Newcastle-Studie, Soziale

Newcastle-Studie: Soziale Aktivität senkt Gebrechlichkeitsrisiko um 31 Prozent

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 19:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der neue Bridgekurs verbindet geistige Herausforderungen mit regelmäßigen sozialen Kontakten; ein Schutz vor Demenz ist damit nicht belegt.
Ein Kartendeck liegt in der Mitte eines hellen, sonnendurchfluteten Raumes auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Mit einem neuen Anfängerkurs am 9. November 2026 setzt der Bridge-Club Essen-Überruhr auf die Verknüpfung von geistiger Aktivität und sozialem Austausch. Die Initiative rückt das anspruchsvolle Kartenspiel gezielt als Instrument für mentale Fitness und gesellschaftliche Teilhabe in den Fokus.

Liane Lichius, die 77-jährige Vorstandsvorsitzende des Vereins, betonte in diesem Zusammenhang die Überzeugung, dass das Bridgespiel für jeden Menschen eine Bereicherung darstelle, sobald es Teil des Lebens werde. Die lokale Initiative greift damit Aspekte auf, die auch in der kognitiven Forschung und Präventionsmedizin diskutiert werden.

Kognitive Anforderungen am Spieltisch

Kartenspiele beanspruchen das Gehirn auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Erkenntnisse zur Studienlage zeigen, dass während des Spiels das Arbeitsgedächtnis, die Konzentration, das strategische Denken sowie die soziale Kognition und Flexibilität gefordert sind.

Die kognitiven Effekte von Kartenspielen sind wissenschaftlich zwar noch nicht abschließend belegt, doch Längsschnittstudien deuten auf einen potenziell günstigen Einfluss hin, auch wenn einheitliche Effektgrößen bislang fehlen. Um mitzuspielen, wird eine vorherige Regelkenntnis empfohlen, die sich üblicherweise an zwei bis drei Übungsabenden erlernen lässt.

Einen Anhaltspunkt zur Wirkung lieferte die Bronx Aging Study von Verghese und Kollegen aus dem Jahr 2003 im New England Journal of Medicine mit 469 Teilnehmenden.

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Die Untersuchung ergab, dass ältere Personen, die regelmäßig Brett- oder Kartenspiele spielten, ein geringeres Demenzrisiko aufwiesen als Nicht-Spielende. Die Autoren wiesen jedoch darauf hin, dass es sich um eine reine Beobachtungsstudie und keinen Kausalbeleg handelte.

Eine Metaanalyse von Simons und Kollegen aus dem Jahr 2016 im Fachjournal Psychological Science in the Public Interest dämpfte zudem übersteigerte Erwartungen an Gehirntraining: Der Transfer auf kognitive Leistungen im Alltag sei oft begrenzt. Für denkbare Effekte sei die Regelmäßigkeit der Ausübung wichtiger als die Intensität, wobei keine empirisch belastbare Mindeststundenzahl existiert.

Soziale Einbindung als Schutzfaktor

Neben den Denkanforderungen bieten Spielkreise eine verlässliche Kontaktplattform. Feste Spielrunden schaffen wiederkehrende Begegnungen und senken durch das gemeinsame Spielthema die Hemmschwelle für Unterhaltungen, wenngleich sie enge Freundschaften oder Therapien nicht ersetzen.

Nach Einschätzung des Neurologen Steven Allder von Re:Cognition Health können soziale Kontakte die kognitive Alterung verlangsamen, eine Demenz jedoch nicht verhindern.

Zudem belegte eine Studie der Newcastle University mit über 2.000 Männern im Alter von über 65 Jahren über einen Zeitraum von acht Jahren den Nutzen sozialer Einbindung: Eine hohe soziale Aktivität zu Beginn war mit einem um 31 Prozent geringeren Risiko für Gebrechlichkeit verbunden. Eine Steigerung der sozialen Aktivität über die acht Jahre ging mit einer Risikoreduktion von 23 Prozent einher.

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Neben der sozialen Interaktion ist auch die individuelle Vorsorge entscheidend, um geistige Veränderungen frühzeitig richtig einordnen zu können. Gewissheit in 2 Minuten: Check auf frühe Demenz?Anzeichen

Bedeutung für die Demenzprävention

In Deutschland leben Schätzungen zufolge zwischen 1,78 Millionen und über 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, wobei Alzheimer etwa 60 Prozent bis zwei Drittel der Fälle ausmacht. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft rechnet bis zum Jahr 2050 mit einem Anstieg auf bis zu 2,6 oder 2,7 Millionen Betroffene.

Wissenschaftlichen Erhebungen und Berichten der Lancet-Kommission zufolge gelten rund 45 Prozent der Demenzfälle über 14 modifizierbare Risikofaktoren als potenziell vermeidbar oder verzögerbar.

Soziale Isolation im Alter macht dabei einen Anteil von 5 Prozent aus, während Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen rund 14 Prozent und Hörverlust rund 7 Prozent beeinflussen. Kursangebote wie in Essen-Überruhr setzen an diesen Schnittstellen an, indem sie geistige Reize mit kontinuierlicher sozialer Teilhabe verbinden.

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