Nickerchen, Täglicher

Nickerchen im Alter: Täglicher Schlaf tagsüber geht mit 48 Prozent mehr Demenzrisiko einher

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Biologische Veränderungen verschieben den Schlafrhythmus; feste Zeiten, Tageslicht und kurze Nickerchen können die Nachtruhe unterstützen.
Ein ruhig wirkendes Schlafzimmer im sanften Licht der Morgendämmerung mit schlichten Textilien und ruhiger Atmosphäre. Illustration mit AI erstellt.

Mit zunehmendem Lebensalter wandelt sich das Schlafverhalten grundlegend: Viele Menschen schlafen kürzer, wachen mitten in der Nacht auf oder beginnen ihren Tag bereits in den frühen Morgenstunden. Aktuelle medizinische Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, welche biologischen Prozesse hinter dieser Entwicklung stehen und wie Betroffene ihre Schlafqualität gezielt stabilisieren können.

Biologische Ursachen für die Verschiebung des Schlafrhythmus

Für das frühere Erwachen sind vor allem neuronale und hormonelle Veränderungen verantwortlich. Der sogenannte Nucleus suprachiasmaticus, die zentrale Schaltstelle der inneren Uhr im Gehirn, verliert mit den Jahren an Effizienz. Dadurch sendet er Schlafsignale früher am Abend aus, während gleichzeitig die Sensibilität für äußere Taktgeber wie Tageslicht, Mahlzeiten und Bewegung abnimmt. Dieser Vorgang führt zu einer Vorverlagerung des circadianen Rhythmus.

Zudem geht die körpereigene Produktion des Schlafhormons Melatonin zurück, was unter anderem durch eine fortschreitende Verkalkung der Zirbeldrüse bedingt ist. Bei Menschen ab etwa 60 Jahren können zudem Katarakte die Lichtaufnahme der Augen verringern, was den Tag-Nacht-Rhythmus zusätzlich schwächt.

Bereits ab etwa 30 Jahren nimmt die Dauer des Tiefschlafs schrittweise ab, wodurch ältere Menschen vermehrt im Leichtschlaf verharren und empfindlicher auf Störungen reagieren.

Häufigkeit und gesundheitliche Abgrenzung

Schlafstörungen treten im fortgeschrittenen Alter gehäuft auf: Bei Personen über 65 Jahren berichten 15 Prozent über Einschlafprobleme, 20 Prozent über Durchschlafprobleme und 35 Prozent über ein vorzeitiges Erwachen am Morgen. In der Schweiz wachen nach Angaben des Bundesamts für Statistik 48 Prozent der Bevölkerung mitunter mehrfach pro Nacht auf, während ein Drittel unter wiederkehrenden Schlafproblemen leidet.

Fachleute weisen darauf hin, dass ein frühes Aufwachen an sich harmlos ist, sofern die Schlafdauer insgesamt ausreicht. Problematisch seien vor allem anhaltender Schlafmangel und fragmentierter Schlaf. Frühes Erwachen kann jedoch auch auf Erkrankungen wie Depressionen, Schilddrüsenstörungen, Blutzuckerprobleme oder eine Schlafapnoe hindeuten.

Bei begleitenden Symptomen wie starker Niedergeschlagenheit, Tagesmüdigkeit, lautem Schnarchen mit Atempausen, Herzklopfen oder vermehrtem nächtlichem Wasserlassen wird eine ärztliche Untersuchung empfohlen.

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Für die Konsultation gilt häufig die Faustregel: Hält eine Einschlafdauer von über 30 Minuten oder eine sonstige Schlafstörung mindestens dreimal pro Woche über mehr als drei Monate an, sollte eine schlafmedizinische Abklärung erfolgen.

Zusammenhang mit Gehirnfunktion und Demenzrisiko

Die Qualität der Nachtruhe steht in engem Austausch mit neurodegenerativen Prozessen. Eine im September 2026 im Fachjournal Nature Neuroscience veröffentlichte Untersuchung der University of California, Berkeley verglich 61 jüngere mit 74 kognitiv gesunden älteren Erwachsenen.

Bei Personen mit vermehrten Tau-Protein-Ablagerungen im Frontallappen zeigte sich eine geringere Ausbreitung langsamer Schlafwellen sowie ein höherer nächtlicher Gedächtnisverlust. Eine Nachuntersuchung von 25 Teilnehmenden nach durchschnittlich 4,18 Jahren bestätigte diesen Zusammenhang.

Eine weitere US-Langzeitbeobachtung von 995 Personen ab 65 Jahren zwischen 2013 und 2023 zeigte zudem, dass tägliche oder fast tägliche Nickerchen mit einem um 48 Prozent höheren Risiko für das Auftreten einer Demenz einhergingen. Bei unbeabsichtigtem Einnicken stieg das Risiko um 39 Prozent, wohingegen geplante kurze Ruhepausen kein klares Risikomuster aufwiesen.

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Empfehlungen zur Stabilisierung der Nachtruhe

Um den Schlafrhythmus im Alter zu festigen, raten Schlafforscher zu festen Aufsteh- und Zubettgehzeiten sowie einer gezielten Lichtexposition. Hilfreich sind Aufenthalte bei Tageslicht am vormittag sowie am späten Nachmittag.

Abends empfiehlt sich die Reduzierung von künstlichem Licht. Regelmäßige körperliche Bewegung sollte idealerweise am Vormittag oder frühen Nachmittag stattfinden und nicht innerhalb von drei Stunden vor dem Schlafengehen erfolgen.

Mittagsschläfe sollten auf maximal 15 bis 20 Minuten begrenzt werden und keinesfalls nach 15 Uhr stattfinden. Wer länger als eine halbe Stunde wach im Bett liegt, sollte aufstehen und das Bett nicht zum längeren Verweilen mit Bildschirmen nutzen.

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