Neo1, Meter

Neo1: Vier Meter großer Industrie-Humanoid soll 500 Kilo bewegen

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 06:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der 1,2 Tonnen schwere Roboter wurde auf der CIIF vorgestellt; technische Angaben und geplante Anwendungen sind bislang nicht unabhängig bestätigt.
Eine weitläufige, leere Industriehalle mit massiven Stahlträgern und hydraulischen Versorgungsleitungen an den Wänden. Illustration mit AI erstellt.

Das in Peking ansässige Robotikunternehmen NeodraDynamics hat am 14. Oktober 2026 auf der China International Industry Fair (CIIF) in Shanghai gemeinsam mit dem Partner JD Industrial einen außergewöhnlich groß dimensionierten Industrie-Humanoiden präsentiert.

Das System mit der Bezeichnung Neo1 erreicht eine Höhe von rund 4 m (13 Fuß) und wiegt etwa 1,2 t (2.646 lbs). Die Maschine ist darauf ausgelegt, mit beiden Armen Lasten von bis zu 500 kg (1.102 lbs) zu bewegen.

Bereits vom 19. bis 23. August war der Roboter auf der World Robot Conference (WRC) gezeigt worden, bevor die detailliertere Vorstellung im Rahmen der CIIF stattfand, die vom 12. bis 16. Oktober 2026 ausgerichtet wurde.

Hybridantrieb und technische Leistungsdaten

NeodraDynamics setzt bei Neo1 auf ein hybrides Antriebskonzept, das hydraulische Komponenten mit Elektromotoren kombiniert, um die Leistungsgrenzen rein elektrischer Systeme zu überwinden. Dieser Ansatz steht im Kontrast zu Entwicklungen anderer Branchenakteure: Boston Dynamics hatte seinen hydraulisch angetriebenen humanoiden Roboter Atlas im Jahr 2024 zugunsten eines rein elektrischen und deutlich kompakteren Modells eingestellt.

Insgesamt verfügt Neo1 über 41 aktive Freiheitsgrade. Davon werden 39 Gelenke über vom Unternehmen selbst entwickelte digitale Hydraulik-Linearaktoren angetrieben. Diese Aktoren wiegen nach Unternehmensangaben jeweils rund 1 kg und sollen eine kontinuierliche Schubkraft im Tonnenbereich bereitstellen. Lediglich zwei Rotationsgelenke am Unterarm arbeiten mit elektrischem Antrieb.

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Nach Herstellerangaben bietet das System eine Traglast von 300 kg pro Arm sowie 500 kg im Zweiarmbetrieb bei einem Arbeitsradius von 1,7 m. Die Griffkraft der Hände beziffert das Unternehmen auf 500 kgf, während die Präzision an den Fingerspitzen bei 0,01 mm liegen soll.

Zudem gibt NeodraDynamics an, dass der Roboter für extreme Einsatzbedingungen ausgelegt sei: Das Temperaturfenster reiche von ?50 °C bis 250 °C, die Tauchtiefe bis zu 10.000 m. Darüber hinaus bestehe eine Toleranz gegenüber Strahlung, Staub und Vibrationen. Unabhängige Testdaten für diese Spezifikationen liegen bisher jedoch nicht vor.

Geplante Einsatzfelder und Industriekooperation

Als Zielanwendungen nennt NeodraDynamics sogenannte „4D“-Aufgaben, die als gefährlich, schmutzig, schwierig und monoton eingestuft werden. Zu den Entwicklungszielen gehören die Montage schwerer Bauteile, der Umschlag in Häfen, Arbeiten im Bergbau, die Wartung kerntechnischer Anlagen sowie der Transport von Kernbrennstoffen.

Ebenso werden Einsätze an Unterwasser-Infrastrukturen sowie in der Katastrophenhilfe und Trümmerräumung angestrebt. Kommerziell belegte Einsätze in diesen Bereichen existieren derzeit allerdings noch nicht.

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JD Industrial soll Neo1 unter realen Industriebedingungen erproben und entsprechende Pilotprojekte mit Kunden vermitteln. In welchem Umfang die Zusammenarbeit über die anfängliche Testphase hinausreichen wird, ist bislang offen.

Offene Fragen und widersprüchliche Spezifikationen

Branchenbeobachter mahnen angesichts der Präsentation zur Zurückhaltung. Der Roboter wurde bislang nicht im aktiven Betrieb demonstriert, und der Webauftritt des Entwicklers enthält nur wenige vertiefende Details.

Zudem weisen Berichte auf Unstimmigkeiten bei den technischen Angaben hin: Während im Oktober-Release eine Wiederholgenauigkeit von ±0,005 mm genannt wurde, sprach eine veröffentlichung aus dem September von ±0,05 mm. Ein Bericht von Tencent vom 12. Oktober bezifferte den Wert auf besser als 0,1 mm, während auf einem Poster zur WRC eine Genauigkeit von ±0,001 mm angegeben war.

Bislang sind keine ausgelieferten Einheiten oder konkreten Kundeninstallationen bekannt. Für das Pilotprojekt mit JD Industrial wurden weder Standorte noch Verträge oder Termine öffentlich gemacht.

Ebenso fehlen Angaben zu einem Vermarktungsdatum, Preisen, der Art der Fortbewegung, dem Grad der Autonomie gegenüber Teleoperation sowie Details zu Geschwindigkeit, Ausdauer, Energiequelle und Sicherheitszertifizierungen. Fachleute werten die Angaben daher vorerst als vorläufig, bis Nachweise unter realen Betriebsbedingungen erbracht werden.

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