Niedrigdosis-CT: Screening kann Lungenkrebssterblichkeit um bis zu 24 Prozent senken
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Als bundesweit erste Region setzt das Münsterland auf eine vernetzte digitale Infrastruktur zur strukturierten Früherkennung von Lungenkrebs. Im Rahmen der Münsterlandinitiative Lungenkrebsscreening haben sich mehrere Kliniken sowie niedergelassene Mediziner zusammengeschlossen, um Hochrisikopatienten frühzeitig zu erfassen und zu untersuchen.
An dem Projekt beteiligt sind das Universitätsklinikum Münster (UKM), das Alexianer Clemenshospital Münster, das St. Franziskus-Hospital Münster sowie das Klinikum Ibbenbüren der Mathias-Stiftung Rheine, gemeinsam mit regionalen Hausärzten und Radiologen.
Vernetzter Untersuchungspfad und KI-gestützte Befundung
Ziel der Initiative ist es, bösartige Neubildungen der Lunge in einem möglichst frühen Stadium zu diagnostizieren, um die therapeutischen Erfolgsaussichten maßgeblich zu verbessern. Kern der Zusammenarbeit ist eine gemeinsame digitale Plattform. Diese begleitet den gesamten Versorgungsprozess von der ersten Beratung über die diagnostische Bildgebung bis hin zur zielgerichteten Abklärung auffälliger Befunde.
Im Rahmen des diagnostischen Prozesses kommt modernste Technik zum Einsatz: Die digitale Plattform greift auf eine KI-gestützte Analyse von Lungenrundherden zurück, um radiologische Auffälligkeiten präzise und zeitnah zu bewerten.
Zielgruppe und Einbindung der Hausarztpraxen
Das Screening richtet sich gezielt an Personen im Alter von 50 bis 75 Jahren, die auf eine langjährige Historie starken Tabakkonsums zurückblicken. Im Münsterland betrifft dies nach vorliegenden Schätzungen rund 105.000 der insgesamt 1,6 Millionen Einwohner, die die Kriterien für eine Teilnahme erfüllen.
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Um diese Risikogruppe effektiv zu erreichen, setzt das Programm früh in der Primärversorgung an. Rund 1.000 Hausärzte wurden im Rahmen der Initiative geschult, um potenzielle Screening-Kandidaten gezielt anzusprechen, zu informieren und in den digital begleiteten Untersuchungspfad einzubinden.
Wissenschaftliche Evidenz für die Niedrigdosis-CT
Die medizinische Grundlage des Screenings bildet die Niedrigdosis-Computertomografie. Nach Angaben von Prof. Bleckmann vom UKM lässt sich die Lungenkrebssterblichkeit bei Hochrisikopatienten durch diese Form der systematischen Früherkennung laut internationalen Studien um etwa 20 bis 24 Prozent senken.
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Dieser Nutzen wird auch durch aktuelle Bewertungen internationaler Gremien gestützt. Eine Arbeitsgruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) bestätigte in einer im Fachblatt New England Journal of Medicine publizierten Neubewertung der wissenschaftlichen Evidenz (DOI: 10.1056/NEJMsb2608211) den Wert des Lungenkrebsscreenings mittels Niedrigdosis-CT.
Die Auswertung von 23 Experten, basierend auf experimentellen und beobachtenden epidemiologischen Studien, belegt positive Effekte sowohl auf die Mortalität an Lungenkrebs als auch auf das Auftreten fortgeschrittener Lungenkarzinome in den Stadien III und IV.
