Neurodivergenz im Job: Body Doubling und KI helfen ADHS-Menschen
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Arbeitswelt entdeckt das Potenzial neurodivergenter Menschen – und entwickelt zunehmend passende Unterstützungskonzepte. Vom KI-Assistenten bis zum gemeinschaftlichen Arbeiten: Die Ansätze sind vielfältig.
KI-Assistenz für den Alltag
Die KI-Assistentin „ND-AI“ zeigt, wie Technologie neurodivergente Menschen im Berufsalltag unterstützen kann. Die Anwendung, die 2025 beim Campusideen-Wettbewerb den „Impact Award“ gewann, wurde von einer Bremer Designerin und einem Softwareentwickler konzipiert. Sie analysiert E-Mails, bereitet Gespräche vor und zerlegt komplexe Aufgaben in handhabbare Teilschritte.
Damit adressiert sie ein Kernproblem vieler Betroffener: die Schwierigkeit, Alltagsaufgaben zu strukturieren und Prioritäten zu setzen.
Die Umgebung als Erfolgsfaktor
Auch die physische Arbeitsumgebung spielt eine entscheidende Rolle. Experten für Arbeitsplatzorganisation warnen: Visuelle Unruhe erhöht den Cortisolspiegel und mindert die Konzentration. Die Lösung: geschlossene Möbel, neutrale Farbtöne und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 30 und 50 Prozent. Eine strukturierte Papierablage gehört ebenfalls zu den empfohlenen Maßnahmen.
Das klingt banal, kann für neurodivergente Menschen aber den Unterschied zwischen Produktivität und Überforderung ausmachen.
Gemeinsam statt einsam: „Body Doubling“
Seit Anfang 2026 bietet die Initiative „Im Quadrat“ im Wuppertaler Bob-Campus einen regelmäßigen Treffpunkt für Menschen mit ADHS, Autismus oder Legasthenie. Das Kernkonzept: „Body Doubling“. Dabei arbeiten Personen in Anwesenheit anderer an ihren individuellen Aufgaben. Die Anwesenheit senkt die Hemmschwelle zum Start und erhöht die Ausdauer.
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Die Initiatorin der Gruppe, die selbst erst im Erwachsenenalter ihre ADHS-Diagnose erhielt, betont die Notwendigkeit geschützter Räume. Ziel ist die Anerkennung als Selbsthilfegruppe, um Fördergelder für den Ausbau der Angebote zu erhalten. Ähnliche Initiativen entstehen andernorts – etwa eine neue Selbsthilfegruppe in Westhofen, gegründet von einer betroffenen Mutter.
Was im Gehirn passiert
Die neurologischen Grundlagen erklären, warum herkömmliche Arbeitsmethoden oft scheitern. Bei ADHS ist die Verarbeitung der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin verändert. Zudem zeigt der präfrontale Cortex – zuständig für Exekutivfunktionen – eine geringere Aktivität. Die Folge: Schwierigkeiten bei Priorisierung und Zeitplanung.
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Kim-Alexandra Leopold aus Leipzig kennt diese Herausforderungen. Erst die Spätdiagnose half ihr, die eigene Neurodivergenz zu verstehen und individuelle Techniken zu entwickeln. Handarbeiten etwa nutzt sie gezielt zur Beruhigung.
Förderprogramme und Vorzeigeprojekte
Politisch tut sich ebenfalls etwas. In Nordrhein-Westfalen fördert das Arbeitsministerium inklusive Ausbildungskonzepte mit rund zwei Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds. Davon profitieren zusätzliche Ausbildungsplätze für Jugendliche mit Behinderung sowie Coaching-Programme wie „Ausbildungswege NRW“.
Dass inklusive Modelle auch in der Praxis funktionieren, beweist das dänische Medienhaus Glad TV. Dort arbeiten Journalisten mit Autismus und Sehbehinderungen. Das Interview format „En særlig samtale“ erreichte über 233.000 TV-Zuschauer – ein Beleg dafür, dass neurodivergente Menschen mit passenden Rahmenbedingungen in hochqualifizierten Berufen Herausragendes leisten können.
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