Nahrungsergänzung, Kinder

Nahrungsergänzung für Kinder: Vitamin A kann Leber und Knochen schädigen

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 21:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Verbraucherschützer halten Präparate für gesunde Kinder meist für unnötig; Vitamin A und zu hohe Dosierungen können gesundheitliche Schäden verursachen.

Nahrungsergänzung für Kinder: Fachleute warnen vor Risiken und Überdosierung
Frisches, buntes Gemüse auf einem hölzernen Schneidebrett in einer hellen Küche als Symbol für eine ausgewogene Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Viele Eltern greifen zu Vitaminpräparaten oder Mineralstoffen, um die Entwicklung ihres Nachwuchses zu fördern oder vermeintliche Mängel auszugleichen. Verbraucherschützer und Mediziner sehen diesen Trend jedoch mit wachsender Skepsis.

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Niedersachsen sind Nahrungsergänzungsmittel für Kinder bei einer ausgewogenen Ernährung unnötig. Wie Anneke von Reeken von der Verbraucherzentrale betont, sei ein gesundheitlicher Nutzen dieser Produkte für gesunde Kinder wissenschaftlich nicht belegt.

Fehlende gesetzliche Höchstmengen und Risiken durch Vitamin A

Ein zentraler Kritikpunkt der Verbraucherschützer betrifft die rechtlichen Rahmenbedingungen: Bislang fehlen verbindliche gesetzliche Höchstmengen für die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Zudem gelten die Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu solchen Präparaten im Regelfall erst ab einem Alter von 15 Jahren.

Untersuchungen zeigen erhebliche Risiken bei der Zusammensetzung: Laut von Reeken enthielten fast alle von der Verbraucherzentrale getesteten Produkte Vitamin A. Das BfR empfiehlt den Zusatz dieses Vitamins für Kinder jedoch ausdrücklich nicht.

Eine Überdosierung kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, darunter Leberschäden sowie Beeinträchtigungen des Knochenwachstums. Eltern wird daher geraten, bei einem konkreten Mangelverdacht ärztlichen Rat einzuholen, anstatt eigenmächtig und vorbeugend Präparate zu verabreichen.

Weite Verbreitung unter Heranwachsenden

Trotz der Warnungen sind Supplemente in vielen Familien fester Bestandteil des Alltags. Daten der DONALD-Studie zeigen, dass 10 Prozent der Kinder täglich mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel erhalten.

Die EsKiMo-Studie belegt eine ähnliche Tendenz: Demnach nimmt jedes zwölfte Kind im Alter von 6 bis 11 Jahren und rund 20 Prozent der 12- bis 17-Jährigen täglich entsprechende Präparate ein. Studien weisen jedoch darauf hin, dass diese Einnahme meist überflüssig ist und potenziell gefährliche Folgen haben kann.

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Auch bedenkliche Fütterungstrends sorgen in der Fachwelt für Unruhe. Eine Kinderärztin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen äußerte sich kritisch über Supplemente bei Babys und Kleinkindern.

Zuvor hatte der Fitness-Influencer Christian Wolf öffentlich berichtet, seiner 15 Monate alten Tochter das Süßungsmittelprodukt „Chunky Flavour“ mit Sucralose und Stevioglycosiden in den Quark zu mischen und seinem ersten Kind bereits als Baby Kreatin in die Milch gegeben zu haben.

Spezifische Grenzwerte am Beispiel Magnesium

Dass Mineralstoffe keineswegs beliebig dosiert werden dürfen, verdeutlichen die Richtwerte für Magnesium. Der angegebene tägliche Magnesiumbedarf liegt bei 170 Milligramm für Kinder von einem Jahr bis unter 4 Jahren, 190 Milligramm für 4- bis 7-Jährige und 240 Milligramm für 7- bis unter 10-Jährige. Für die Altersgruppe von 13 bis unter 15 Jahren liegt der Wert bei 280 Milligramm für Jungen und 240 Milligramm für Mädchen.

Für Supplemente wird ab einem Alter von 4 Jahren eine Höchstmenge von 250 Milligramm elementarem Magnesium pro Tag genannt; für Kinder unter 4 Jahren lässt sich keine wissenschaftlich fundierte Höchstmenge benennen. Bereits ab 300 Milligramm täglich aus Nahrungsergänzungsmitteln können Nebenwirkungen wie Durchfall auftreten.

Warnungen vor den Folgen einer Überdosierung

Auch bei Erwachsenen mahnen Fachgesellschaften zur Vorsicht. Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt davor, dass eine Überversorgung durch Nahrungsergänzungsmittel das Krebsrisiko erhöhen kann. Eine 2019 veröffentlichte Studie zeigte ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei sehr hohen Dosen von Vitamin B12, da diese das Wachstum bereits existierender Krebszellen fördern könnten.

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Eine weitere Untersuchung im Journal of Clinical Investigation von 2023 deutet darauf hin, dass auch die zusätzliche Einnahme der Vitamine A, C und E ein Lungenkrebsrisiko begünstigen kann, indem Tumore neue Blutgefäße bilden und schneller wachsen.

Die Aufnahme von Antioxidantien über die normale Nahrung stuften die Studienautoren hingegen als unproblematisch ein. Demgegenüber steht eine Beobachtung des Deutschen Krebsforschungszentrums, wonach die tägliche Einnahme von Vitamin D die Krebssterblichkeit in der Bevölkerung um 12 Prozent senken könnte.

Vor einer unkontrollierten Einnahme, etwa aufgrund von Erschöpfung, warnen Experten ebenfalls. Zwar fühlen sich laut Statista 30 Prozent der Menschen in Deutschland zwei- bis dreimal pro Woche und 18 Prozent täglich müde, und Mängel an Vitamin B1, B3, B9, B12 oder C können solche Symptome verursachen.

Zudem stuft das BfR die Folsäureversorgung bei 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung als unzureichend ein, während die EFSA gesundheitsbezogene Angaben zur Müdigkeitsverringerung für mehrere B-Vitamine und Vitamin C zulässt. Dennoch empfehlen Fachgesellschaften vor einer Supplementierung grundsätzlich eine labormedizinische Bestimmung der Blutwerte durch medizinisches Fachpersonal.

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