Nestlé-Milchpulver: FSSAI ordnet nach Hotelprobe sofortigen Verkaufsstopp an
Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 07:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die indische Lebensmittelüberwachungsbehörde FSSAI hat eine Probe von Nestlé Indias fettarmem Milchpulver als unsicher und qualitativ unzureichend eingestuft. Die Überprüfung, die in einem Hotel in Neu-Delhi stattfand, zieht behördliche Maßnahmen nach sich und führt zu einer fachlichen Debatte über chemische Grenzwerte und natürliche Inhaltsstoffe in milchbasierten Erzeugnissen.
Beanstandung im Hotel Lalit und Verkaufsstopp
Die beanstandete Produktprobe des fettarmen Milchpulvers stammte aus dem Hotel Lalit, betrieben von Bharat Hotels Ltd am Connaught Place in Neu-Delhi. Nach einer Laboranalyse bewertete die FSSAI das Produkt als Verstoß gegen den nationalen Food Safety and Standards Act von 2006. Ein vollständiger Untersuchungsbericht wurde von der Behörde bislang nicht veröffentlicht.
Als direkte Konsequenz ordnete die Aufsichtsbehörde einen sofortigen Verkaufsstopp an und wies das betroffene Hotel an, die Abgabe des Erzeugnisses unverzüglich einzustellen.
Zudem wurde der Laborbericht dem verantwortlichen Lebensmittelunternehmer übergeben und ein offizieller Bescheid an Bharat Hotels Ltd zugestellt, gegen den innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist Rechtsmittel eingelegt werden können.
Die FSSAI rief Verbraucher dazu auf, offizielle Mitteilungen zu verfolgen und betroffene Produktchargen vor einem möglichen Erwerb oder Verzehr abzugleichen. Auf Medienanfragen reagierten die FSSAI und die Leitung des Hotels Lalit laut Berichten vom 3. Oktober 2026 zunächst nicht.
Streitpunkt Phosphorgehalt: Nestlé weist Vorwürfe zurück
Der Lebensmittelkonzern Nestlé India wies die behördlichen Anschuldigungen zurück und betonte, das betreffende Produkt sei vollumfänglich sicher sowie vorschriftskonform. Das Unternehmen führte an, dass der Laborbericht der FSSAI methodisch fehlerhaft sei.
Eine einzelne Laborprobe reicht – und der Vertrieb eines Milchprodukts wird sofort gestoppt. Genau das ist gerade bei einem fettarmen Milchpulver in Indien passiert: Die Behörde stufte die Probe als unsicher ein, der Hersteller verweist auf eine methodische Lücke beim Phosphor-Vergleich. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie Ihre eigene Phosphor-Analytik und Grenzwert-Prüfung belastbar aufstellen. Checkliste Phosphor-Analytik jetzt anfordern
Die Prüfer hätten den ermittelten Gesamtphosphorgehalt fälschlicherweise direkt mit dem Grenzwert für zugesetzten Phosphor verglichen, ohne den naturgemäß in milchbasierten Bestandteilen vorhandenen Phosphoranteil herauszurechnen. Nestlé India legte den Behörden nach eigenen Angaben entsprechende Vergleichsdaten zu ähnlichen Milchprodukten vor und betonte die Bereitschaft zur weiteren Kooperation.
Auf Seiten des Hotelbetreibers Bharat Hotels Ltd erklärte Geschäftsführer Vivek Shukla laut Berichten vom 3. Oktober 2026, dass der Einsatz des Milchpulvers umgehend gestoppt und alle vorhandenen Packungen aus dem Betrieb entfernt worden seien. Shukla verwies zudem darauf, dass die Klärung der Produktstandards eine Angelegenheit zwischen Nestlé und der Aufsichtsbehörde sei.
Wiederholte behördliche Kontrollen im September 2026
Für Nestlé India reiht sich der Vorgang in eine Serie behördlicher Prüfungen ein. Bereits im September 2026 stufte die FSSAI eine Probe von Nestlé-Babynahrung als nicht standardskonform ein und leitete daraufhin rechtliche Schritte gegen das Unternehmen ein.
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Zudem beanstandete die Lebensmittelbehörde am 18. September 2026 Werbeaussagen zu den Säuglingsnahrungsprodukten NAN Excella Pro Stage 1 und Lactogen Pro 1. Die Behörde sah in den Produktangaben zu Inhaltsstoffen wie Molkenprotein und humanen Milcholigosacchariden einen Verstoß gegen Regulierungsvorschriften für Säuglingsernährung aus dem Jahr 2020 sowie gegen Vorgaben des Gesetzes zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten aus dem Jahr 1992. Auch diese Vorwürfe hatte Nestlé India zurückgewiesen.
Die jüngste Auseinandersetzung um das Milchpulver unterstreicht die anhaltend strenge Aufsichtspraxis der indischen Behörden gegenüber großen Lebensmittelherstellern.
