Netflix wächst nur zwölf Prozent – Aktie fällt nach Zahlen
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 04:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNetflix setzt auf neue Wachstumswege
- Der Umsatz stieg im vergangenen Quartal um zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar.
- Der Quartalsgewinn legte um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar zu.
- Netflix will einzelne Filme wie „Narnia“ zunächst 45 Tage exklusiv im Kino zeigen.
Netflix verliert beim Wachstum an Tempo
Netflix hat das vergangene Quartal mit dem schwächsten Wachstum seit Jahren abgeschlossen und will Nutzer künftig stärker an Filme und Serien binden. Nach den Zahlen fiel die Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent.
Umsatz steigt, Gewinn wächst stärker
Der Umsatz legte im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar zu. Das war der niedrigste Zuwachs seit drei Jahren, entsprach aber den Erwartungen der Analysten.
Unter dem Strich wuchs der Gewinn um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar. Co-Chef Ted Sarandos erklärte, Netflix wolle der Unterhaltungsdienst sein, „den man haben muss“; Greg Peters sagte, das Unternehmen wisse, dass es besser werden könne.
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Weniger Aktivität bei Zuschauern
Netflix ist weiterhin die klare Nummer eins im Videostreaming, doch laut Sarandos wächst das Geschäft nicht so schnell wie erhofft. In den vergangenen Monaten gab es wiederholt Hinweise von Marktforschern auf eine abnehmende Aktivität der Zuschauer.
Bei der jüngsten Runde von Preisverleihungen gingen Netflix-Produktionen weitgehend leer aus. Auf Erfolge wie „Stranger Things“ oder „Squid Game“ folgten demnach keine Titel mit vergleichbarer Wirkung im Zeitgeist.
Umbau in Programm und Film
Netflix strich vergangene Woche rund sechs Prozent der Arbeitsplätze, etwa 1.000 Beschäftigte verloren ihre Jobs. Auch die langjährige Programmverantwortliche Bela Bajaria musste gehen.
Kurz darauf wurde zudem Filmchef Dan Lin abgelöst. Bajarias Rolle übernimmt Peter Rice, der bei klassischen Studios wie Disney Karriere machte.
Netflix öffnet sich vorsichtig fürs Kino
Einige Filme sollen künftig zunächst länger exklusiv im Kino laufen. Für Produktionen wie den „Narnia“-Film von „Barbie“-Regisseurin Greta Gerwig kündigte Netflix eine 45-tägige Kinoauswertung an.
Sarandos betonte zugleich, Streaming bleibe der Kern des Geschäfts. Peters stellte außerdem in Aussicht, das in Frankreich erprobte Modell mit dem Programm von TF1 auch mit weiteren Partnern umzusetzen.
Warner-Deal scheitert
Im vergangenen Jahr hatte Netflix versucht, das Studio- und Streaminggeschäft von Warner Bros. für rund 80 Milliarden Dollar zu kaufen. Der Konzern hätte damit unter anderem die HBO-Fernsehbibliothek und weitere Kinofilme übernommen.
Am Ende setzte sich Paramount mit einem Gebot für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery durch. Die Netflix-Aktie notiert mehr als 40 Prozent schwächer als vor einem Jahr.
Netflix bleibt trotz des nachlassenden Wachstums der führende globale Videostreamingdienst. Die Quartalszahlen zeigen eine für Anleger wichtige Kombination: Der Umsatz stieg deutlich und der Gewinn wuchs noch stärker, zugleich verlor die Aktie nach der Veröffentlichung kräftig. Damit richtet sich der Blick weniger auf die aktuelle Ertragskraft als auf die Frage, ob Netflix seine Reichweite und Nutzungsintensität weiter steigern kann.
Das Unternehmen reagiert mit mehreren Hebeln. Mehr erfolgreiche Eigenproduktionen sollen Zuschauer länger binden, zusätzliche Partnerschaften wie das französische TF1-Modell könnten das Angebot verbreitern. Zugleich testet Netflix mit längeren Kinoauswertungen einen Weg, Filme stärker als eigenständige Ereignisse zu vermarkten. Der geplante 45-Tage-Kinostart einzelner Produktionen markiert dabei eine begrenzte Öffnung gegenüber dem klassischen Studiomodell, ohne den Streaming-Schwerpunkt aufzugeben.
Wettbewerb erhöht den Druck
Die Personalentscheidungen und der Wechsel an der Spitze des Film- und Programmgeschäfts fallen in eine Phase intensiven Wettbewerbs. Netflix muss nicht nur neue Abonnenten gewinnen, sondern auch die tägliche Nutzung und die kulturelle Relevanz seiner Inhalte sichern. Gleichzeitig steigen die Kosten für attraktive Rechte und Produktionen, während Konkurrenten ihre eigenen Plattformen mit umfangreichen Filmbibliotheken und Serienangeboten stärken.
Für Nutzer kann der Kurs zu mehr Kooperationen, veränderten Veröffentlichungsfenstern und einem stärkeren Wechsel erfolgreicher Inhalte führen. Für Anleger bleibt entscheidend, ob Netflix das langsamere Umsatzwachstum durch höhere Profitabilität, bessere Inhalte und neue Vertriebsmodelle ausgleichen kann. Der verlorene Warner-Bros.-Wettstreit zeigt zudem, dass weiteres Wachstum über große Übernahmen nicht selbstverständlich ist.

