Nahrungsergänzungsmittel, Deutschen

Nahrungsergänzungsmittel: 50% der Deutschen täuschen sich gefährlich

04.06.2026 - 21:16:54 | boerse-global.de

Viele Verbraucher halten Supplemente fälschlich für geprüfte Arzneimittel. Experten warnen vor Risiken und begrüßen neue gesetzliche Regelungen.

Nahrungsergänzungsmittel: Gefährliche Irrtümer und neue Regeln
Nahrungsergänzungsmittel - Eine Hand greift nach einer Nahrungsergänzungsmittelflasche in einem modernen Geschäft, das Nachdenklichkeit ausdrückt. 04.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 50 Prozent der Bundesbürger glauben, Nahrungsergänzungsmittel seien geprüfte Arzneimittel. Dabei unterliegen die Produkte keiner Zulassungspflicht – und es gibt keine gesetzlichen Höchstmengen für Inhaltsstoffe. Darauf wies Prof. Dr. Mona Tawab, wissenschaftliche Leiterin des Zentrallabors Deutscher Apotheker (ZL), beim pharmacon Meran hin.

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Gefährliche Werbeversprechen

Krankheitsbezogene Werbung ist für Nahrungsergänzungsmittel gesetzlich verboten. Die Anbieter umgehen das mit sogenannten Health Claims, die eine gesundheitliche Wirkung suggerieren. Das Problem: Hochdosierte Präparate können nicht nur wirkungslos sein. Sie stören mitunter die Wirkung echter Arzneimittel oder schädigen direkt die Gesundheit, warnte Tawab.

Der Trend zur Selbstoptimierung treibt das Problem weiter an. Prof. Dominik Pförringer, Orthopäde und Unfallchirurg, kritisierte die Versprechen des Biohacking- und Longevity-Hypes als oft wissenschaftlich unbegründet. Seine klare Ansage: „98 Prozent der Menschen brauchen bei ausgewogener Ernährung keine zusätzlichen Supplemente."

Wenn Halbwissen auf Technik trifft

Pförringer warnte vor der Vermischung von gefährlichem Halbwissen mit fragwürdigen Studien zu Genetik und Epigenetik. Auch die exzessive Selbstvermessung birgt Risiken: Ganzkörper-MRT-Untersuchungen ohne medizinische Indikation führen zu Zufallsbefunden und Überdiagnostik. Seine Empfehlung: sich lieber auf die allgemeine Lebensfreude konzentrieren statt auf technische Selbstoptimierung.

Neue Regeln für Melatonin

Die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern sich derzeit für bestimmte Substanzen. Seit dem 3. Juni ist Melatonin in einer Dosierung von 3 mg je abgeteilter Arzneiform für die Anwendung bei Jetlag bei Erwachsenen aus der Verschreibungspflicht entlassen. Bisher waren solche Präparate zur Behandlung von Schlafstörungen nur für bestimmte Altersgruppen oder Krankheitsbilder rezeptpflichtig.

Apothekenreform: Mehr Verantwortung für Pharmazeuten

Gleichzeitig beschloss der Bundestag am 3. Juni eine Apothekenreform, die das pharmazeutische Personal stärkt. Ab 2027 sollen Apotheken verstärkt als erste Anlaufstelle in der Primärversorgung dienen. Geplant sind neue Dienstleistungen wie assistierte Telemedizin, erweiterte Impfangebote, Blutentnahmen und Schnelltests.

Die Notwendigkeit fachlicher Beratung zeigt ein aktueller Fall: Mitte Juni beginnt vor dem Amtsgericht Wiesbaden ein Prozess gegen einen 77-Jährigen wegen bandenmäßigen Betrugs. Er soll einer Seniorin wertlose Vitamine für 850 Euro als dringend benötigte Medikamente gegen Erblindung verkauft haben.

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BAK-Präsident Dr. Armin Hoffmann fordert deshalb eine zentrale Rolle der Apotheker in der Versorgungskette. Im Rahmen des Apotheken-Reformgesetzes (ApoVWG) sollen sie künftig mehr Verantwortung bei der Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente und im Medikationsmanagement übernehmen. Experten raten Verbrauchern: Nahrungsergänzungsmittel nur nach fundierter Blutwertmessung und in Abstimmung mit Fachpersonal einnehmen.

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