Naturtherapie: Schwedische Studie belegt Heilwirkung bei Angst und Depression
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Integration naturnaher Erlebnisse in die klinische und präventive Arbeit gewinnt im Gesundheitssektor zunehmend an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Eröffnung eines öffentlichen Barfußpfads an der Dr. Becker Klinik Norddeich am 26. August 2026. Das vier Meter lange Projekt wurde als dauerhaft zugänglicher Natur-Rückzugsort zwischen zwei Therapiehäusern konzipiert, um Patienten und Besuchern eine unmittelbare Sinneserfahrung im Freien zu ermöglichen. Dieser Schritt unterstreicht einen breiteren Trend, bei dem die psychische Stabilisierung durch Naturerfahrungen systematisch gefördert wird.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und institutionelle Umsetzung
Die positiven Effekte naturbasierter Interventionen auf die psychische Gesundheit werden durch aktuelle Forschungsarbeiten gestützt. Eine schwedische Studie, die im „Scandinavian Journal of Occupational Therapy“ veröffentlicht wurde, untersuchte eine 24-wöchige Intervention mit 20 Teilnehmern.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Fokussierung auf körperliche Erfahrungen in der Natur die Genesung bei Krankheitsbildern wie Angststörungen, Depressionen und Erschöpfungszuständen maßgeblich fördern kann.
Parallel dazu setzen soziale Einrichtungen auf langfristige Projekte zur Teilhabe. Auf der Jugendfarm Borgfeld wird das Projekt „Beschäftigungsorientierte Teilhabe“ (BOT) umgesetzt, das von der Aktion Mensch über einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert wird.
Finanziert durch das Bremer Amt für Soziale Dienste, bietet das Vorhaben Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen die Möglichkeit zur Mitarbeit in der Natur- und Farmwirtschaft. Die Teilnehmer erhalten hierfür eine Aufwandsentschädigung von 2,50 Euro pro Stunde.
In Bremen entsteht zudem am NAJU-Naturzentrum am Vahrer Feldweg ein neuer Naturerfahrungsraum. Dieses Projekt, dessen Entwicklung bereits im Jahr 2013 begann, soll bis Mitte 2027 fertiggestellt sein und als Rückzugsort zur psychischen Stabilisierung dienen.
Angebote für Prävention und Coaching
Neben klinischen Ansätzen etablieren sich zunehmend Coaching-Modelle, die auf die stabilisierende Wirkung der Natur setzen. In Bisingen bietet der Naturcoach Dominic Zäh unter dem Namen „re-nature“ Programme an, die darauf abzielen, Menschen durch gezielte Naturerfahrungen außerhalb ihres Alltags psychisch zu festigen. Ziel sei es dabei, eine nachhaltige Balance durch das Erleben natürlicher Umgebungen zu erreichen.
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Auch der Ausbau spezifischer Infrastrukturen trägt zur psychischen Gesundheitsvorsorge bei. Auf der Ehinger Alb wurde ein 51 Kilometer langer, zertifizierter Besinnungsweg etabliert. Der Qualitätsweg führt durch das Lautertal, das Brieltal sowie durch Wälder und Streuobstwiesen. Kunststationen wie „Frieden finden“ oder die „Lange Bank“ sind als Orte der inneren Einkehr in den Naturraum integriert.
Ergänzend dazu werden punktuelle Veranstaltungen angeboten, wie etwa Achtsamkeitsspaziergänge im Apothekergarten Wiesbaden. Für den September 2026 sind dort zwei Termine vorgesehen: Am 6. September führt Nina M. Bruns und am 20. September Andreas Roth durch die Anlage, um Techniken zur Stressbewältigung zu vermitteln.
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Inklusion und pädagogische Konzepte
Die Einbeziehung unterschiedlicher Zielgruppen ist ein wesentlicher Bestandteil aktueller Naturprojekte. Der Schwarzwaldverein Pfalz-Weitsicht veranstaltete vom 30. August bis zum 4. September 2026 eine inklusive Wanderwoche für Blinde und Sehbehinderte in Freisen. Im Rahmen dieser Woche erkundeten 31 Teilnehmer unter anderem den sieben Kilometer langen Achatweg.
Auch im pädagogischen Bereich wird der Naturraum als Lern- und Erholungsort genutzt. Bei den 21. Wuppertaler Waldjugendspielen, die für den Zeitraum vom 8. bis zum 11. September 2026 angesetzt sind, nehmen 571 Grundschulkinder aus 23 Klassen teil. An 15 Stationen steht das spielerische Erfahren des Waldes ohne Wettbewerbsdruck im Vordergrund.
Ergänzend dazu finden regionale Angebote wie die Faire Woche in Hofbieber statt, die am 4. September 2026 einen thematischen Rundgang unter dem Titel „Wald & Weite“ über eine Distanz von circa zwei Kilometern anbietet, um die lokale Natur erlebbar zu machen.
