Nahrungsergänzung: Jedes zweite Heidelbeer-Produkt ist Betrug
21.06.2026 - 01:04:20 | boerse-global.de
Nahrungsergänzungsmittel sind keine Wundermittel – und können sogar gefährlich sein.
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Kein Ersatz für einen gesunden Lebensstil
„Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine gesunde Lebensführung", betont Mediziner Stephan Barth im Juni 2026. Der Schlüssel zum gesunden Altern liege in den Mitochondrien – den Kraftwerken der Zellen. Deren Funktion sichere man primär durch Bewegung, ausgewogene Ernährung, Schlaf und Stressmanagement.
Supplemente können Defizite in diesen Bereichen nicht ausgleichen. Eine gezielte Ergänzung, etwa mit Coenzym Q10 ab 30 Jahren, könne aber unterstützend wirken – vorausgesetzt, der Lebensstil stimmt.
Magnesium: Bedarf und Grenzen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfehlen für erwachsene Frauen 300 mg Magnesium pro Tag, für Männer 350 mg. In Stressphasen oder bei intensivem Sport kann der Bedarf steigen. Schwangerschaft und Stillzeit erfordern laut diesen Empfehlungen dagegen nicht automatisch eine höhere Zufuhr.
Krankenkassen zahlen nicht
Die orthomolekulare Therapie – hochdosierte Vitamine und Spurenelemente – bleibt eine Privatsache. Das Landessozialgericht Stuttgart entschied im August 2024 (Az. L 4 KR 3734/21): Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten nicht. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) erkennt die Methode nicht an. Patienten müssen für Präparate und Diätnahrung im ambulanten Bereich selbst aufkommen.
Gefährliche Inhaltsstoffe: Bor und Blausäure
Verbraucherschützer warnen vor spezifischen Risiken. Bor etwa ist kein essentieller Nährstoff – ein physiologischer Nutzen ist wissenschaftlich nicht belegt, so die Verbraucherzentrale im März 2025. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt maximal 0,5 mg Bor pro Tag über Supplemente. Marktübliche Produkte enthalten oft 3 mg. Bor reichert sich im Körper an – Überdosierung droht. Für Kinder sind solche Produkte tabu.
Auch vermeintliche Superfoods bergen Risiken. Geschrotete Leinsamen enthalten Blausäure-Vorstufen, warnt das BfR im Juni 2026. Erwachsene sollten maximal 15 bis 20 Gramm pro Tag zu sich nehmen. Kleinkinder sollten auf rohe, geschrotete Leinsamen ganz verzichten – bereits geringe Mengen können kritisch sein. Erhitzen reduziert den Blausäuregehalt. Zudem kann Cadmium eine Rolle spielen.
Jedes zweite Produkt ist nicht echt
Die Qualität vieler Produkte ist erschreckend. Ein Test des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus dem Jahr 2024 ergab: Rund 50 Prozent der untersuchten Heidelbeerprodukte enthielten keine echten Waldheidelbeeren. Stattdessen fanden sich in Kapseln Anthocyane aus schwarzem Reis, in Säften Farbstoffe aus der Jujube-Frucht oder Bananenschalen-Pulver. Für Verbraucher ist die Täuschung kaum erkennbar – die Inhaltsstoffe imitieren die dunkle Farbe echter Waldheidelbeeren.
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Supplemente nur nach Diagnostik
Fachleute raten dringend: Supplemente, besonders für die Schilddrüse, nur nach ärztlicher Diagnostik einnehmen. Jod und Selen können das Organ unterstützen – unkontrolliert eingenommen sind sie riskant. Vorab sollten TSH-Wert, fT4 und Antikörper geprüft werden. Liegt der TSH-Wert unter 0,1 mIU/L, ist von schilddrüsenstimulierenden Mitteln abzuraten.
Und ein wichtiger Hinweis: Biotin verfälscht Labortests. Wer eine Blutentnahme plant, sollte das Vitamin 48 bis 72 Stunden vorher absetzen.
