer seltenen Stoffwechselerkrankung – fanden die Forscher erhöhte IL-17A-Spiegel. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten die Arbeiten. Größere Patientenkohorten sollen die Ergebnisse nun validieren.

Jeder sechste Deutsche betroffen

Die Relevanz dieser Mechanismen unterstreicht die NAKO-Gesundheitsstudie. Bei der Analyse von Urin- und Blutproben von rund 230.000 Teilnehmern zeigte sich: Etwa jede sechste Person hat eine Nierenerkrankung. Die Dunkelziffer ist enorm – nur ein kleiner Teil der Betroffenen wusste vor der Studie davon.

Chronische Nierenschäden verlaufen lange unbemerkt. Symptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Bluthochdruck oder Atemnot treten oft erst in fortgeschrittenen Stadien auf. Fachleute fordern daher verstärkte Prävention und frühzeitige Diagnostik. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen Biomarker-Tests wie die Messung von Kreatinin und der glomerulären Filtrationsrate (GFR).

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Künstliches Herzmuskelgewebe zeigt Wirkung

Parallel zur Erforschung der Organ-Interaktionen entwickeln sich neue Therapien für geschädigte Herzen. Eine klinische Studie der Universitätsmedizin Göttingen und des Universitären Herzzentrums Lübeck belegt die Wirksamkeit von im Labor gezüchtetem Herzmuskelgewebe. Die am 8. Juli 2026 im New England Journal of Medicine publizierte Arbeit zeigt: Das künstliche Gewebe verbessert die Pumpfunktion geschädigter Herzen.

Auch nicht-invasive Methoden zur Blutdruckregulation gewinnen an Bedeutung. Eine Studie im Journal Hypertension deutet darauf hin, dass Probiotika – insbesondere Lactobacillus-Bakterien – den systolischen Blutdruck um 3 bis 14 mmHg senken können. Die Wirkmechanismen umfassen eine verbesserte Darmbarriere und entzündungshemmende Effekte. Pfefferminzöl zeigte in einer kleinen Studie mit 40 Teilnehmern ebenfalls eine blutdrucksenkende Wirkung – Experten raten hier jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation.

Ernährung als Schlüsselfaktor

Die EPIC-Studie identifizierte eine charakteristische „Fettsignatur“ bei hohem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel: niedrigere Omega-3-Fettsäuren und vermehrt industrielle Transfettsäuren.

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Für die Behandlung der metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) bleibt die Ernährungstherapie zentral. Bereits ein Gewichtsverlust von fünf Prozent reduziert den Fettgehalt in der Leber signifikant. Bei sieben bis zehn Prozent lassen sich auch Entzündungen und Fibrosen mindern. Empfohlen werden mediterrane Ernährung sowie der Verzicht auf ultrahochverarbeitete Lebensmittel und Alkohol.

Eine Studie vom Juni 2026 revidierte frühere Annahmen zum Alkoholkonsum: Bereits ein Getränk pro Tag erhöht demnach das Risiko für Herz-Kreislauf- und Lebererkrankungen sowie den vorzeitigen Tod.

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