Nahrungsergänzungsmittel, Botanicals

Nahrungsergänzungsmittel: Experten warnen vor Risiken und fordern strengere Kontrollen

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer warnen vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsrisiken bei pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln. Sie fordern von der Bundesregierung strengere Vorgaben, bevor solche Produkte auf den Markt kommen.

Bei Nahrungsergänzungsmittel aus sogenannten Botanicals fordern Wissenschaftler von der Politik zum Verbraucherschutz eine Regulierung. (Symbolbild)  - Bild: Vanessa Reiber/dpa
Bei Nahrungsergänzungsmittel aus sogenannten Botanicals fordern Wissenschaftler von der Politik zum Verbraucherschutz eine Regulierung. (Symbolbild) - Bild: Vanessa Reiber/dpa

Wissenschaftler, Ärzte und Verbraucherschützer warnen vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsproblemen bei Nahrungsergänzungsmitteln mit pflanzlichen, algen-, pilz- oder flechtenbasierten Inhaltsstoffen.

Experten fordern strengere Regeln

In einem Brief an die Bundesministerien für Landwirtschaft und Ernährung sowie für Wirtschaft fordern die Unterzeichner, die aus ihrer Sicht ungeregelte Situation im Sinne des Verbraucherschutzes zu beenden. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, heißt es in dem Schreiben.

Die Hersteller müssen ihre Produkte vor dem Markteintritt beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in ein Register eintragen. Eine behördliche Prüfung ist dabei nicht vorgesehen. Die Experten verweisen deshalb auf mögliche toxikologische Risiken.

Vergleich mit anderen Ländern

In der Schweiz sowie in EU-Staaten wie Frankreich und Belgien gebe es für diese Art von Nahrungsergänzungsmitteln deutlich strengere Dokumentationspflichten. Die Gruppe verlangt, dass Hersteller und Vertriebsfirmen bereits bei der Anmeldung korrekte und verständliche Informationen vorlegen.

Außerdem sollten Rohstoffe und fertige Produkte kontinuierlich mit anerkannten Analysemethoden geprüft werden. Auch irreführende Gesundheitsversprechen müssten aus Sicht der Unterzeichner besser kontrolliert werden.

Mehr als 30.000 Anmeldungen

Zu den Unterzeichnern gehört Andreas Hensel, Präsident der Gesellschaft für Phytotherapie und Leiter des Instituts für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie an der Universität Münster. Nach seinen Angaben wurden im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 30.000 Nahrungsergänzungsmittel angemeldet.

Hensel kritisiert, die gesetzlichen Vorgaben seien bei diesem Schritt unzureichend. In der Folge komme es häufig zum Streit zwischen Landesuntersuchungsämtern, die auf Probleme hinwiesen, und Anwälten der Unternehmen, die auf eigene Analyseverfahren verwiesen. Verbraucher würden dadurch Risiken ausgesetzt, die sie nicht erkennen könnten.

Regelungslücke bei pflanzlichen Produkten

Nahrungsergänzungsmittel werden rechtlich als Lebensmittel behandelt. Das bedeutet: Hersteller müssen die Verantwortung für Sicherheit und korrekte Kennzeichnung tragen, bevor die zuständigen Behörden im Rahmen der Lebensmittelüberwachung kontrollieren. Eine systematische behördliche Zulassung jedes einzelnen Produkts ist damit nicht verbunden.

Bei sogenannten Botanicals ist die Bewertung besonders anspruchsvoll. Pflanzliche, algen-, pilz- oder flechtenbasierte Stoffe können je nach Art, Herkunft, Verarbeitung und Dosierung unterschiedliche Wirkungen entfalten. Auch Wechselwirkungen mit Arzneimitteln oder Verunreinigungen durch Schwermetalle, Mikroorganismen und andere Stoffe sind für Verbraucher nicht ohne Weiteres erkennbar.

Mehr Angebote, begrenzte Kontrolle

Die von den Experten genannte Zahl von mehr als 30.000 Anmeldungen im Jahr 2025 verdeutlicht die Größenordnung des Marktes. Für die Überwachung sind vor allem die Länder zuständig. Sie müssen aus einer großen Zahl von Produkten und Anbietern diejenigen auswählen, bei denen Kontrollen besonders dringlich erscheinen.

Die geforderten Änderungen würden den Schwerpunkt stärker auf Nachweise vor dem Vertrieb und auf standardisierte Analysen legen. Für Verbraucher könnte das verlässlichere Angaben zu Inhaltsstoffen und Gesundheitsversprechen bedeuten. Zugleich wären zusätzliche Dokumentations- und Prüfpflichten für Hersteller und Vertriebsfirmen verbunden. Politisch stellt sich damit die Frage, wie ein höheres Schutzniveau finanziert und europaweit einheitlich umgesetzt werden kann.

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