Neue Immunzellen entdeckt: Durchbruch in der Alzheimer-Forschung
22.05.2026 - 23:22:54 | boerse-global.deDie Entdeckung könnte die Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen grundlegend verändern.
Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universitäten Augsburg und Leipzig fand die Zellen mithilfe der hochmodernen Mikroskopiemethode CODEX-CNS. Die sogenannten „human plaque-associated microglia“ (HPAM) konzentrieren sich massiv an den charakteristischen Amyloid-Plaques – den Eiweißablagerungen im Gehirn.
Die Ergebnisse wurden am 21. Mai in Nature Neuroscience veröffentlicht. Das Team analysierte über 704.000 Zellen. Rund 40 Prozent der Immunzellen an dichten Amyloid-Plaques sind demnach HPAM-Zellen. Ihre Marker deuten auf aktive Beteiligung an Entzündungsprozessen und Aufräumarbeiten im Gehirngewebe hin.
Blutfette liefern neue Hinweise
Flankiert wird die Entdeckung durch eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). Die Forscher kartierten die Genetik von Blutfetten mit bisher unerreichter Präzision.
Basierend auf Blutproben von über 8.000 Teilnehmern der Rheinland-Studie identifizierten sie mehr als 50 neue Genregionen. Diese beeinflussen die Struktur und Konzentration von über 900 Lipiden. Da Lipide eine entscheidende Rolle bei Alterungsprozessen sowie bei Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielen, liefern die Daten wichtige Anhaltspunkte für künftige Therapien.
Die Studie erschien am 22. Mai in Nature Communications.
Früherkennung bald beim Hausarzt?
Parallel entwickeln Experten neue Methoden, um Alzheimer-Diagnosen direkt in Hausarztpraxen zu ermöglichen. Das EU-Projekt 2D-BioPAD arbeitet an einem graphenbasierten Biosensor. Der Point-of-Care-Test soll spezifische Biomarker im Blut bereits Jahre vor Symptombeginn nachweisen.
Ein ähnlicher Ansatz kommt von der Ruhr-Universität Bochum. Professor Klaus Gerwerts Team hat einen Immuno-Infrarot-Sensor entwickelt, der Alzheimer und Parkinson per Blutprobe identifiziert. Der Sensor erkennt Fehlfaltungen von Proteinen, die für neurodegenerative Prozesse verantwortlich sind.
Die Technologie wurde Ende April im Journal of Physical Chemistry B vorgestellt. Eine Frühdiagnose gilt als essenziell, da viele Behandlungen nur wirken, wenn die Nervenschädigung noch nicht weit fortgeschritten ist.
Auch einfache Tests könnten als Frühindikatoren dienen. Eine US-Studie in JAMA Otolaryngology untersuchte über sieben Jahre rund 5.500 ältere Erwachsene. Ergebnis: Ein nachlassender Geruchssinn korreliert deutlich mit schnellerem körperlichem Abbau – möglicherweise ein früher Hinweis auf beginnende neurodegenerative Erkrankungen.
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Jede zweite Demenz vermeidbar?
In Deutschland leben derzeit 1,8 Millionen Demenzkranke, jährlich kommen rund 450.000 Neudiagnosen hinzu. Prävention gewinnt damit massiv an Bedeutung.
Der Mediziner Dietrich Grönemeyer verwies auf die aktuelle Lancet-Kommission: Demnach wäre jede zweite Demenz durch die Beachtung von 14 Kriterien vermeidbar. Zu den zentralen Risikofaktoren zählen Bewegungsmangel, Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen sowie Hör- und Sehverlust. Auch guter Schlaf und die Verarbeitung von Traumata entfalten schützende Wirkung.
Neue Daten der European Society of Cardiology unterstreichen den Wert kurzer, intensiver Bewegung. Eine Untersuchung von rund 96.000 Menschen ergab: Bereits 15 bis 20 Minuten intensive Alltagsbewegung pro Woche – wie schnelles Gehen oder Treppensteigen – senken das Demenzrisiko um bis zu 63 Prozent.
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Omega-3-Präparate unter Verdacht
Kritisch hinterfragt wurde die unbedachte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Eine chinesische Langzeitstudie über fünf Jahre mit rund 800 Teilnehmern deutet darauf hin, dass Omega-3-Präparate den kognitiven Abbau unter bestimmten Umständen sogar beschleunigen könnten.
Betroffen waren insbesondere Träger des APOE4-Gens, das ohnehin mit erhöhtem Alzheimer-Risiko assoziiert ist. Gehirnscans zeigten bei dieser Gruppe einen Rückgang des Glukose-Stoffwechsels. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht die pauschale Einnahme solcher Kapseln daher kritisch.
Die Studie wurde im Journal of Prevention of Alzheimer's Disease veröffentlicht.
Schlaf als Schaltstelle für die Gehirngesundheit
Forscher der TU Dresden konnten in Science Advances zeigen, dass das Hormon Somatostatin über spezielle Neuronen im Schlafzentrum wichtige Prozesse wie Stoffwechsel und Gedächtnis steuert. Schlaf fungiert demnach als zentrale Schaltstelle für neuronale Regeneration.
Die Zukunft der Demenzprävention wird nach Einschätzung von Wissenschaftsakademien wie Acatech und der Leopoldina stark von der Analyse großer Gesundheitsdatenmengen abhängen. Gefordert wird eine datengesteuerte Risikoanalyse für individuelle Präventionspfade.
Dabei spielt auch die psychische Gesundheit eine tragende Rolle. Eine IU-Studie mit 2.000 Befragten zeigt die Belastungen der digitalen Welt: 81 Prozent der Deutschen schauen stündlich auf ihr Smartphone, bei den 16- bis 30-Jährigen es über 90 Prozent.
Was die Forschung als nächstes plant
Die kommenden Jahre werden voraussichtlich von der Integration neuer Technologien in die medizinische Regelversorgung geprägt sein. Die Implementierung graphenbasierter Sensoren in Hausarztpraxen könnte die Diagnostik revolutionieren.
Experten erwarten zudem, dass die Verfeinerung genetischer Lipiddaten und die Erforschung der HPAM-Immunzellen den Weg für präzisere medikamentöse Ansätze ebnen. Gleichzeitig gewinnt der gesellschaftliche Diskurs über digitale Belastungen und die Bedeutung von Schlaf und Bewegung weiter an Fahrt.
Ein geplantes Webinar des Fraunhofer IAO zur kognitiven Ergonomie im Juni 2026 zeigt: Gehirngesundheit wird künftig auch in der Arbeitswelt eine zentrale Rolle spielen.
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