Niederösterreich, Ambulanzbesuche

Niederösterreich: 6.200 Ambulanzbesuche täglich außerhalb Kliniken

Veröffentlicht am: 27.08.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der NÖGUS-Bericht dokumentiert hohe ambulante Fallzahlen, während Notarztstützpunkte und ärztliche Hausapotheken kontrovers diskutiert werden.

Niederösterreich baut ambulante Versorgung aus und plant Notarztumbau
Moderner Wartebereich einer medizinischen Einrichtung mit heller Architektur und Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Niederösterreich treibt den Ausbau medizinischer Angebote außerhalb stationärer Krankenhäuser voran. Der Geschäftsbericht 2025 des Gesundheits- und Sozialfonds NÖGUS zeigt das Ausmaß der Versorgung im Bundesland: 2,25 Millionen ambulante Hauptdiagnosen wurden erfasst, dazu mehr als 300.000 stationäre Diagnosen, 258.000 Operationen, 266.360 MRT- und CT-Untersuchungen sowie 176.805 Frakturen.

Insgesamt zählte der Bericht 2,26 Millionen Ambulanzbesuche, umgerechnet rund 6.200 pro Tag, sowie 305.063 stationäre Aufenthalte mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 5,8 Tagen.

Primärversorgung und neue Betreuungsmodelle

Als Teil der Strategie zur Entlastung der Spitäler weist der NÖGUS-Bericht auf 16 Primärversorgungseinheiten im Bundesland hin. Ein weiteres Element ist das Projekt Herz-Mobil NÖ, das ab 2028 jährlich 1.650 Patienten betreuen soll.

Auch niedrigschwellige Beratungsangebote sind Teil des Ausbaus: Der Demenz-Service verzeichnete rund 1.000 Beratungen, 257 Sprechstunden und 129 Vorträge mit rund 4.000 Besuchern. Über die telefonische Gesundheitsberatung 1450 wurden 65.000 Beratungen abgewickelt.

Umbau der Notarztversorgung sorgt für Widerstand

Parallel zum Ausbau ambulanter Strukturen plant Niederösterreich eine Umstellung im Rettungswesen. Ab 1. April 2027 sollen elf der 32 bestehenden Notarztstützpunkte zu sogenannten RTW-C-Standorten umgewandelt werden, an denen besonders qualifizierte Rettungssanitäter statt Notärzten im Einsatz sind. Bereits ab April 2027 sollen 26 solcher RTW-C-Standorte bestehen, bis 2030 ist ein Ausbau auf 86 Standorte vorgesehen.

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Die Grünen kritisieren, dass für diese Umstellung die gesetzliche Grundlage fehle. Rotes Kreuz, ASBÖ und der Notfallmediziner Halmich halten eine solche Grundlage hingegen für nicht notwendig. Laut Rotes Kreuz verfügen 1.622 von 10.500 Sanitätern über die notwendige Zusatzqualifikation (NKV), beim ASBÖ sind es 294 von 1.700. Der Patientenanwalt fordert ein begleitendes Monitoring der Umstellung.

Auch die SPÖ Niederösterreich positioniert sich kritisch: Landesvertreterin Zonschits verlangt, dass kein Notarztstandort geschlossen werde, bevor kein mindestens gleichwertiger Ersatz existiere. Neue Strukturen müssten zunächst aufgebaut, erprobt und evaluiert werden, bevor bestehende Standorte wegfallen – ein Appell, der sich an ÖVP und FPÖ richtet.

Widerstand kommt zudem aus der Zivilgesellschaft: Aktivisten aus dem Waldviertel trafen sich in Gmünd, um gegen den Gesundheitsplan 2040+ zu protestieren und den Erhalt der elf betroffenen Notarztstützpunkte zu fordern, darunter Purkersdorf.

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Auch das Komitee Herzalarm und die Plattform NÖ legten eine Risikoanalyse vor, wonach die Zahl der Notarztstützpunkte ab 1. April 2027 von 32 auf 21 sinken soll. Betroffen ist unter anderem der Standort Waidhofen an der Ybbs. Die wegfallenden Leistungen sollen durch Notfallsanitäter und Telemedizin kompensiert werden.

Debatte um ärztliche Hausapotheken

In die Diskussion um die Versorgung außerhalb der Spitäler reiht sich auch eine Studie der Ärztekammer ein. Sie argumentiert, dass ein Ausbau apothekenführender Arztordinationen Kassenstellen am Land attraktiver machen könnte.

Als Beleg wird die Apothekendichte in Österreich angeführt: 16 öffentliche Apotheken pro 100.000 Einwohner, gegenüber einem EU-Schnitt von 31. Im Jahr 2025 gab es österreichweit 807 Hausapotheken.

Die Studie beziffert das Einsparpotenzial durch den Ausbau auf 160 Millionen Euro sowie 300.000 Tonnen CO2 jährlich. Die Ärztekammer fordert zudem die Streichung der 4-Kilometer-Grenze, die derzeit den Betrieb ärztlicher Hausapotheken einschränkt.

Die Apothekerkammer warnt hingegen vor Versorgungsengpässen und einer Schwächung der 1.470 öffentlichen Apotheken im Land, sollte der Ausbau ärztlicher Hausapotheken forciert werden. Die Standesvertretung lehnt die Vorschläge der Ärztekammer entsprechend ab.

Die verschiedenen Entwicklungen – vom Ausbau ambulanter Diagnostik über die Umstellung im Rettungswesen bis zur Debatte um Hausapotheken – verdeutlichen, dass die Gesundheitsversorgung außerhalb klassischer Krankenhausstrukturen in Niederösterreich derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig neu justiert wird.

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