Netzhautchip, PRIMA

Netzhautchip PRIMA: Weltweit erste Implantation bei 80-Jähriger in Lübeck

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die PRIMA-Studie zeigte bei 26 von 32 ausgewerteten Teilnehmenden eine messbare Sehschärfenverbesserung; die Erstattung bleibt ungeklärt.

UKSH Lübeck setzt erstmals zugelassenen PRIMA-Netzhautchip ein
Ein steriler, moderner Operationssaal mit einem hochpräzisen chirurgischen Mikroskop und medizinischen Geräten. Illustration mit AI erstellt.

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) am Campus Lübeck ist die weltweit erste Implantation des Netzhautchips PRIMA nach dessen offizieller EU-Zulassung erfolgt.

Der Eingriff wurde bei der 80-jährigen Patientin Gisela Sudhop durchgeführt, die infolge einer geographischen Atrophie – der fortgeschrittenen Form der trockenen altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) – erblindet ist und seit über zehn Jahren an Makuladegeneration leidet.

Der Chip hatte im Juli 2026 die EU-CE-Kennzeichnung für die reguläre Krankenversorgung in Europa erhalten, wie unter anderem aus einem Bericht von uksh.de vom 9. Oktober 2026 hervorgeht.

Chirurgische Präzision und Funktionsweise des Implantats

Der mikroelektronische Chip mit Abmessungen von 2 mal 2 Millimetern wurde von Prof. Dr. Salvatore Grisanti unter die Netzhaut der Patientin eingesetzt. Das Verfahren gilt in der Augenheilkunde als eine der anspruchsvollsten Operationen und kann weltweit nur an wenigen hochspezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Das System basiert auf dem Zusammenspiel des Implantats mit einer speziell entwickelten Brille. Diese Brille ist mit einer Mikrokamera sowie einer Infrarot-Projektionseinheit ausgestattet. Sie übermittelt sowohl die Bildsignale als auch die benötigte Energie mittels Nahinfrarotlicht drahtlos an den Chip unter der Retina. Dort werden noch intakte Nervenzellen stimuliert, um optische Reize an das Gehirn weiterzuleiten.

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Das Implantat stellt kein natürliches Sehvermögen wieder her und ermöglicht kein Farbsehen. Stattdessen können Betroffene Konturen, Graustufen und Buchstaben erfassen. Bei der Patientin wird nach einer anschließenden Rehabilitationsphase das Erkennen mittelgroßer Buchstaben angestrebt. Dieses Sehtraining erstreckt sich über einen Zeitraum von rund sechs Monaten und findet überwiegend im häuslichen Umfeld statt.

Klinische Ergebnisse der PRIMAvera-Studie

Die wissenschaftliche Grundlage für den Einsatz lieferte die im Fachjournal New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichte PRIMAvera-Studie. Im Rahmen dieser Untersuchung erhielten 38 Patientinnen und Patienten mit geographischer Atrophie das Implantat. Die technische Konfiguration des 30 Mikrometer dünnen Chips umfasst 378 photovoltaische Pixel.

Von den 32 Teilnehmenden, deren Daten nach zwölf Monaten ausgewertet werden konnten, zeigten 26 Personen (81 Prozent) eine messbare Verbesserung der Sehschärfe um mindestens zehn ETDRS-Buchstaben, was rund zwei Zeilen auf der Sehtafel entspricht.

Zu den wesentlichen Beobachtungen zählte zudem, dass das periphere Sichtfeld sowie das natürliche Sehvermögen außerhalb der atrophischen Areale unverändert erhalten blieben. Das Implantat erwies sich als gut verträglich. Gleichwohl betont die Studienauswertung, dass es sich um keine Heilung der Grunderkrankung handelt, da die Auflösung und das Gesichtsfeld konstruktionsbedingt limitiert bleiben.

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Verbreitung der Erkrankung und offene Erstattungsfragen

Die altersabhängige Makuladegeneration gilt als die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderungen und Erblindungen in Deutschland. Laut Berichten liegt die Zahl der diagnostizierten Fälle bundesweit bei über einer Million, wovon schätzungsweise 400.000 auf die fortgeschrittene trockene Form entfallen.

Angaben des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) zufolge leben rund sieben Millionen Menschen mit einer AMD-Vorstufe oder -Erkrankung, etwa 480.000 befinden sich in einem Spätstadium, und jährlich erblinden rund 5.000 Menschen durch Makuladegeneration.

Trotz der erfolgten CE-Zulassung im Juli 2026 bleibt die finanzielle Abdeckung der Therapie für Betroffene vorerst eine Hürde. Wie das UKSH Lübeck mitteilte, ist die Kostenübernahme für den Eingriff durch die gesetzlichen Krankenkassen bislang nicht abschließend geregelt. Der Zugang zu dieser Methode bleibt vorerst auf wenige universitäre Spezialkliniken begrenzt.

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