Naturgärten, PikoParks

Naturgärten: PikoParks wandeln Berliner Wohnanlagen um

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Berliner PikoParks fördern Biodiversität in Wohnanlagen. Neue Naturgarten-Plaketten und internationale Projekte zeigen Trends zur klimaresilienten Stadtbegrünung.

PikoParks und Naturgarten-Zertifikate: Berlins Weg zu klimaresilienten Grünflächen
Naturnahe Gartenanlage in einem Wohngebiet mit heimischen Wildblumen und einer Trockenmauer zur Förderung der Biodiversität. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Gestaltung von städtischen Grünflächen durchläuft derzeit einen strukturellen Wandel hin zu ökologischer Vielfalt und Klimaresilienz. Im Zentrum dieser Entwicklung steht das PikoParks-Projekt der Stiftung für Mensch und Umwelt, das auf die Umgestaltung Berliner Wohnanlagen zu naturnahen Gärten abzielt.

In Kooperation mit verschiedenen Wohnungsbaugenossenschaften entstehen strukturreiche Flächen, die gezielt auf die Bedürfnisse von Mensch und Tier in verdichteten Räumen zugeschnitten sind.

Das Konzept der PikoParks in der Stadtentwicklung

Das PikoParks-Projekt verfolgt einen minimalistischen, aber funktionalen Ansatz bei der Gestaltung von Gartenflächen innerhalb von Wohnkomplexen. Wesentliche Merkmale dieser Anlagen sind strukturreiche Beete, der Einsatz von Trockenmauern sowie die Integration von Naschbereichen. Ein zentraler Aspekt der Planung ist die Verwendung heimischer, trockenresistenter Pflanzen.

Dieser Fokus auf Standortangepasstheit führt dazu, dass die Flächen lediglich im ersten Jahr nach der Anlage intensiv bewässert werden müssen, bevor sie sich weitgehend selbst tragen. Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist zudem die aktive Einbindung der Anwohner.

Ein medialer Beitrag im Rahmen der rbb Gartenzeit Mitte Juni 2026 verdeutlichte die Bedeutung dieser Flächen für die lokale Biodiversität und das soziale Miteinander in den Berliner Quartieren.

Standards für ökologische Vielfalt und Zertifizierungen

Parallel zu spezifischen Projekten wie den PikoParks gewinnen ökologische Zertifizierungen für Gärten an Bedeutung. Der Kreisverband für Gartenkultur und Landespflege Fichtelgebirge verlieh im Jahr 2026 insgesamt 14 Naturgarten-Plaketten in Orten wie Birk und Bad Weißenstadt.

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Die Kriterien für diese Auszeichnung sind streng: Ein vollständiger Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel, Torf und den Einsatz von Mährobotern ist Voraussetzung. Im Landkreis Wunsiedel existieren mittlerweile über 150 zertifizierte Gärten, wobei Bewerbungen für das Jahr 2027 bereits möglich sind.

Auch im Bildungsbereich setzen Einrichtungen auf diese Standards. Das Familienzentrum Gernegroß in Werdohl erhielt im August 2026 die Plakette „Natur im Garten NRW“ und gehört damit zu einem kleinen Kreis von zwölf zertifizierten Kindertagesstätten in Nordrhein-Westfalen.

Die Anlage umfasst Wildblumen, Hochbeete und Obstbäume. Die ökologische Bewirtschaftung wird hier als Lernfeld genutzt, wobei beispielsweise Regenwasser für die Bewässerung verwendet wird und der Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger fest verankert ist.

Technologische Ansätze und internationale Vergleichswerte

Die Notwendigkeit einer wassersensiblen Stadtgestaltung zeigt sich auch in internationalen Projekten. In Amsterdam Nieuw-West führte die Integration durchlässiger Oberflächen dazu, dass innerhalb von zwei Jahren 30 Pflanzenarten und 15 Insektenarten dokumentiert werden konnten.

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Eine Untersuchung aus Rotterdam aus dem Jahr 2023 belegte zudem, dass durchlässige Gestaltungselemente das Oberflächenwasser bei Starkregen um 22 Prozent reduzieren können.

In Costa Rica wurde im August 2026 mit dem „Bosque Tacaco“ der erste Pocket Forest Zentralamerikas eröffnet. Auf einer Fläche von 515 Quadratmetern wurden nach der Miyawaki-Methode 1.540 Pflanzen von 74 einheimischen Arten gesetzt. Ziel solcher Projekte ist die schnelle Steigerung der Biodiversität auf kleinstem Raum.

Ähnliche Ansätze zur Klimaanpassung finden sich in Projekten wie dem Lumina Village in Manchester, wo 350 Kubikmeter spezialisiertes Dachgartensubstrat für die Begrünung von Wohnkomplexen eingesetzt wurden, um öffentliche Räume ökologisch aufzuwerten.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur urbanen Gesundheit

Begleitet wird diese Praxis durch aktuelle Forschungsarbeiten. Die Veröffentlichung der Sonderausgabe „Living Green, Liveable Cities“ im Fachmagazin „Cities & Health“ im Jahr 2026 fasst Ergebnisse zur Bedeutung von Grünflächen für die soziale und ökologische Gesundheit zusammen.

Die Forschungsergebnisse, die unter anderem auf ein Symposium in Doha im Februar 2024 zurückgehen, betonen die Brückenfunktion zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und der praktischen Umsetzung im Garten- und Landschaftsbau.

Zusätzlich weisen Studien, wie eine Untersuchung in der Fachzeitschrift „Frontiers in Water“ vom März 2026 zum Satoyama-Erhalt in Japan, auf die langfristigen Erfolge kooperativer Modelle zwischen Freiwilligen, Landwirten und Behörden hin.

Trotz Herausforderungen wie der überalterung der Akteure sichern diese naturnahen Bewirtschaftungsformen den Lebensraum für bedrohte Amphibienarten und dienen als Vorbild für eine nachhaltige Flächennutzung, die auch in europäischen Stadtentwicklungskonzepten zunehmend an Relevanz gewinnt.

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