Nahrungsergänzungsmittel, Sicherheitsprüfung

Nahrungsergänzungsmittel: 50% täuschen sich über Sicherheitsprüfung

08.06.2026 - 20:10:59 | boerse-global.de

Der vzbv kritisiert die freiwillige Reduktionsstrategie als unzureichend und verlangt gesetzliche Obergrenzen für Zucker, Fett und Salz.

Verbraucherschützer fordern verbindliche Zuckerreduktion in Lebensmitteln
Nahrungsergänzungsmittel - Eine Hand greift nach einer zuckerhaltigen Limonadendose, im Hintergrund verschwommen gesunde Lebensmittel und Nährwertetiketten. 08.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert verbindliche Reduktionsziele für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten. Ein Positionspapier vom Juni 2026 zieht eine ernüchternde Bilanz der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie (NRI) für 2018 bis 2025. Demnach sank der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken in dieser Zeit nur um vier Prozent.

Die Bevölkerung steht hinter schärferen Regeln: 92 Prozent der Befragten befürworten Obergrenzen für Kinderprodukte. Der Grund: Minderjährige konsumieren im Schnitt doppelt so viele Süßigkeiten wie empfohlen.

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Streit um Zuckersteuer ab 2028

Parallel dazu diskutiert die Politik über eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke. Ein Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge vom April 2026 sieht eine solche Steuer ab 2028 vor. Eine Finanzkommission empfiehlt eine Staffelung: Getränke mit unter fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter blieben steuerfrei. Bei über acht Gramm wären 32 Cent pro Liter fällig.

In der Bundesregierung ist der Vorstoß umstritten. Gesundheitsministerin Nina Warken unterstützt die Pläne. Agrarminister Alois Rainer lehnt die Abgabe ab.

Gefährliche Lücken bei Nahrungsergänzungsmitteln

Ein weiteres Problemfeld: der Markt für Nahrungsergänzungsmittel (NEM). Drei von vier Deutschen kaufen regelmäßig solche Präparate. Experten warnen vor Sicherheitslücken und Informationsdefiziten.

Auf dem Kongress pharmacon in Meran betonte Prof. Dr. Mona Tawab am 7. Juni 2026: Rund 50 Prozent der Bevölkerung glauben fälschlicherweise, Nahrungsergänzungsmittel würden ähnlich streng geprüft wie Arzneimittel. Das Gegenteil ist der Fall. Für viele Vitamine und Mineralstoffe fehlen gesetzliche Höchstmengen. Das erhöht das Risiko von Überdosierungen.

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Besonders kritisch sehen Verbraucherschützer Produkte aus dem Internet. Sie enthalten teils lebensgefährliche Stoffe wie DNP. Auch ayurvedische Präparate sind mitunter mit Schwermetallen belastet. Fachleute raten: Supplementierung nur auf Basis gemessener Blutwerte und nach professioneller Beratung.

WHO warnt vor verunreinigten Lebensmitteln

Die globale Dimension des Problems zeigt ein WHO-Bericht vom 7. Juni 2026. Verunreinigte Lebensmittel verursachen jährlich über 860 Millionen Erkrankungen und 1,5 Millionen Todesfälle. Besonders betroffen: Kinder unter fünf Jahren, die fast ein Drittel der Krankheitslast tragen. Die wirtschaftlichen Schäden durch Produktivitätsverluste werden auf rund 267 Milliarden Euro geschätzt.

Auch in Deutschland gibt es lokale Risiken. Ein Bericht aus Bremen vom 8. Juni 2026 warnt vor dem Trend zu Rohmilch. Sie kann schwere Infektionen mit EHEC- oder Campylobacter-Bakterien auslösen. Kontrollen aus dem Jahr 2025 zeigten zudem: In vier von neun untersuchten Sprossenproben waren krankmachende Keime nachweisbar.

Mediziner fordern Prävention im Alltag

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland liegen laut der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) bei jährlich über 500 Milliarden Euro. Auf ihrem Kongress im Juni 2026 fordern Mediziner eine stärkere präventive Ausrichtung. Dazu zählen tägliche Sporteinheiten in Schulen und Werbebeschränkungen für ungesunde Lebensmittel. Ziel: den hohen Raten an Adipositas bei Kindern und Jugendlichen entgegenwirken.

Köche kämpfen für Sortenvielfalt

Auch die landwirtschaftliche Basis steht im Fokus. Über 120 Küchenchefs aus 19 EU-Ländern richteten im Juni 2026 einen Appell gegen geplante Änderungen im EU-Saatgutrecht. Sie warnen: Eine einseitige Züchtung auf Ertrag und Haltbarkeit geht zulasten von Geschmack und Nährwert. Die Köche fordern den Erhalt der Sortenvielfalt und die Unterstützung lokaler Erzeuger. Die EU-Verhandlungen sollen Mitte Juni 2026 abgeschlossen werden.

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