Nahrungsergänzung, Vitamin-D-Überdosis

Nahrungsergänzung: Vitamin-D-Überdosis vergiftet Säugling schwer

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nordrheinische Apotheken warnen vor unseriösen Online-Anbietern. Ein Säugling erlitt eine schwere Vitamin-D-Vergiftung, zudem drohen Strafen für Plattformen.

Apotheker warnen vor riskanten Online-Arzneimitteln und Vitamin-D-Überdosierung
Verschiedene Nahrungsergänzungsmittel und lose Pillen auf einem Holztisch bei natürlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Apothekerkammer Nordrhein und der Apothekerverband Nordrhein wiesen im August 2026 auf die erheblichen Gefahren hin, die mit dem Bezug von Arzneimitteln und hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln über zweifelhafte Online-Anbieter verbunden sind.

Insbesondere Angebote für Abnehmpillen und hochdosiertes Vitamin D stehen im Fokus der Fachleute. Lokale Apotheken in Städten wie Hilden, Haan und Langenfeld schlossen sich dieser Warnung an, um auf die Risiken unkontrollierter Selbstmedikation aufmerksam zu machen.

Gefahren durch Fehldosierungen und neue Wirkstoffe

Ein Vorfall aus dem Juli 2026 unterstreicht die Dringlichkeit dieser Warnungen: Ein sechs Monate alter Säugling erlitt eine schwere Vitamin-D-Vergiftung und musste stationär behandelt werden, nachdem ihm ein für Erwachsene gedachtes Präparat verabreicht worden war.

Neben solchen Dosierungsfehlern bereitet Experten auch der Markt für Gewichtsreduktionsmittel Sorgen. So verweist die Apothekerkammer Nordrhein auf den Fall einer Semaglutid-Tablette, die in Deutschland voraussichtlich ab September 2026 eingeführt wird.

Da dieser Wirkstoff verschreibungspflichtig ist, birgt der Bezug über illegale Kanäle ohne ärztliche Aufsicht erhebliche Gesundheitsrisiken. Studien deuten bei korrekter Anwendung auf einen möglichen Gewichtsverlust von 15 bis 20 Prozent hin, betonen jedoch die Notwendigkeit einer strengen medizinischen Indikation.

Juristische Schritte gegen Online-Plattformen

Der regulatorische Druck auf internationale Verkaufsplattformen nimmt zu. Die Europäische Union verhängte bereits im Mai 2026 eine Buße von 200 Millionen Euro gegen den Anbieter Temu.

Gegen Aliexpress wurde eine Strafe in Höhe von 550 Millionen Euro ausgesprochen, da das Unternehmen gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen habe. Konkret wurde eine unzureichende Kontrolle illegaler und gefährlicher Produkte bemängelt; das Unternehmen hat nun bis Oktober 2026 Zeit, die Mängel zu beheben.

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Auch gegen Amazon erging eine Entscheidung: Das Oberlandesgericht Bamberg urteilte, dass das Unternehmen durch intransparente Empfehlungssysteme und einen Registrierungszwang für Fehlermeldungen gegen geltendes EU-Recht verstoße. Eine Revision zum Bundesgerichtshof wurde in diesem Verfahren zugelassen.

Warnungen vor Trends und zweifelhaften Substanzen

Fachbehörden identifizierten in den vergangenen Monaten verschiedene gesundheitsgefährdende Trends. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies darauf hin, dass die Einnahme von Beta-Alanin in Nahrungsergänzungsmitteln Missempfindungen wie Kribbeln oder Brennen auslösen kann.

Das Risiko gelte bei Einzeldosen unter 400 mg als gering, die Anwendung sollte jedoch nicht länger als 12 Wochen dauern und ist für Kinder, Schwangere sowie Senioren über 65 Jahre nicht geeignet.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnte zudem vor sogenannten Drip-Spa-Infusionen. Für diese Vitamin-Infusionen liege keine Arzneimittelzulassung vor, zudem seien sie mit Risiken wie Elektrolytstörungen, Herzrhythmusstörungen und Nierensteinen verbunden. Auch Trends wie der „Cortisol-Detox“ werden kritisch bewertet.

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Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betonte, dass entsprechende Selbsttests ungenau seien und kein klarer Zusammenhang zwischen Cortisolwerten und Bauchfett nachgewiesen werden könne. Bei Vitamin B12 empfiehlt die DGE einen Tagesbedarf von 4 µg für Erwachsene, während das BfR eine Höchstmenge von 25 µg pro Dosis für entsprechende Präparate rät.

International warnten Behörden wie die brasilianische Anvisa vor betrügerischen E-Books, die mit KI-generierten Guru-Figuren für nicht registrierte Wundermittel werben. Die niederländische Gesundheitsinspektion mahnte zudem zur Vorsicht bei Online-Angeboten für Peptide, da diese oft unbekannte Inhaltsstoffe enthielten und illegal vermarktet würden.

Die Apothekerkammer Nordrhein unterstrich abschließend die Rolle der Vor-Ort-Apotheken als unverzichtbare Sicherheitsinstanz, um Patienten vor solchen unkalkulierbaren Risiken zu schützen.

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