New Jersey S1677: Autonome Pilotfahrzeuge sollen drei Sensorsysteme brauchen
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIm US-Bundesstaat New Jersey rückt die technische Architektur vollautomatisierter Fahrzeuge in den Fokus der Gesetzgebung. Der Gesetzesentwurf S1677, eingebracht von den Senatoren Andrew Zwicker und Gordon Johnson, formuliert in Abschnitt 4(e) konkrete Anforderungen an die Hardwareausstattung von Pilotfahrzeugen.
Vorgeschrieben werden soll demnach neben einem Kamerasystem der verpflichtende Einsatz von zwei weiteren Sensormodalitäten. Diese zusätzlichen Sensorsysteme müssen in der Lage sein, eine verlässliche Hinderniserkennung auch bei einem Ausfall der optischen Kameras zu gewährleisten.
Redundanz und Auflagen im Rahmen des Pilotprogramms
Die Gesetzesinitiative sieht ein auf drei Jahre angelegtes Pilotprogramm vor, dessen Leitung dem Verkehrsministerium des Bundesstaates sowie der Motor Vehicle Commission unterliegen soll.
Um an diesem Programm teilzunehmen, müssen Entwickler umfangreiche Vorleistungen erbringen: Gefordert werden 50.000 Meilen an Testfahrten im vorgesehenen Betriebsgebiet sowie weitere 50.000 Meilen auf den Straßen New Jerseys mit einem Sicherheitsfahrer am Steuer.
Zudem definiert der Entwurf strenge Sicherheits- und Haftungsstandards. Je Fahrzeug wird eine Versicherungssumme von mindestens 5 Mio. US-Dollar verlangt. Im Falle von Zwischenfällen müssen Systeme eine kontinuierliche Datenaufzeichnung ab mindestens 30 Sekunden vor einer Kollision sicherstellen. Schwere Unfälle sind den Behörden innerhalb einer Frist von fünf Kalendertagen zu melden.
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Der Fahrbetrieb bliebe zudem räumlich reglementiert: Vorgesehen ist die Beschränkung auf ausgewiesene Schnellstraßen, während Schul- und Baustellenbereiche gänzlich ausgeschlossen werden. Damit die Regelungen in Kraft treten können, ist neben der Verabschiedung des Vorhabens im Senat auch die Zustimmung zum Gesetzentwurf A3968 in der General Assembly sowie die Unterschrift des Gouverneurs erforderlich.
Divergierende Philosophien in der Sensorik
Die in New Jersey diskutierten Auflagen betreffen eine zentrale Debatte der Automobilindustrie. Der Hersteller Tesla setzt bei seinen Fahrzeugen ausschließlich auf kamerabasierte Systeme.
Radar-Hardware wurde bereits 2021 aus den Modellen Model 3 und Model Y sowie 2022 aus dem Model S und Model X entfernt; auch Ultraschallsensoren strich das Unternehmen. Während Elon Musk optische Sensoren favorisiert und Lidar ablehnt, hält die Konkurrenz redundante Sensorsysteme für unverzichtbar.
Sterling Anderson, Chief Product Officer bei General Motors, wies auf physikalische Begrenzungen reiner Kamerasysteme hin und betonte den Nutzen von Lidar-Daten zum Training von Algorithmen sowie von Radar für Messungen bei dichtem Nebel. General Motors strebt eine eigene autonome Highway-Funktion bis 2028 an. Auch der Fahrdienstentwickler Waymo stellte in Beiträgen heraus, dass reine Kamerasysteme für eine sichere Navigation nicht ausreichen.
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Regulatorische Initiativen in den US-Bundesstaaten
Der Vorstoß in New Jersey steht nicht isoliert da. Bundesweit verfügen 26 US-Bundesstaaten über spezifische Gesetze für autonome Fahrzeuge. In Ohio brachte der Abgeordnete Adam Holmes mit House Bill 1034 eine Initiative ein, die landesweite Regeln für fahrerlose Autos schaffen und eine Halterhaftung bei Abwesenheit menschlicher Fahrer etablieren soll.
Holmes bezeichnete den Entwurf als vorausschauende Gesetzgebung, da valide Datensätze für Witterungsverhältnisse wie Schnee und Regen noch unzureichend seien.
Unterdessen erprobt die Initiative DriveOhio bereits fahrerlose Nutzfahrzeuge. In Virginia legte eine legislative Arbeitsgruppe nach Sitzungen bis September 2026 Grundlagen für eine mögliche Regulierung vor, über die voraussichtlich im Jahr 2027 entschieden wird.
