Nahrungsergänzungsmittel: Faktenchecks finden kaum Belege für Leistungsversprechen
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 10:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Untersuchungen setzen sich derzeit verstärkt mit der Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) auseinander, die eine schnelle Leistungssteigerung in Aussicht stellen.
Ein Bericht vom 30.09.2026 weist darauf hin, dass für viele dieser Versprechen keine belastbaren Belege vorliegen. In der Kritik stehen insbesondere Produkte, die eine Regeneration nach Alkoholkonsum oder eine unmittelbare Steigerung der kognitiven und physischen Leistungsfähigkeit suggerieren.
Regulatorische Defizite und politische Forderungen
In Deutschland unterliegen Nahrungsergänzungsmittel weitaus weniger strengen Vorschriften als Arzneimittel. Es existiert keine Zulassungspflicht, lediglich eine Anmeldung bei den zuständigen Behörden ist erforderlich.
Eine Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus Niedersachsen forderte in diesem Zusammenhang Ende September 2026 die Einführung gesetzlicher Grenzwerte für Inhaltsstoffe.
Da das Lebensmittelrecht in weiten Teilen als Bundesrecht gilt, sei eine bundeseinheitliche Lösung notwendig. Dieses Thema war auch Bestandteil der Agrarministerkonferenz in Würzburg, die über 60 Tagesordnungspunkte umfasste.
Die rechtliche Einordnung als Lebensmittel bedeutet, dass Hersteller keinen Wirksamkeitsnachweis erbringen müssen. Eine Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW bewertete Werbeaussagen wie "topfit am nächsten Tag" als irreführende gesundheitsbezogene Behauptungen.
Fehlende Evidenz bei Anti-Kater-Mitteln und Schlafhilfen
Am Beispiel des Anbieters KAA Supplements werden die Diskrepanzen zwischen Marketing und wissenschaftlicher Datenlage deutlich. Das Produkt "Billpill" wird mit Inhaltsstoffen wie Tryptophan und Cholin beworben.
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Eine Untersuchung vom 30.09.2026 zeigt jedoch, dass eine empfohlene Menge von vier Kapseln lediglich ein Fünftel der Tryptophan-Dosis enthält, die in einer Studie von 2021 zur Schlafverbesserung als wirksam identifiziert wurde. Zudem lägen Studien zu Cholin primär für Alzheimer-Modelle bei Mäusen oder für Demenzpatienten vor, nicht jedoch für die allgemeine Leistungssteigerung gesunder Menschen.
Hinsichtlich der häufig beworbenen Elektrolytlösungen zur Bekämpfung von Kater-Symptomen verweisen Forscher darauf, dass ein Kater laut Erkenntnissen von 2021 eher durch oxidativen Stress und Entzündungsprozesse entstehe als durch einen Elektrolytmangel. Die Wirkung solcher Lösungen basiere vermutlich auf einem Placeboeffekt.
Bereits im Jahr 2024 wurde die Anti-Kater-Werbung für Elektrolytlösungen durch zwei Gerichtsurteile untersagt. Bill Kaulitz bewerbe das entsprechende Produkt laut Angaben vom 30.09.2026 nicht explizit als Kater-Mittel, sondern ordne es als persönlichen Erfahrungsbericht ein.
Wechseljahre und Sport: Zwischen Marketing und Medizin
Auch in spezifischen Lebensphasen ist der Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln umstritten. Die Ausgabe 10/2026 von Öko-Test untersuchte 17 Präparate für die Wechseljahre. Das Fazit der beteiligten Pharmazeuten lautete, dass Frauen sich die Ausgaben für diese Produkte sparen könnten.
Kritisiert wurde zudem die Verwendung von Inhaltsstoffen wie Talkum, das als wahrscheinlich krebserregend eingestuft wird, sowie Titandioxid, das in der EU seit 2022 in Lebensmitteln verboten ist.
Die S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause sieht lediglich für Isoflavone ab einer Dosierung von 30 mg pro Tag einen potenziell günstigen Einfluss auf Beschwerden, rät jedoch Frauen mit Brustkrebs von der Einnahme ab.
Im Bereich des Kraftsports zeigen Studien hingegen punktuelle Effekte. Eine Meta-Studie belegen, dass Männer durch die Einnahme von Kreatin nach wenigen Wochen im Schnitt 7 kg mehr beim Bankdrücken stemmen konnten. Eine typische Portion von 3,5 g Kreatin-Monohydrat enthält 3 g reines Kreatin.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist jedoch darauf hin, dass gesunde Erwachsene ihren Eiweißbedarf von 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht meist über die normale Nahrung decken können. Eine erhöhte Zufuhr von Protein und Kreatin sei für gesunde Nieren kurzfristig unproblematisch, berge jedoch Risiken für Personen mit chronischer Nierenschwäche, Diabetes oder Bluthochdruck.
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Risiken und Trends bei Jugendlichen
Ein besorgniserregender Trend zeigt sich beim Konsum von Energydrinks unter Minderjährigen. Eine Auswertung des Deutschen Ärzteblatts International, die Daten bis zum Schuljahr 2025/26 berücksichtigte, ergab, dass 72 % der 13- bis 15-Jährigen bereits Energydrinks konsumiert haben. Rund 6 % dieser Altersgruppe greifen täglich zu diesen Getränken.
Eine marktübliche 500-ml-Dose enthält oft 160 mg Koffein und circa 55 g Zucker. Laut EFSA gelten für Kinder maximal 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als wahrscheinlich unbedenklich, was bei einem Körpergewicht von 50 kg einer Grenze von 150 mg entspräche. In Ländern wie Litauen, Lettland und Polen bestehen bereits Verkaufsverbote für Personen unter 18 Jahren.
