Nervenerkrankungen, Scanner

Nervenerkrankungen: Scanner und Tests erkennen Alzheimer Jahre früher

11.06.2026 - 11:03:51 | boerse-global.de

Hochauflösende Scanner, Heimtests und Biomarker-Studien ermöglichen eine frühere Diagnose von Nervenerkrankungen.

Früherkennung von Alzheimer & Parkinson: Neue Technologien im Überblick
Nervenerkrankungen - Ein hochmoderner PET-Hirnscanner in einer sterilen medizinischen Umgebung, der subtil leuchtet und fortschrittliche Technologie darstellt. 11.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Hochmoderne Scanner, Bluttests für zu Hause und Smartphone-Apps sollen Alzheimer und Parkinson künftig Jahre vor den ersten Symptomen identifizieren. Das zeigen mehrere klinische Studien und technische Neueinführungen vom Juni 2026.

NeuroExplorer: 20-fach höhere Auflösung

Anzeige

Vergesslichkeit im Alter ist kein Schicksal – dieser 60-Sekunden-Test zeigt, wo Sie wirklich stehen. Viele merken geistige Veränderungen erst, wenn es zu spät ist. Dieser kostenlose Selbsttest gibt Ihnen rechtzeitig Klarheit. Hier den 60-Sekunden-Test kostenlos starten

Das Uniklinikum Löwen (UZ Leuven) hat als erste Klinik weltweit den NeuroExplorer in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um einen hochempfindlichen PET-Scanner von United Imaging Healthcare. Das System bietet eine bis zu 20-fach höhere Auflösung als herkömmliche Geräte.

Die extreme Präzision soll Anzeichen von Parkinson, ALS und verschiedenen Demenzformen erkennen – Jahre bevor offensichtliche Symptome auftreten. Neben neurodegenerativen Prozessen kommt das Gerät auch bei Hypophysentumoren, Kopf-Hals-Tumoren und Gefäßentzündungen zum Einsatz.

Parallel dazu arbeiten Forscher an neuen radiochemischen Substanzen. Das Uniklinikum Würzburg testete den PET-Tracer [18F]Fluproxadin, der den Noradrenalin-Transporter sichtbar macht. Eine First-in-Human-Studie in der Fachzeitschrift Clinical Nuclear Medicine belegt Sicherheit und Machbarkeit des Verfahrens. Es könnte die Diagnostik bei Herzinsuffizienz, Alzheimer und Parkinson verbessern.

Smartphone-Tests und Bluttests für zu Hause

Neben der stationären Hochleistungstechnologie rücken einfache Screening-Verfahren in den Fokus. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der University of Wisconsin-Madison untersuchte Smartphone-basierte Gedächtnistests. Die Ergebnisse erschienen im Juni 2026 in npj digital medicine.

202 Probanden nahmen teil, 50 davon mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI). Die neotivTrials-App erfasste kognitive Veränderungen durch häufige Messungen über sieben bis zwölf Monate schneller als herkömmliche Verfahren. Die Forscher betonen jedoch: Die App ersetzt keine ärztliche Diagnostik, sondern dient als ergänzendes Monitoring.

Ein weiteres Verfahren kombiniert kognitiven Onlinetest mit Trockenbluttest aus der Fingerbeere. Das von der Universität Exeter mitentwickelte System weist das Protein p-tau217 nach – ein etablierter Marker für Alzheimer. Die Studie in Nature Communications (09.06.2026) zeigt: Die Heimtests erreichen noch nicht die Präzision einer venösen Blutentnahme. Die FDA hat den p-tau217-Nachweis im Blut bereits zur Diagnosebestätigung zugelassen.

Darmbakterien als Frühindikatoren

Forscher entdecken zudem Stoffwechselprodukte als mögliche Biomarker. Eine Metabolomstudie in der Zeitschrift Gut Microbes (Juni 2026) untersuchte 150 Probanden. Dabei identifizierten die Wissenschaftler fünf spezifische Metabolite – darunter Cholin und Indol-3-Propionsäure – mit signifikanter Verbindung zu frühem kognitivem Abbau.

Anzeige

Während die Forschung neue Biomarker identifiziert, können Sie Ihre geistige Fitness bereits heute aktiv unterstützen. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen 11 praktische Alltagsübungen und Ernährungstipps, um Demenz gezielt vorzubeugen. Kostenlosen Ratgeber für mentale Fitness herunterladen

Ein Machine-Learning-Modell erreichte auf Basis dieser Daten eine Genauigkeit von 0,84 (AUC) bei der Unterscheidung zwischen gesunden Personen und MCI-Patienten.

Auch der Schutz der Mitochondrien rückt in den Fokus. Das Peptid Elamipretid (SS-31) soll das Membranpotential der Mitochondrien stabilisieren und die ATP-Produktion fördern. Das könnte oxidativem Stress entgegenwirken, der bei Alzheimer und Parkinson eine zentrale Rolle spielt.

Das türkische Unternehmen GEN und die niederländische Sulfateq BV starteten Anfang Juni 2026 die Phase-II-Studie SHEPHERD für den Wirkstoff SUL-238. Er überwindet die Blut-Hirn-Schranke und adressiert mitochondriale Dysfunktionen bei Parkinson-Patienten.

Therapieentwicklung profitiert von besserer Diagnostik

Die verbesserten Diagnosemöglichkeiten wirken sich direkt auf die Arzneimittelentwicklung aus. In The Lancet (09.06.2026) veröffentlichte Daten einer Phase-II-Studie zum Antikörper Prasinezumab von Roche zeigen: Bei 534 Teilnehmern verzögerte sich die motorische Verschlechterung signifikant.

In der Placebo-Gruppe trat die Verschlechterung nach durchschnittlich 49,7 Wochen ein, unter dem Antikörper nach 61,1 Wochen. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage für laufende Phase-III-Zulassungsstudien in der EU und den USA.

Auch wirtschaftlich zeigt sich Dynamik: Anfang Juni 2026 schloss Eli Lilly einen Lizenzvertrag über eine Milliarde US-Dollar mit dem Unternehmen AlzeCure. Die Entwicklung unterstreicht: Frühzeitige und präzise Diagnostik wird zur entscheidenden Voraussetzung für den Erfolg künftiger neuroprotektiver Therapien.

de | wissenschaft | 69519703 |