Neurotango, Parkinson

Neurotango bei Parkinson: Tango-Training kann Gangbild und Gleichgewicht stärken

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Wiener Angebot verbindet Tango mit neurologischen Ansätzen und trainiert je nach Erkrankung Beweglichkeit, Gleichgewicht oder vorhandene Fähigkeiten.

Neurotango in Wien: Tanztherapie für Parkinson und Demenz
Ein heller, minimalistischer Tanzraum mit Parkettboden und großen Fenstern, die in einen ruhigen Park blicken. Illustration mit AI erstellt.

Die Tanztherapie gewinnt in der Behandlung neurologischer Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Ein spezieller Ansatz ist dabei der sogenannte Neurotango, den Sonja und Erich Hintermeier in Wien etabliert haben.

Wie Berichte vom 30.09.2026 darlegen, handelt es sich hierbei um ein Konzept, das vereinfachte Elemente des argentinischen Tangos mit Erkenntnissen aus der Neurowissenschaft, Psychologie und professioneller Körperarbeit verbindet. Die Methode richtet sich insbesondere an Patienten, die an Parkinson oder Demenz leiden.

Systematik und methodischer Aufbau der Tanztherapie

Der therapeutische Ansatz des Neurotango basiert auf einem strukturierten System von zwölf aufeinander aufbauenden Einheiten, den sogenannten Tools. Diese nutzen verschiedene Formen des traditionellen Tanzes, darunter Tango, Vals, Milonga und Canyengue. Jedes dieser Elemente wird über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen intensiv geübt, um motorische und kognitive Lerneffekte zu festigen.

Ein zentrales Ziel des Trainings besteht darin, spezifische Bewegungsmuster zu korrigieren oder neu zu erlernen. Dazu gehört laut den vorliegenden Informationen unter anderem das Verlernen des sogenannten Passgangs, der bei bestimmten Krankheitsbildern häufig auftritt.

Stattdessen werden gezielt das Rückwärtsgehen sowie kontrollierte Richtungswechsel trainiert. Sonja und Erich Hintermeier gelten demnach als die ersten Anbieter in Wien, die diese spezialisierte Form der Tanztherapie in der österreichischen Hauptstadt zugänglich machen.

Wirkungsweise bei Parkinson und demenziellen Erkrankungen

Die Anwendung der Methode zielt auf unterschiedliche therapeutische Effekte ab, je nach vorliegender Grunderkrankung. Bei Patienten mit Morbus Parkinson stehen vor allem die Verbesserung des Gangbildes und die Stabilisierung des Gleichgewichts im Vordergrund.

Anzeige

Wer seine Mobilität und geistige Fitness proaktiv unterstützen möchte, kann neben speziellen Therapien auch auf gezielte Übungen für den Alltag setzen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 praktische Methoden, mit denen Sie Ihr Gehirn trainieren und Demenz aktiv vorbeugen können. Diese 11 Alltagsübungen halten Ihr Gehirn bis ins hohe Alter fit

Sonja Hintermeier zufolge zeige die Praxis, dass positive Effekte in diesen Bereichen teilweise bereits nach wenigen Trainingseinheiten beobachtet werden können. Wissenschaftliche Untersuchungen stützen diese Beobachtungen: Laut Studien verändere ein regelmäßiges Tango-Training das Gangmuster bei Parkinson-Patienten zum Positiven und führe zu einer messbaren Steigerung der Standsicherheit.

Bei Menschen mit Demenz liegt der Fokus hingegen weniger auf der rein motorischen Korrektur als vielmehr auf der Aktivierung vorhandener Ressourcen. Die therapeutische Arbeit solle es ermöglichen, alte Fähigkeiten wieder abzurufen und soziale Begegnungen in einem geschützten Rahmen zu fördern.

Die Gruppengröße ist dabei bewusst klein gehalten und umfasst in der Regel etwa acht Personen. Eine vorherige Tanzerfahrung ist für die Teilnahme an den Einheiten nicht erforderlich, da die Bewegungsabläufe für die therapeutische Nutzung angepasst wurden.

Anzeige

Wenn Sie bei sich oder Angehörigen erste Anzeichen von Vergesslichkeit bemerken, bietet eine schnelle Einschätzung oft notwendige Klarheit. Nutzen Sie diesen anonymen 2-Minuten-Test mit 7 Experten-Fragen, um frühe Warnsignale für Demenz diskret zu prüfen. Gewissheit in 2 Minuten: Check auf frühe Demenz-Anzeichen

Ursprung und internationale Entwicklung des Konzepts

Die Methode des Neurotango wurde vor etwa zehn Jahren von Simone Schlafhorst-Biermann in Deutschland speziell für die Anforderungen bei neurodegenerativen Erkrankungen entwickelt. Sie griff dabei auf langjährige Erfahrungen aus Südamerika zurück. In Argentinien wird der argentinische Tango bereits seit fast 30 Jahren in therapeutischen Kontexten eingesetzt, um die Mobilität und Lebensqualität von Patienten zu verbessern.

Der Transfer dieser Ansätze in den europäischen Raum und die Verknüpfung mit neurowissenschaftlichen Standards hat dazu geführt, dass Tanztherapien wie der Neurotango als ergänzende Behandlungsformen zur klassischen Physiotherapie und medikamentösen Versorgung wahrgenommen werden.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Verbindung von koordinativen Herausforderungen und der emotionalen Komponente der Musik, was laut Fachleuten die neuronale Plastizität positiv beeinflussen könne.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70207746 |