Nature Communications: Lebergefäße steuern Nachbarzellen über den Wnt-Signalweg
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 18:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen eröffnen derzeit veränderte Perspektiven auf metabolische Prozesse im menschlichen Körper. Im Fokus stehen dabei einerseits neue therapeutische Einsatzmöglichkeiten des bewährten Wirkstoffs Niclosamid bei Stoffwechselerkrankungen und andererseits grundlegende Erkenntnisse zur funktionellen Zonierung der Leber, die für metabolische Aufgaben eine zentrale Rolle spielt.
Vom Parasitenmittel zum Kandidaten für metabolische Therapien
Niclosamid ist seit Jahrzehnten als Standardtherapeutikum gegen Cestoden-Infektionen etabliert. Diese Bandwurmerkrankungen betreffen weltweit Millionen von Menschen und entstehen zumeist über den Verzehr von rohem oder ungenügend gegartem Fleisch sowie über kontaminierte Lebensmittel und verunreinigtes Trinkwasser. Das oral in Tablettenform verabreichte Medikament greift in den Energiestoffwechsel der Parasiten ein, woraufhin diese absterben und ausgeschieden werden.
Zudem dient die Substanz als Molluskizid, etwa zur Schneckenbekämpfung im Reisanbau sowie in der Veterinärmedizin. Aufgrund seines Status als essenzielles Arzneimittel weist der Großhandelsmarkt für pharmazeutisches Niclosamid-Pulver eine anhaltend solide Nachfrage auf.
Parallel dazu verzeichnet das Segment der Forschungschemikalien ein deutliches Wachstum. Wissenschaftler untersuchen das Molekül mit der Summenformel C13H8Cl2N2O4 (CAS-Nummer 50-65-7) zunehmend abseits seines klassischen Anwendungsgebiets. Dazu zählen Tests gegen Stoffwechselstörungen wie Diabetes und die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) sowie Adipositas.
Weitere wissenschaftliche Initiativen widmen sich antiviralen Eigenschaften, unter anderem gegen SARS-CoV, Maßnahmen gegen arzneimittelresistente bakterielle Infektionen sowie onkologischen Fragestellungen. In Tumorzellen wirkt Niclosamid unter anderem als Hemmer des oft abnormal aktivierten STAT3-Signalwegs, induziert Autophagie sowie Zellzyklusarrest und löst Apoptose aus.
Zelluläre Mechanismen an Mitochondrien und Nieren
Bei der Untersuchung von Stoffwechselstörungen rückt insbesondere die Beeinflussung des zellulären Metabolismus und der Mitochondrienfunktion in den Mittelpunkt. In Modellen zur Typ-1-diabetischen Nephropathie führte die Gabe von Niclosamid zu einer Reduktion der Urin-Albumin-Ausscheidung sowie zu einer Verringerung der Nierenhypertrophie.
Die neue Arbeit zeigt: Nicht Sauerstoff- oder Stoffwechselgradienten, sondern hämodynamische Kräfte programmieren das Signalprofil der Leber-Endothelzellen — und über den Wnt-Signalweg steuern diese wiederum benachbarte Leberzellen. Wer die räumliche Organisation der Leber verstehen will, findet hier die entscheidenden Mechanismen in drei Schritten aufbereitet. Kostenlosen Leitfaden zur Leberzonierung anfordern
Der zugrunde liegende Wirkmechanismus basiert auf einer Entkopplung der mitochondrialen Atmungskette. Dieser Prozess greift in die Zellatmung und die zelluläre Energieproduktion ein, steuert die Wärmeproduktion über die Niere und interagiert mit Schlüsselenzymen sowie Stoffwechselpfaden des Lipidstoffwechsels.
Ein minimaler systemischer Nachweis sowie eine rasche Ausscheidung verleihen der Substanz dabei ein günstiges Sicherheitsprofil, was sie für potenzielle chronische Anwendungen interessant macht.
Hämodynamische Steuerung der Leberzonierung
Ergänzend zu pharmakologischen Ansätzen liefern Erkenntnisse zur Leberarchitektur neue Impulse für das Verständnis von Stoffwechselaufgaben. Laut einem Bericht vom 12.10.2026 zeigte eine in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichte Untersuchung der Universitätsmedizin Mannheim, der Universität Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), wie Leber-Endothelzellen gesteuert werden. Erstautor der Arbeit ist Dr. Ki Hong Lee.
Störungen der räumlichen Leberorganisation tragen zu Fibrose, chronischen Lebererkrankungen und Leberkrebs bei — und für NAFLD fehlen bislang tragfähige Therapieansätze. Der Leitfaden ordnet ein, welche vaskulären Steuerprogramme sich gezielt beeinflussen lassen und was die Niclosamid-Forschung zu Mitochondrien und Stoffwechsel bislang zeigt. Leitfaden zu Lebererkrankungen und Therapieperspektiven sichern
Demnach bestimmen nicht Sauerstoff- oder Stoffwechselgradienten, sondern der Blutfluss und hämodynamische Kräfte das molekulare Signalprogramm der Gefäßzellen. Über den Wnt-Signalweg steuern die Endothelzellen wiederum die Funktionen benachbarter Leberzellen. Die entsprechenden Wnt-Rezeptoren befinden sich präzise an jenen Stellen, an denen die Gefäßzellen die Signalmoleküle bilden.
Studienleiter Prof. Dr. Hellmut Augustin unterstrich in diesem Zusammenhang, dass Blutgefäße keineswegs bloße passive Rohrleitungen seien. Da Störungen dieser räumlichen Organisation zu chronischen Lebererkrankungen, Fibrose und Leberkrebs beitragen können, eröffnet die gezielte Beeinflussung der vaskulären Steuerprogramme neue Perspektiven für künftige Behandlungsstrategien.
