Nicht-obstruktive Kardiomyopathie: Gezielte Therapie rückt näher
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung der hypertrophen Kardiomyopathie steht vor einer bedeutsamen Erweiterung. Während für die obstruktive Verlaufsform bereits zielgerichtete Myosin-Inhibitoren zur Verfügung stehen, rückt nun die Einführung einer ersten gezielten medikamentösen Therapie für die nicht-obstruktive hypertrophe Kardiomyopathie (nHCM) näher.
Diese Unterform betrifft schätzungsweise 30 Prozent aller Patientinnen und Patienten mit HCM und ging bislang mit limitierten therapeutischen Optionen einher.
Klinische Evidenz aus dem ACACIA-HCM-Studienprogramm
Im Mittelpunkt der klinischen Entwicklung steht der Myosin-Inhibitor Aficamten des biopharmazeutischen Unternehmens Cytokinetics. Wie das Unternehmen auf der Jahrestagung der Heart Failure Society of America (HFSA) in Phoenix präsentierte, untermauern zusätzliche Auswertungen der Phase-3-Studie ACACIA-HCM das therapeutische Potenzial bei nHCM.
Bereits im August 2026 publizierte Daten im New England Journal of Medicine und in der Fachzeitschrift Circulation zeigten für die randomisierte kontrollierte Studie mit 517 Teilnehmenden signifikante Verbesserungen. Unter Aficamten verbesserten sich nach 36 Wochen der selbstberichtete Gesundheitsstatus sowie die maximale Sauerstoffaufnahme (peak VO2) im Vergleich zu Placebo deutlich.
Die Circulation-Publikation dokumentierte zudem eine Reduktion übermäßiger kardialer Kontraktionen sowie eine verbesserte diastolische Funktion. Cytokinetics unterstützte beide Studien. Eine Extensionsstudie läuft derzeit weiter.
Detaillierte physiologische Ergebnisse der Auswertung
Die auf der Tagung vorgestellten Daten zeigen eine signifikante Verbesserung des kombinierten physiologischen Ansprechens (2026 Boston Exercise Aggregate Physiologic Response Score, BEAP-RS) nach 36 Wochen gegenüber Placebo (p<0.001) über alle fünf untersuchten Domänen hinweg.
In vier von fünf Domänen wurden statistisch signifikante Verbesserungen belegt, darunter die Linderung von Symptomen, die Reduktion des linksatrialen Volumenindex (LAVI), die septale e'-Geschwindigkeit sowie eine Senkung des Biomarkers NT-proBNP um mindestens 50 Prozent.
Für die nicht-obstruktive HCM rückt erstmals eine gezielte medikamentöse Option näher — und mit ihr die Frage, wie sich Ansprechen über mehrere Domänen überhaupt messen lässt. Der kostenlose Leitfaden ordnet die ACACIA-HCM-Endpunkte ein und zeigt, worauf Sie bei der LVEF-Kontrolle achten sollten. Leitfaden zur nHCM-Therapie jetzt anfordern
Zudem korrelierte der BEAP-RS signifikant mit dem KCCQ-CSS (p=0.001), der NYHA-Funktionsklasse (p=0.001) und dem Biomarker NT-proBNP (p<0.001). In einer Responder-Analyse sprachen 53 Prozent der mit Aficamten behandelten Patienten in mindestens drei Domänen an, verglichen mit 13 Prozent in der Placebogruppe (p<0.001).
Ein Zuwachs der peak VO2 um mindestens 0,5 mL/kg/min wurde bei 45 Prozent der Behandelten unter Aficamten gegenüber 37 Prozent unter Placebo beobachtet (p=0.1).
Sicherheitsprofil und regulatorische Schritte
Im Rahmen der Dosistitration erreichten 80,7 Prozent der Studienpatienten eine Dosis von 15 oder 20 mg. Hinsichtlich der kardialen Sicherheit sank die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) bei 27 Behandelten (10,5 Prozent) unter 50 Prozent, verglichen mit 2 Patienten (0,8 Prozent) in der Placebogruppe.
Die Abnahme der Pumpfunktion war laut den publizierten Studiendaten reversibel. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit Herzinsuffizienz traten bei 12 Patienten (4,7 Prozent) unter Aficamten auf, gegenüber 3 Fällen (1,2 Prozent) unter Placebo.
Unter dem Handelsnamen MYQORZO ist Aficamten bereits in den USA, der Europäischen Union, Großbritannien und China für die Behandlung der symptomatischen obstruktiven hypertrophen Kardiomyopathie (oHCM) zugelassen.
Unter Myosin-Inhibitoren ist der LVEF-Abfall die zentrale Sicherheitsfrage: In der ACACIA-HCM-Auswertung sank die Ejektionsfraktion bei 10,5 Prozent der Behandelten unter 50 Prozent, gegenüber 0,8 Prozent unter Placebo. Der Leitfaden fasst die Dosistitration und ein strukturiertes Monitoring-Vorgehen zusammen. Sicherheits-Checkliste LVEF-Monitoring sichern
Für die Indikationserweiterung auf die nicht-obstruktive Form plant Cytokinetics die Einreichung eines ergänzenden Zulassungsantrags (sNDA) bei der US-Arzneimittelbehörde FDA noch für das laufende Quartal.
Frühere Daten hatten gezeigt, dass Myosin-Inhibitoren wie Aficamten und Mavacamten die Belastungskapazität bei oHCM verbessern; Aficamten erwies sich dabei auch einer Metoprolol-Monotherapie als überlegen. Langzeitdaten zur Mortalität stehen derweil noch aus.
