Netzhaut, Frühwarner

Netzhaut als Frühwarner: Augenveränderungen zeigen Herzrisiko 4 Jahre früh

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 12:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie verknüpft eine dünnere Netzhautschicht mit höherem Vorhofflimmern-Risiko. Als Diagnoseverfahren eignet sich der Befund noch nicht.

Netzhaut als Herzsignal: Studie zeigt erhöhtes Vorhofflimmern-Risiko
Detailaufnahme der menschlichen Netzhaut mit sichtbaren Gefäßstrukturen als Symbol für medizinische Diagnostik. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Beschaffenheit der menschlichen Netzhaut Rückschlüsse auf die Herzgesundheit zulassen kann.

Eine Studie des University College London und des Moorfields Eye Hospital, die in der Fachzeitschrift PLOS Digital Health veröffentlicht wurde, zeigt einen Zusammenhang zwischen der Dicke bestimmter Netzhautschichten und dem Risiko für Vorhofflimmern auf. Den Ergebnissen zufolge können spezifische Veränderungen am Auge die Herzerkrankung bis zu vier Jahre vor einer klinischen Diagnose anzeigen.

Datenbasis und methodische Untersuchung

Für die Analyse werteten die Forscher Daten von insgesamt mehr als 90.000 Menschen aus. Die Untersuchung stützte sich dabei auf zwei wesentliche Datensätze: die sogenannte AlzEye-Kohorte und die UK Biobank. Die AlzEye-Kohorte umfasste 50.651 Patienten im Alter von über 40 Jahren, die zwischen 2008 und 2018 untersucht wurden.

In dieser Gruppe waren 5.375 Personen, also etwa 11 Prozent, von Vorhofflimmern betroffen. Ergänzend wurden Daten von rund 39.000 Teilnehmern der UK Biobank im Alter zwischen 40 und 69 Jahren aus dem Zeitraum von 2006 bis 2010 herangezogen.

Im Fokus der Untersuchung stand die Makula-Ganglienzellschicht (mGCIPL). Die Auswertungen ergaben, dass diese Schicht bei Patienten mit Vorhofflimmern signifikant dünner war. In der AlzEye-Kohorte lag die mGCIPL-Dicke um 1,96 µm unter dem Durchschnitt (95 %-Konfidenzintervall 1,58–2,34). In der UK Biobank wurde eine Differenz von 1,19 µm (KI 0,65–1,73) festgestellt.

Korrelation zwischen Netzhautdicke und Erkrankungsrisiko

Die Studie belegt eine statistische Korrelation zwischen der Abnahme der mGCIPL-Dicke und der Wahrscheinlichkeit einer späteren Diagnose. Bei 39.013 Teilnehmern, die zu Beginn der Beobachtung kein Vorhofflimmern aufwiesen, entwickelten 838 Personen über einen Zeitraum von durchschnittlich vier Jahren die Erkrankung. Dabei entsprach jede Abnahme der Schichtdicke um eine Standardabweichung (SD) einem um 27 Prozent erhöhten Risiko für Vorhofflimmern (KI 5–54 %).

Wie aus Fachberichten vom September 2026 hervorgeht, blieb dieser Effekt auch nach Berücksichtigung verschiedener Störfaktoren bestehen. Die Forscher bereinigten die Ergebnisse um Einflüsse wie Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft sowie Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. Auch der Konsum von Tabak und Alkohol veränderte den beobachteten Zusammenhang nicht wesentlich.

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Bedeutung für die kardiologische Vorsorge

Hauptautor Josef Huemer vom Moorfields Eye Hospital und dem University College London erklärte dazu, dass die Netzhaut der einzige Ort im menschlichen Körper sei, an dem Blutgefäße und Nervengewebe nicht-invasiv analysiert werden können. Er betonte, dass routinemäßige Augenuntersuchungen künftig dazu beitragen könnten, Personen zu identifizieren, die von einer gezielten kardiologischen Untersuchung oder einer engmaschigeren Überwachung profitieren würden.

Die Wissenschaftler stellen jedoch klar, dass die beobachteten Netzhautveränderungen derzeit kein eigenständiges Diagnose-Tool darstellen. Vielmehr handele es sich um einen biologischen Marker für eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von Vorhofflimmern.

In einem nächsten Schritt solle geprüft werden, ob diese Befunde die bestehenden Risikoberechnungen in der Medizin verbessern und damit eine frühzeitigere Überweisung zum Langzeit-EKG ermöglichen können.

Gesellschaftliche Relevanz und Risiken

Die Relevanz einer frühzeitigen Erkennung ergibt sich aus der weltweiten Verbreitung der Erkrankung. Schätzungen zufolge leben global etwa 52,55 Millionen Menschen mit Vorhofflimmern.

Ein Problem stellt dabei die Dunkelziffer dar: Rund 62 Prozent der Betroffenen wussten laut den Studiendaten vor ihrer Diagnose nichts von der Erkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise 2 Millionen Menschen betroffen, im Vereinigten Königreich mehr als 1,5 Millionen.

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Unbehandeltes Vorhofflimmern geht mit schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken einher. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit für Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und einen frühzeitigen Tod erheblich.

Modellrechnungen aus den USA deuten zudem darauf hin, dass auch in Großbritannien etwa 11 bis 13 Prozent aller Fälle undiagnostiziert bleiben könnten. Die Nutzung ophthalmologischer Daten könnte somit eine wichtige Lücke in der präventiven Herz-Kreislauf-Medizin schließen.

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