Narzissmus, Männer

Narzissmus: Männer 7,7%, Frauen 4,8% – Empathie-Mangel im Fokus

Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Beitrag erläutert narzisstische Verhaltensmuster, Reaktionen auf emotionale Distanz und Regeln für Blickkontakt in verschiedenen Kulturen.

Narzissmus verstehen: Empathie, Grey Rock und Blickkontakt
Zwei abstrakte Steinskulpturen in einem minimalistischen Raum mit natürlichem Licht und tiefen Schatten als Symbol für zwischenmenschliche Distanz. Illustration mit AI erstellt.

In der modernen Kommunikationspsychologie untersuchen aktuelle Beiträge die komplexen Grundlagen zwischenmenschlicher Interaktionen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Erforschung narzisstischer Persönlichkeitsstrukturen und den damit verbundenen Herausforderungen bei der Rücksichtnahme sowie den Feinheiten nonverbaler Kommunikation wie dem Blickkontakt.

Grundlagen und Merkmale narzisstischer Strukturen

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) ist durch spezifische Beeinträchtigungen in der kognitiven und emotionalen Empathie sowie in der Impulskontrolle gekennzeichnet. Laut dem Klassifikationssystem DSM-5 müssen für eine Diagnose der NPS mindestens fünf von neun festgelegten Kriterien erfüllt sein.

Als Kernmerkmal gilt dabei ein ausgeprägter Mangel an Empathie. Statistische Erhebungen, unter anderem dokumentiert durch PubMed, beziffern die Prävalenz der Störung auf 7,7 % bei Männern und 4,8 % bei Frauen. Insgesamt entfallen 50–75 % der NPS-Fälle auf das männliche Geschlecht.

Ein zentrales Element im Verhalten von Betroffenen ist das sogenannte Love Bombing, das primär der Sicherung der narzisstischen Zufuhr (narcissistic supply) dient. In der Psychologie wird zudem zwischen instrumenteller und genuiner Rücksicht differenziert.

Während instrumentelle Rücksichtnahme zweckgebunden eingesetzt wird, bleibt echte, genuine Rücksicht bei einer stark ausgeprägten narzisstischen Struktur oft kaum abrufbar. Emotionale Regungen wie Weinen treten bei den Betroffenen eher infolge einer narzisstischen Kränkung oder bei Beeinträchtigungen des eigenen Leistungsstrebens auf, seltener als Ausdruck echter Trauer.

Interaktionsmuster und die Grey-Rock-Methode

Im Umgang mit narzisstischen Persönlichkeiten wird häufig die Grey-Rock-Methode als Handlungsstrategie empfohlen. Diese zielt darauf ab, durch demonstrative Unauffälligkeit und emotionale Neutralität die für den Narzissten notwendige Bestätigung zu entziehen.

Auf eine solche Ignoranz reagieren Betroffene meist in charakteristischen Phasen, die von anfänglicher Irritation über das sogenannte Hoovering – dem Versuch, das Gegenüber wieder einzufangen – bis hin zu Wut, Schuldumkehr und Verleumdungskampagnen (Smear Campaign) reichen können.

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Fachleute beobachten, dass Narzissten nach Phasen der Ignoranz häufig zurückkehren, was jedoch nicht als Liebesbeweis gewertet werden sollte. Diese Rückkehr erfolgt oft in Wellen, die durch Testnachrichten, Provokationen oder den Einsatz von Dritten (Flying Monkeys) geprägt sind.

Ein fester Zeitraum für eine solche Rückkehr lässt sich nicht bestimmen; Auslöser sind häufig Langeweile, die Erreichbarkeit des Gegenübers oder der Wegfall anderer Bestätigungsquellen. Bei Eskalationen, die mit Gewalt einhergehen, wird ausdrücklich die Nutzung des Notrufs 110 angeraten.

Nonverbale Kommunikation und die Wahrnehmung von Absichten

Ein weiterer Schwerpunkt der psychologischen Analyse liegt auf der Gesichtserkennung und dem Blickkontakt. Entgegen weitverbreiteter Annahmen gibt es keinen spezifischen Gesichtsausdruck, der Narzissmus zweifelsfrei verrät. Die Forschung zu Mikroexpressionen wurde bereits 1966 durch Haggard und Isaacs begründet und ab 1969 von Ekman und Friesen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Dennoch liegt die Fähigkeit zur Lügenerkennung anhand von Gesichtszügen in der Regel kaum über dem Zufallsniveau. In der Paarforschung wird jedoch Verachtung als das schädlichste destruktive Kommunikationsmuster identifiziert.

Für die alltägliche Kommunikation gelten klare soziale Normen bezüglich des Blickkontakts. Studien zufolge wird ein direkter Blickkontakt von 3-5 Sekunden als angenehm empfunden, gefolgt von einer kurzen Pause.

Diese Zeitspanne hat sich als Höflichkeitsnorm etabliert, während in Kulturkreisen Asiens oder des Nahen Ostens ein zu direkter Blick oft als unhöflich bewertet wird. Gegen Schüchternheit kann der sogenannte Nasenrücken-Trick helfen, bei dem das Gegenüber statt direkt in die Augen auf die Stelle zwischen ihnen fokussiert wird.

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Um die häufige Diskrepanz zwischen der eigenen Absicht und der tatsächlichen Wirkung auf andere zu überbrücken, wird die SBII-Methode (Situation, Verhalten, Wirkung, Intention) angewandt.

Eine Untersuchung der SWPS University Warschau unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass Menschen dazu neigen, sich selbst nach ihren Absichten zu beurteilen, während sie andere primär anhand der erzielten Wirkung bewerten. Durch strukturierte Kommunikation soll diese Wahrnehmungslücke geschlossen werden.

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de | wissenschaft | 70090509 |