Netflix wächst nur noch um zwölf Prozent – Aktie fällt
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 23:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNetflix richtet Inhaltegeschäft neu aus
- Netflix erzielte im Quartal 12,9 Milliarden Dollar Umsatz und 3,66 Milliarden Dollar Gewinn.
- Co-Chef Ted Sarandos formulierte das Ziel, Netflix zum unverzichtbaren Unterhaltungsdienst zu machen.
- Rund sechs Prozent der Arbeitsplätze wurden gestrichen, etwa 1.000 Beschäftigte verloren ihre Jobs.
- Peter Rice übernimmt die bisherige Rolle von Bela Bajaria im Programmgeschäft.
Netflix dämpft Wachstum und baut Führung um
Netflix hat das vergangene Quartal mit dem schwächsten Wachstum seit Jahren abgeschlossen und will die Nutzung seiner Filme und Serien steigern. Der Umsatz stieg binnen Jahresfrist um zwölf Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar, während der Gewinn um rund 44 Prozent auf 3,66 Milliarden Dollar zulegte.
Umsatz wächst so langsam wie seit drei Jahren nicht
Der Umsatzanstieg entsprach den Erwartungen der Analysten, war aber der niedrigste seit drei Jahren. Co-Chef Ted Sarandos sagte, Netflix wolle „der Unterhaltungs-Dienst sein, den man haben muss“.
Der Streamingdienst bleibt die klare Nummer eins der Branche. Zugleich gab es zuletzt wiederholt Hinweise auf eine nachlassende Aktivität der Zuschauer. Auf erfolgreiche Produktionen wie „Stranger Things“ und „Squid Games“ folgten nach Darstellung der Meldung keine Titel mit vergleichbarer Wirkung.
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Netflix streicht rund sechs Prozent der Stellen
In der vergangenen Woche strich Netflix rund sechs Prozent der Arbeitsplätze. Etwa 1.000 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Auch die Führung des Inhaltegeschäfts wurde neu geordnet: Die langjährige Programmverantwortliche Bela Bajaria musste gehen.
Kurz darauf folgte Filmchef Dan Lin. Peter Rice, der zuvor bei klassischen Studios wie Disney Karriere gemacht hatte, übernimmt Bajarias Rolle. Damit verbindet sich die Möglichkeit, Netflix stärker auf Filme auszurichten, die zunächst breit in Kinos starten.
Netflix verliert Bieterwettstreit um Warner
Im vergangenen Jahr hatte Netflix versucht, das Studio- und Streaminggeschäft von Warner Brothers für rund 80 Milliarden Dollar zu kaufen. Der Konzern hätte damit unter anderem die TV-Bibliothek des Bezahlsenders HBO und weitere Kinofilme übernehmen können.
Am Ende setzte sich Paramount mit einem Gebot für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery durch, zu dem auch Fernsehsender wie CNN gehören. Die Netflix-Aktie notiert mehr als 40 Prozent niedriger als vor einem Jahr und gab nach Vorlage der Zahlen im nachbörslichen Handel zeitweise um fünf Prozent nach.
Netflix bleibt der führende globale Videostreamingdienst, steht aber vor einer anspruchsvolleren Wachstumsphase. Nach dem starken Ausbau der Abonnentenzahlen in den vergangenen Jahren rücken deshalb andere Messgrößen stärker in den Mittelpunkt: die tatsächliche Nutzungsdauer, die Bindung an erfolgreiche Serien und Filme sowie die Fähigkeit, Preise durch ein überzeugendes Angebot durchzusetzen.
Das verlangsamte Umsatzwachstum fällt in eine Phase, in der Streamingdienste ihre Kosten genauer kontrollieren müssen. Hohe Ausgaben für Eigenproduktionen, ein intensiver Wettbewerb um attraktive Inhalte und die Konkurrenz durch klassische Studios erhöhen den Druck auf die Rendite. Netflix versucht zugleich, mit werbefinanzierten Angeboten, strengeren Regeln gegen Account-Sharing und einer breiteren Vermarktung seiner Inhalte neue Erlösquellen zu erschließen.
Strategiewechsel mit Risiken
Die Personalentscheidungen in der Programm- und Filmsparte zeigen, dass Netflix sein Inhaltegeschäft neu ausrichten will. Ein stärkerer Fokus auf Kinofilme könnte die Reichweite einzelner Produktionen erhöhen, würde aber zugleich zusätzliche Marketing- und Vertriebskosten verursachen und die bisherige Streaming-Logik teilweise verändern.
Für Anleger zählt nun, ob Netflix aus weniger dynamischem Wachstum weiterhin steigende Gewinne erzielen kann. Die nachbörsliche Reaktion macht deutlich, dass der Markt nicht nur auf Umsatz und Gewinn, sondern auch auf Nutzungsintensität, kommende Inhalte und die strategische Umsetzung achtet. Der verlorene Warner-Bros.-Discovery-Bieterwettstreit begrenzt zudem eine Möglichkeit, das Angebot schnell durch einen großen Rechte- und Studiokatalog zu erweitern.

